@OP
Du erwartest in einem kurzem Beitrag zu erfahren, wofür Fachleute über Jahre studieren gehen ? ♦
Da mir grad mega langweilig ist und ich keine Lust zu pokern habe, versuch ich es mal kurz und grob (mehr geht auch nicht, weil ich nicht jahrelang studiert hab ^^ )
Wenn sich jemand an meinem folgenden teils laienhaften und vielleicht nicht immer völlig korrekten Aussagen und Behauptungen stößt, so möge er es mitteilen, mich belehren (ich lerne gern) und von mir aus auch zur Löschung auffordern. Ist ja schnell erledigt
Du musst Unterscheiden zwischen Anlageklasse und Investitionskanälen.
Als Investitionskanal bezeichne ich den Weg, die Art und Weise, wie Geld in eine bestimmte Anlageklasse gelangt.
Anlageklassen gibt es prinzipiell nur folgende wenige:
- Unternehmensbeteiligungen
- Immobilien
- Rohstoffe
Alles weitere, was man überall hört über "Geldanlagen" sind einfach nur Resultate unendlicher menschlicher Fantasie bei der Geldbeschaffung.
Zu Immobilien und Rohstoffen muss man nix weiter schreiben, da kann sich jeder etwas darunter Vorstellen.
Unternehmensbeteiligungen:
Hier gilt es zu wissen, dass es verschiedene Unternehmensformen, bzw. Rechtsformen gibt.
Dies sind zum einen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.
Vereinfacht ausgedrückt haften bei Personengesellschaften die handelnden Menschen mit Ihrem Vermögen und bei Kapitalgesellschaften wird nur mit dem Kapital der Unternehmung selbst gehaftet.
Ich versuche mal eben kurz und vereinfacht zu Umschreiben, welche Möglichkeiten es da gibt.
a) Einzelunternehmung / GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts / OHG (offene Handelsgesellschaft)
Hier gibt es einen / wenige (bei der GbR) Unternehmer/Gesellschafter, die jeweils mit ihrem gesamten Privatvermögen haften, also falls es um die Begleichung von Schulden geht.
In der OHG können auch juristische Personen Gesellschafter sein.
Die Gestaltungsmöglichkeiten der Gesellschaftsverträge sind hier wohl egal ;).
b) Kommanditgesellschaft (KG)
Hier gibt es einen Vollhafter (Komplementär) und mehrere mögliche Teilhafter (Kommanditisten). Der Vollhafter haftet mit seinem Vermögen. Die Teilhafter haften nur in der Höhe ihrer Einlage, also dem Geld, welches sie in die Firma gesteckt haben.
Es ist auch möglich, an Stelle des Vollhafters eine Kapitalgesellschaft zu setzen, so dass dessen Haftung ebenfalls auf Geschäftsvermögen begrenzt ist. Ein Beispiel dafür wäre eine GmbH & Co. KG.
Diese Varuiante hat jedoch Nachteile bei Bonitätsprüfungen, da die Haftung des Komplementärs eben begrenzt ist.
c) GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
Eine solche können natürliche, aber auch juristische Personen Gründen. Notwendig dafür ist die Erbringung des Stammkapitals, in dessen Höhe diese Unternehmung haftet. Das waren mal minimum 25.000€, kann aber mittlerweile auch weniger sein.
Dem Vorteil der beschränkten Haftung stehen Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung gegenüber, da niemand 1.000.000€ zur Verfügung stellen möchte, wenn er nur 25.000 als Sicherheit hat.
Das veranlasst viele Unternehmer, ihre GmbH zur Komplementärin einer GmbH & Co. KG zu machen, um durch die Kommanditisten (Teilhafter) an zusätzliches Kapital zu kommen und somit mehr Sicherheiten gegenüber Geldgebern vorweisen können.
d) AG (Aktiengesellschaft)
Auch die AG ist eine Kapitalgesellschaft, die in Höhe des Stammkapitals haftet. Das waren mal 50.000€, weiß die aktuellen Werte nicht.
Das Eigenkapital der AG wird durch Anteilsscheine, die Aktien, repräsentiert.
