Mein Onkel ist 58 Jahre alt, Diabetiker und musste vor 2 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in Rente gehen. Wegen seiner Diabetis, mehrerer Bandscheibenvorfälle und sicher auch, weil er damals schon viel Alkohol getrunken hat, wovon wir aber nichts mitgekriegt haben. Als Diabetiker darf er offiziell nämlich gar nichts trinken.
In den letzten Monaten ist es immer offensichtlicher geworden, dass er ein Alkoholproblem hat. Mein Vater hat gesehen wie er sich mehrere Flaschen Schnaps im Supermarkt gekauft hat und immer wenn es darum ging meine Großeltern mal irgendwo hinzufahren konnte er das nicht, anscheinend weil er krank war. In Wirklichkeit war er da wohl zu betrunken für.
Das eigentliche Elend begann aber vor 2 Wochen als mein Großvater 84 wurde. Mein Onkel wohnt ja im selben Haus wie sie, hat aber einen eigenen Eingang, eigene Küche usw.
Tja, die Familie saß beisammen und hat Kuchen gegessen und mein Onkel konnte nicht zu uns kommen, weil er mal wieder krank war. Meine Großtante, die mittlerweile auch schon 90 ist wollte ihm kurz einen Krankenbesuch abstatten, nichts ahnend, was da auf sie zukommen würde.
Er lag betrunken bei sich auf dem Sofa und war kaum in der Lage aufzustehen. Er hat am ganzen Körper gezittert und meinte zu ihr, dass es mit ihm noch ein schlimmes Ende nehmen wird.
Als meine Großtante dann von ihm zurückkam, ist sie in Tränen ausgebrochen und meine Mutter, Tante und Schwester haben auch geweint, weil sie das ja auch geahnt haben, dass er trinkt, aber dass es auf einmal so schlimm ist, hätte keiner gedacht. Es wollte wohl auch niemand wahrhaben.
Meine Großeltern haben vorher überhaupt nichts mitbekommen, dass ihr Sohn überhaupt Alkohol trinkt , geschweige denn sogar schwerst abhängig ist und fühlten sich auch wie vom Blitz getroffen.
Meine Mutter hat dann noch mit ihm geredet, aber mein Onkel will scheinbar nicht mehr leben. Er hatte nie wirklich eine Frau und Kinder hat er auch nicht. Sowas wie Freunde gab es in seinem Leben auch nie, so weit ich mich zurückerinnern kann. Außer TV gucken hat er nie großartige Interessen gehabt.
Im August wollen meine Großeltern groß mit der ganzen Familie ihren 60. Hochzeitstag feiern, aber daran ist ja jetzt fast gar nicht mehr zu denken. Mein Onkel sagte, dass wir ja auch gut ohne ihn feiern können, falls er bis dahin Tod ist.
Wir wollten ihn sogar sofort ins Krankenhaus bringen, aber er lehnte ab. Er wollte sich das die nächsten Tage noch überlegen, ob er sich ins Krankenhaus bringen lässt. Natürlich hat er sich auch ein paar Tage später dagegen entschieden und sagte lediglich zu meiner Mutter: "Nee, laß man."
Ich weiß nicht, was man jetzt noch machen kann. Sollen wir ihn einfach in seiner Bude hocken lasen und abwarten bis er an seinem Alkoholkonsum stirbt oder was haben wir großartig für Möglichkeiten? Zwingen kann man ihn ja nicht eine Therapie zu machen oder ins Krankenhaus zu gehen.