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Fragen zur Individualisierung

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john84
Beigetreten: 22.06.2007
PokerStrategist

hey,
hier sind die soziologen gefragt.
ich habe ne verständissfrage.
es geht um diesen text:

becks individualisierungsthese
um seite 308,2. abschnitt

Die Existenzform des Alleinste- henden« stellt hierfür die sozusagen proto-typische (nicht not- wendig etwa die am häufigsten auftretende) biographische Va- riante dar. Dieser neo-existentialistische Tvous ist kaum noch , L irgendwo >eingeboren<, ist kaum noch Mitglied. Er ist sozusagen ,auseebettet<. Um sich wieder >einzubetten<. muß er sich für ir- " gendwelche (biographisch mehr oder minder rasch wechselnden) Mitgliedschaften entscheiden. Das heißt, er wird (freiwillig oder unfreiwillig) Mitglied, sucht Anschlug, nimmt Kontakt auf, tritt bei, geht Beziehungen ein, schließt Freundschaften, findet sich zurecht, gewöhnt sich -und zwar mehr oder weniger an alles.

die frage ist,aus oder eingettet worin?
klar in eine dörfliche gemeinschaft,in ein kollektiv aus menschen die dieselben sinnvorstellungen haben wie man selbst.
aber was soll das sein?wie nennt man das?
aus der gesellschaft?kann ja nich sein,man ist immer teil der gesellschaft.
man partizipiert nur unterschiedlich stark.
ich hoffe ihr könnt mir helfen.
vllt steh ich ja auch nur aufm schlauch
lg und danke im voraus.


Antwort
Zitat
2 Antworten
alterego
Beigetreten: 03.07.2006
PokerStrategist

Kommen wir zunächst zum "eingebettet sein".
Wie du schon richtig sagst, ist eine dörfliche, vormoderne Gemeinschaft ein gutes Beispiel für so einen Sinnzusammenhang. In dieser Welt herrscht mehr oder weniger Eindeutigkeit über die Deutung aller Dinge. Es herrschen verbindliche Regeln und Normen, welche so eng gesteckt sind, dass es für die Individuen nur sehr eingeschränkte Handlungsoptionen, also Wahlmöglichkeiten gibt. Es herrscht eine "umgreifende kulturelle Dauerorientierung, die verbindliche, alternativlose Festlegung, was wann wie
und warum zu tun und zu lassen ist."(309)
Das Leben eines katholischen Landmädchens ist schon bei ihrer Geburt vorbestimmt. Sie ist eingebettet in ein Kollektiv, und sieht sich selbst wohl mehr als Teil des Kollektivs (ihrer Familie, des Dorfes) als als Individuum. Die Identität des Einzelnen geht mehr oder weniger völlig in der Gruppenidentität auf.

Machen wir einen Sprung: Unsere (post)moderne Gesellschaft hat dieses eine sinnstiftende Dach verloren. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber Säkularisierung und Urbanisierung sind sicherlich zwei der wichtigsten Faktoren.

Ausgebettet zu sein, ist das Ergebnis des Verlustes des "schützenden, das Dasein überwölbenden, kollektiv und individuell verbindlichen Sinn-Daches."(307)
Also: Der Mensch ist ausgebettet aus diesem allumfassenden Deutungssystem. Die (post)moderne Gesellschaft ist offener geworden, und lässt eine Vielzahl an verschiedenen Lebensstilen/Lebensentwürfen zu.
Das Individuum ist also einerseits befähigt, anderseits gezwungen, sich seine Sinnvorstellungen selbst zu suchen, und zwar aus dem breiten Angebot auf dem "Sinn-Markt", welches ihm die Gesellschaft liefert. Das meint Hitzler mit Bastelexistenz/Bastelidentität.

Man ist heute nicht mehr eingebettet in die Gesellschaft, denn diese besteht aus unendlich vielen Subsystemen, welche jeweils (in bestimmten Rahmen) ihre eigenen Sinnvorstellungen haben. (Subkultur, Fußballverein, Freundeskreis, etc) Und aus eben diesen Angeboten gilt es, sich seine Identität zusammenzubasteln. Und da sind wir bei deinem Zitat angelangt.

Ich hoffe, das hilft dir, sonst frag einfach weiter. Individualisierung in der Postmoderne hab ich ganz gut drin.


Antwort
Zitat
john84 Themenstarter
john84
Beigetreten: 22.06.2007
PokerStrategist

sehr geil danke :)
fällt dir noch was zur eigenleistung ein ausser dass das individuum zur entscheidung gezwungen wird und sich eben seine identität selbst zusammenstellen muss?das hab ich soweit bereits verstanden denke ich ;)
ich glaub halt kaum dass das die einzige eigenleistung sein soll.


Antwort
Zitat
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