Ob 2 Aktien mit einem Nennwert von 25.000€ oder 1.000 Aktien für 50€ ausgegeben werden, ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Es gibt gute Gründe, sich für eine große oder kleinere Stückelung zu Entscheiden. Das ist Unternehmensabhängig. Es können auch jederzeit weitere Anteilsscheine für zusätzliches Eigenkapital ausgegeben werden.
Nicht jede Aktiengesellschaft ist an einer Börse gehandelt. Im Gegenteil, die meisten Aktiengesellschaften sind außerbörslich aktiv.
Es gibt auch noch exotische Sonderformen wie KGaA (Komanditgesellschaft auf Aktien), aber das is nicht weiter wichtig.
Interessant zu kennen wären vielleicht noch die Limited und die S.A. beides ebenfalls Kapitalgesellschaften, jedoch nach britischem, bzw. französischem (glaube ich, keine Garantie) Recht.
Jetzt kennst Du die wichtigsten Zielpunkte für Investitionen, also die Arbeitsstätten von Geld, die MIttelpunkte der Wertschöpfung.
Kommen wir nun dazu, wie das Geld überhaupt in die Unternehmen, die Immobilien oder die Rohstoffe kommt.
Grundsätzlich gilt bei Investitionen zwischen Eigenkapital und Fremdkapital zu unterscheiden.
Eigenkapital ist Geld, welches Dir oder einem Unternehmen als Eigentum gehört. Dieses Geld ist an Wertschöpfungserfolg gebunden und wird nicht pauschal verzinst.
Fremdkapital ist vereinfacht ausgedrückt geliehenes Geld und muss wird in der Regel verzinst. Der Zins ist somit der Preis für die zeitweise Überlassung eines Geldbetrages. Die Höhe dieses Preises ist an das Ausfallrisiko gekoppelt. Leiht sich zum Beispiel das Land Argentinien bei Dir Geld, so muss es Dir ein höheres Risiko des Verlustes bezahlen als Deutschland oder Frankreich.
Es gibt auch eine Art Zwischenform, Mezzanin genannt. Hierbei handelt es sich grundsätzlich um Fremdkapital, welches sich ein Unternehmen bei einer Bank oder einem anderen Geldgeber leiht, jedoch der Geldgeber hinter den anderen Gläubigern des Geldbedürftigen zurück tritt, so dass dieses Geld gegenüber aller anderen Gläubigern wie Eigenkapital zur Haftung herangezogen kann. Die Forderungen des Mezzanin Geldgebers werden also nachrangig bedient.
Wenn Unternehmen Geld benötigen, haben sie valso erschiedene Möglichkeiten. Eigenkapital ist zwar in gewisser Weise günstiger, da man nicht zur Zahlung von Zinsen verpglichtet ist, jedoch wird auch die Macht, der Einfluss mit jedem weiteren Eigenkapitalgeber geteilt. Das Mitspracherecht bleibt bei FRemdkapitalgebern in der Regel aus, jedoch müssen dafür Zinskosten getragen werden.
Nun gibt es die verschiedenen Investitionskanäle, wie ich es weiter oben nannte, sowohl für die Beschaffung von Eigenkapital, als auch Fremdkapital.
Ich beginne beim Fremdkapital:
Stark vereinfacht ausgedrückt handelt es sich hierbei immer um Kredite.
Jemand braucht Geld und jemand hat Geld, dass er verleihen möchte. Wie schon erklärt, bestimmt das Risiko, das verliehene Geld nicht wieder zurück zu bekommen, den Preis. Für die Bewertung dieses Risikos gibt es auch sog. Rating Agenturen, die im Rahmen der kürzlichen weltweiten Finanzkrise stark in Verruf gerieten.
Mögliche Wege zu Fremdkapitalbeschaffung sind:
- Darlehen
- Genussscheine
- Inhaberschuldverschreibungen
- Staatsanleihen (Wenn Staaten Geld brauchen)
Genussscheine und Inhaberschuldverschreibungen (IHS) gelten als Unternehmensbeteiligungen. Man spricht auch öffters von sog. " Renten-Werten"
Sie haben meistens eine feste Laufzeit, einen festen Zins und meistens die garantierte Rückzahlung des geliehenen Betrages. Wie schon erwähnt, wird der Zins umso höher, je unwahrscheinlicher die Rückzahlung erscheint.
