Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Chip-EV-Range im Vergleich zu einer ICM-Range

Anhand zweier Ranges von Pairrd ICM veranschaulichen wir, warum es essenziell ist, dass man ein Verständnis dafür entwickelt, wie das ICM das eigene Spiel beeinflusst...

Falls ihr es verpasst habt, ich bin Fan von Pairrd ICM von Raise Your Edge. Nachdem ich als Co-Autor bereits ein Buch zum ICM verfasst habe, bin ich natürlich voreingenommen, Pairrd ICM kann aber tatsächlich aufzeigen, dass das Independent Chip Model deutlich früher einen Einfluss ausübt, als es die meisten vermuten. Insbesondere der intergierte Vergleich von ChipEV und der entsprechenden ICM-Range ist dabei eins der hilfreichsten Features, um sich das Wirken des ICM bewusst zu machen.

Derartige Vergleiche von ICM- und ChipEV-Ranges haben Dara und ich auch in unseren letzten drei Büchern immer wieder vorgenommen und ich bin überzeugt, dass jeder Spieler regelmäßig mit solchen Analysen arbeiten sollte, um einen Instinkt dafür zu entwickeln, wie man das eigene Spiel anpassen sollte, wenn das ICM ein Faktor ist.

Um das zu verdeutlichen, werde ich einen simplen Vergleich von ChipEV- und ICM-Range für denselben Spot präsentieren, wie er mit Pairrd ICM möglich ist. In besagtem Spot geht es um die Reaktion des Hijacks auf ein Openraise aus UTG+2 mit effektiven Stacks von 40 Big Blinds. Die Größe und genau Phase des Turniers lassen wir der Einfachheit halber außer Acht, man sollte daher den Rückschlüssen aus der Analyse nicht einfach blind folgen. Stattdessen geht es darum, dass die Unterschiede in den Ranges verdeutlicht werden, wenn man sich den Preisrängen näher, aber noch nicht die Bubble erreicht hat.

Zunächst ein Blick auf die ChipEV-Range:

ICM
Die ChipEV-Range für den Hijack nach Openraise von UTG+2

Es ergibt sich eine tighte lineare Range von 15,51%. Auch wenn sie insgesamt linear ausfällt, besteht die Range aus einer ziemlich polarisierten Raisingrange mit den besten Premiumhänden sowie schwächeren Suited-Händen als Bluffs, gepaart mit einer gecappten Callingrange bestehend aus kleinen Paaren, Suited-Broadways und höheren Ax-Händen. Für Protection werden zudem einige Hände der beiden Ranges gemixt.

Das macht Sinn, denn man will die großen Hände für 3-Bet-Pötte, wenn ein Spieler in früher Position eröffnet hat, und man will, dass Bluffs eine mögliche Callingrange blocken, entsprechend stellen Ax-Hände die besten Bluffs dar. Hände wie AJs und KQs schlagen sich nicht sonderlich gut gegen eine 3-Bet-Callingrange, sie performen aber solide ein einmal erhöhten Pötten und lassen sich auch multiway gut spielen, wenn ein weiterer Spieler callen sollte. Darüber hinaus gibt es noch etwas Setmining-Value mit kleinen Paaren, entsprechend macht ein Call mit ihnen Sinn.

Nun schauen wir uns die Range für denselben Spot an, während das ICM aber einen erheblichen Einfluss ausübt:

ICM
Die ICM-Range für den Hijack nach Openraise von UTG+2

Das Erste, was sofort auffällt, ist natürlich, dass die Range insgesamt deutlich tighter ausfällt. Es werden nur 11,71% aller Hände gespielt im Vergleich zu 15,51% bei der ChipEV-Range. Das macht Sinn, weil die Gefahr des Ausscheidens aus dem Turnier automatisch unsere Range tighter macht und darüber hinaus auch beim Raise aus UTG+2 von einer tighteren Openingrange ausgegangen wird.

