Ich habe ein bischen nachgedacht und komme zum Schluss, dass man die 3-bet vielleicht spielen kann, wenn man es sehr selten macht. Ungefähr jedes 8. mal, also in 12% der Fälle, wenn man AK oder AQs+ hat.
77 und 66 ist wahrscheinlich nicht in der Range des Gegners. PFR 12 ist nicht übermässig aggressiv. Im Silberchart kommt eine preflop 3-bet gegen MP2 erst mit 99. Eine 3-bet mit 77 oder 66 ist wesentlich looser und passt nicht zum PFR. Über 1k Hände ist schon was.
Es gibt die Hypothese, dass Flopraises auf drawlastigem Board oft weak sind, da der Gegner sich gegen einen preflop Cap auf die Linie call Flop, raise Turn der 3-bet Turn Gefahr ausgesetzt sehen mag oder sich keine Foldequity gibt, mit einer starken made Hand mit call Flop, raise Turn aber mehr aus Hero herausholen könnte. Diese Hypothese trifft aber nur zu, wenn der Gegner seine Range nicht balanced. Davon kann man ohne Read nicht so ohne weiteres ausgehen.
Balancing (für Hero) spielt hier keine grosse Rolle. Der Pot ist gross, so dass der Gegner den Pot nicht so leicht aufgeben kann, wenn Hero 3-bet Flop spielt, selbst wenn Heros Range dann sehr stark ist. Die Hauptidee von Balancing ist ja, Foldequity mit schlechteren Händen zu erzeugen oder sich gute Hände besser auszahlen zu lassen. Das besser auszahlen lassen wird schon durch die Potgrösse erreicht. Die Foldequity gegen bessere Hände ist wahrscheinlich nicht vorhanden, weil man es in den besseren Händen mit 99+ zu tun hat. Der Gegner muss in der Lage sein, das Overpair TT am River wegwerfen zu können.
Den ersten Konflikt hat man mit dem Balancing des Gegners. Angenommen, er spielt seine Flush Draws raise Flop. Das sind ca. 5 Kombinationen (ATs+, KQs). Damit Hero keine profitable 3-bet hat, braucht er ein paar Hände, die besser sind, z. B. 99 und AA. Das reicht schon, um alles zu balancen. Den Rest kann er call Flop spielen. Seine Balancinghände kann er raise Flop, raise Turn für maximalen Value spielen. Dann befindet sich aber keine Hand mehr in der Range des Gegners, gegen die Hero vielleicht Foldequity hat und Villain maximiert seinen Value.
Vor dem River bekommt man mit der 3-bet sicher nichts zum folden. Dort hat man nur noch einen Bluffcatcher ausser Position. Checkt man, unterscheidet sich dier Situation nicht von b/c Flop, cc Turn, ausser, dass die 3-bet am Flop 1 SB mehr gekostet hat. Der Gegner bekommt nach 3-bet Flop, bet Turn, check River genau die gleiche Information wie nach bc Flop, cc Turn. Dafür 1 SB mehr auszugeben, ergibt keinen Sinn.
Der Sinn von 3-bet Flop kann daher nur darin bestehen, den River zu bluffen. Aus einer Range von 99+ ist TT die einzige Hand, gegen die eine entfernte Möglichkeit besteht. Alle besseren Hände callen gegen TT. Das Problem: Villain bekommt am River knapp 11:1 Pot Odds. Da Heros Range eng ist, reicht es ihm, wenn sich 2 schlechtere Kombinationen in der Range von Hero befinden, neben dem Split gegen Heros TT (wenn er von einer preflop Range von TT+, AK, AQs+ ausgeht).
Daraus ergibt sich schon, dass man den Bluff nur mit ganz wenigen Kartenkombinationen spielen darf, sonst befinden sich zuviele schlechtere Hände in Heros Range. Daher kommen meine 12% von oben. (12% aus 16 Kombos = 2 Kombos.)
Man wird nur Foldequity haben, wenn ein Kreuz auftaucht und man hat sie nur gegen einen kleinen Teil der gegnerischen Range.
Die Chance auf einen erfolgreichen Bluff ist ungefähr:
5 Flush Draws sind in der gegnerischen Range, d.h. gegen 5 Kombos sind nur noch 9 Kreuz im Deck. Gegen die Pockets sind im Schnitt 10 Kreuz im Deck. Es wird angenommen, dass der Gegner alle Pockets und die Draws am Flop raisen kann.
99+ = 27 Kombos
Flush Draws = 5 Kombos
gesamt 32 Kombos
Anteil von TT an der gegnerischen Range * Wahrscheinlichkeit für 3. Kreuz auf dem Board
= 6/32 * (5/32 * (1-38/47*37/46) + 27/32 * (1-37/47*36/46))
= 7,1%
Der Bluff kostet 1 BB auf dem River und 1 SB mehr auf dem Flop, wenn man die Differenz zu bc Flop, cc Turn rechnet. Die effektiven Odds sind also 10,7:1,5 = 7,1:1. Dafür braucht man aber eine Gewinnchance von gut 12%.
Irgendwie rechnet es sich nicht. Das Problem, dass der Gegner seine Range gut balancen kann, besteht dazu.