Obwohl diese Renten eine feste Laufzeit und einen festen Zins haben, können sie während der Laufzeit gehandelt werden. Dieser Handel ist sehr begehrt. Wenn man beispielsweise eine IHS zu einem Zins von 5% über 10 Jahre hält, das Zinsniveu aber plötzlich sinkt und vom gleichen Herausgeber nur noch IHS mit 4% angeboten werden, so ist es natürlich attraktiver, bei gleichem Risiko (ist ja das gleiche Unternehmen), die IHS mit dem höheren Zins zu halten. Das führt dazu, dass eine IHS, die im "Kauf" 100€ gekostet hat, die man am Ende der 10 Jahre auch 1:1 wieder bekommen würde, zwischenzeitlich aber über diesen 100€ gehandelt werden kann, da man quasi den Zinsvorteil von Interessenten bezahlt bekommt.
So kommt es auch, dass Fonds (erklär ich später noch), die auf den Handel mit Renten spezialisiert sind, Kursschwankungen verbuchen, obwohl jeder einzelne Wert an sich einen festen Rückzahlungswert bei Ablauf und einen festen Zins hat.
Wichtig zu beachten ist bei solchen Investitionen in Unternehmen, dass es zwar eine garantie auf die Rückzahlung des Geldes gibt, allerdings jede Garantie nur so viel Wert ist, wie die Überlebenschance des Garantiegebers.
Ich gehe auch davon aus, dass die Gläubiger über diese Instrumente hinter den Banken zurück stehen müssen, wenn es zur LIquidierung des Unternehmens kommt.
Die Investitionen per Fremdkapital sind für einen Anleger etwas leichter zu handhaben, da das Chancen/Risikoverhältnis halbwebs sicher durch die Höhe des Zinssatzes ablesbar ist.
Investitionen als Eigenkapitalgeber sind etwas kniffliger.
Machen kann man das hauptsächlich als Aktionär oder Kommanditist.
Ich habe aber vorallem bei dubiosen Kapitalanlagen schon GmbHs und GbRs als Rechtsform für Massen-Geldeinsammlungen gesehen, dazu aber später mehr.
Das Problem beim Eigenkapital ist, dass dieses Geld komplett in die Haftung eingeht, während man als Fremdkapitalgeber noch darauf hoffen kann, bei einer finalen Zerlegung eines Pleite-Unternehmens noch einen Teil seines Geldes zurück zu bekommen.
Das Verlustrisiko ist also grundsätzlich schonmal höher und das bei noch schwierigerer Risikoeinschätzung. Die Gewinnchancen sind jedoch ebenfalls sehr beträchlich.
Da direkte Investitionen in Unternehmen oder Immobilien schwierig zu handhaben sind, den meisten von uns (mich eingeschlossen) ganz einfach die nötige Kompetenz für sinnvolle Entscheidungen fehlt, gibt es Institutionen, die das Geld interessierter Anleger bündeln und dann mit Ihrem Fachwissen verwalten und investieren. Diese Istitutionen sind die Fondsgesellschaften.
Ein Fonds selbst ist keine Anlageklasse, sind nur eine Art Mittelsmann, der zwischen Anlegern und Unternehmen vermittelt. Diese Fonds gibt es für alle möglichen Anlageklassen. Für festverzinsliche Wertpapiere (Renten), für Aktien, Rohstoffe, Immobilien und sogar für Eigenkapitalinvestitionen (Private Equity).
Die rechtliche Gestaltung der Fonds ist recht vielfältig. In der Regel sind Fonds nur für eine spezielle Anlageklasse zugelassen. Ein Rentenfonds darf nicht mal eben sein halbes Vermögen in Aktien investieren.
Es gibt zwar auch Dachfonds und Mischfonds, deren Sinn gilt es aber zu hinterfragen. Ich denke, dass sie ihre Berechtigung haben.
Eine Ausnahmestellung bei diesen Mischfonds haben die sog. Hedgefonds. Diese waren lange Zeit in Deutschland nicht zugelassen, da sie quasi jedes Mittel einsetzen dürfen, um den Profit für die Anleger zu maximieren. Der Fondsmanager könnte theoretisch auch alles auf Rot setzen.