Die ICM-Range ist zudem deutlich mehr in Richtung 3-Bets gewichtet und wir halten lediglich eine sehr kleine Callingrange. Mit den stärksten Händen und Blocker Bluffs steht wie oben eine 3-Bet an, während die Callingrange wieder aus suited Ax-Händen und Broadways und kleinen Paaren besteht, insgesamt jedoch deutlich kleiner ausfällt. Die Gewichtung in Richtung 3-Bets ergibt sich daraus, dass wir ICM-Druck auf unseren Gegner ausüben können. Manch einer denkt, dass das ICM dazu führt, dass man wie eine Nit agieren muss. Das ist aber nur eine Seite der Medaille, da man es sich auch zunutze machen und erheblichen Druck auf die Gegner durch aggressives Spiel ausüben kann.

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Ranges ist derweil die Struktur. Die ICM-Range ist nicht nur kleiner geworden, auch die Art der Hände hat sich geändert, die darin enthalten sind. Kleine Paare und Suited Connector wurden entfernt, da man eine äußerst starke Hand benötigt, um das Turnierleben aufs Spiel zu setzen, wenn das ICM ein Faktor ist, was in beiden Fällen mit Blick auf Equity nur sehr selten der Fall ist.

Obwohl die Range tighter geworden ist, wurden einige Hände neu darin aufgenommen, zum Beispiel A4o, A2s und mehr suited Kx-Hände mit schlechtem Kicker. Wie kommt es dazu, wenn das ICM eigentlich tightere Ranges diktiert, nun aber Semijunk häufiger mit dabei ist, auf Kosten von soliden Händen wie 88, die nun seltener gespielt werden?

Der Grund ist, dass suited Ax- und Kx-Hände in ICM-Spots gut performen, wenn sie denn aggressiv gespielt werden. Eine Hand wie A2s oder K6s funktioniert gut als Bluff, weil Hände wie AK damit geblockt werden, die eine höheren Anteil an der 3-Bet-Continuerange im Vergleich zum ChipEV-Spot ausmachen. Kommt es zum Call, kann man damit ein Paar treffen, das gut genug ist, um in Pötten mit niedriger Stack-to-Pot-Ratio All-in zu gehen, zudem kann man hin und wieder einen sehr starken Flush treffen und Hände outdrawen, die einen eigentlich dominieren. Primär geht es aber natürlich darum, mit den besagten Händen Folds zu bekommen, weil sie gute Blocker darstellen.

Ich hoffe, das Beispiel hat gezeigt, warum es so wichtig ist, dass man sich mit den Auswirkungen des ICM auf die eigene Range auseinandersetzt. "Tighter spielen" ist nur ein kleiner Teil des Puzzles, was der Komplexität des Einflusses des ICM auf eine Range keinesfalls gerecht wird. Man kann und soll auch deutlich aggressiver agieren und fast in jedem Spot ändert sich die Art von Händen, die man spielen sollte.

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Wie klasse wir das interaktive Übungstool Pairrd von Raise Your Edge finden, haben wir bereits zur Genüge zur Schau gestellt. Heute wird bencb sein Coachingangebot aber auf ein neues Level hieven!

Die meisten Spieler haben sich über die gesamte eigene Laufbahn mit dem ICM falsch auseinandergesetzt. Die meisten nehmen an, dass es lediglich an der Bubble und am Final Table Relevanz hat, tatsächlich ist es jedoch ein Faktor bei jeder einzelnen Entscheidung in einem Turnier.

An dieser Stelle kommt Pairrd ICM ins Spiel, das neue Tool von Raise Your Edge, das euer Verständnis des Independent Chip Model beim Turnierpoker erheblich verbessern wird. Das Tool war jahrelang in der Entwicklung und die Gegner an den Tischen werden sehr lange brauchen, um den Lehren die man aus der neuen Software ziehen kann, selbst auf die Schliche zu kommen und diese letztlich auch umzusetzen.

Weitere Infos zu Pairrd ICM von Raise Your Edge