Der Vorteil dieser Fonds ist, dass sie zwar viel Unheil anrichten können, allerdings auch die Möglichkeit zur Risikostreuung haben, wie sie klassischen Fonds fehlt. Solche Hedgefonds werden gern auch für die Verwaltung großer Familienvermögen verwendet.
Weitere Möglichkeiten für Investitionen sind die vielfältigen Zertifikate. Da möchte ich nicht genauer drauf eingehen, da ich da auch nie den kompletten Durchblick gefunden habe ;).
Grundsetzlich handelt es sich hierbei um Wertpapiere, die sich auf einen anderen Wert beziehen. Der Wert eine Aktien-Option ist an den Kurs der entsprechenden Aktie gebunden, je nachdem, ob man auf nen steigenden oder fallenden Kurs gesetzt hat.
Gut so viel dazu, was es denn prinzipiell gibt (ich weiß, verkürzt und ungenau, vielleicht auch hier und da ein kleiner Irrtum).
Anschließend möchte ich noch einige Worte verlieren zu Problemen, die sich in Deutschland leider hart verwurzelt haben und nur unzureichend bekämpft werden. Dabei handelt es sich wiederum nur um meine persönliche Meinung ;).
Ganz groß..... Punkt Nr1: Lebensversicherungen *uääärgs*
Lebensversicherungen sollen einen Zweck erfüllen, nämlich den Tod eines Menschen absichern. Weitere Aufgaben gibt es nicht, bzw. sollte es nicht geben.
Eine Versicherung kann selbst kein Geld drucken. Um den Kunden einen Ertrag in Aussicht stellen zu können, muss die Gesellschaft das Geld arbeiten lassen. Wo arbeitet Geld ? Jawohl... in Unternehmen. Und genau deshalb wandert das Geld, welches der Sparer jeden Monat an die Versicherung überweist, weiter an Renten- und oder Aktienfonds. Meistens wählt der Kunde bei Vertragsabschluss 1 oder 2 oder 3 Fonds aus, die bespart werden.
Und jetzt die spannende Frage: Warum soll der Sparer das Geld nicht direkt in diese Fonds einzahlen? Warum muss erst eine Versicherung ohne jede Leistung noch Geld damit verdienen, dass sie das Kundengeld nur automatisiert weiterschickt an Fondsgesellschaften ?
Und zu klassischen Kapitallebensversicherung.... mit ihren unglaublichen Zinsen unterhalb der Inflation und den sagenhaften Überschussbeteiligungen, die über 30 oder 40 Jahre so überhaupt nicht kalkulierbar sind. In 40 Jahren ist die Gesellschaft vielleicht pleite und das Geld einfach weg.
Punkt2 ... eigenkapitalbasierte Unternehmensbeteiligungen
Hierzu sind vorallem geschlossene Immobilienfonds und diverse Private Equity Fonds zu zählen.
Ganz wichtig: Finger weg, wer keine Ahnung hat !
HIer werden nicht selten die abenteuerlichsten Rechtsformen gebildet. Ich habe bekannte, die haben in einen Immobilienfonds eingezahlt, der die Rechtsform GbR hatte, was dazu führt, dass alle Anleger im schlimmsten Fall mit ihrem gesamten Privatvermögen haften.
Das geilste bei diesem Fonds: es war ein sog. "Zinsfonds", der einem anderen in Finanznot geratenen Immobilienfonds dieses Anbieters Kredit gewährte. Die Anleger haben also ihr ganzes Geld für die Kapitalisierung eines Pleiteunternehmens hergegeben und durften dafür auch noch persönlich haften.
Ich gehe davon aus, dass das dazugehörige Verkaufsprospekt nicht ganz billig war.
Also... niemals blind vertrauen, niemals auf Anhieb ja sagen, niemals unter Druck setzen lassen, wenn Möglich immer mehrere Meinungen einholen und niemals aufhören selbst zu denken.
So... ich hoffe, OP hilft dieser Beitrag etwas weiter. Ich bin jetzt jedenfalls müde und muss nicht mehr gelangweilt durchs netz surfen ♦