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[Geschlossen] [Strategie] Pure Bluffs

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OnkelHotte
Beigetreten: 16.01.2005
BlackMember

1 Pure Bluffs

Bevor das Thema Pure Bluffs angeschnitten wird, noch ein paar mahnende Worte:
Generell sind Pure Bluffs im Limit Texas Hold’em - mit Ausnahme von HU-Situationen in ungeraisten Pots - nur äu�?erst selten und in GANZ speziellen Situationen angebracht. Versucht NICHT, krampfhaft nach Spots zu suchen, wo ihr bluffen könnt. Das wäre MINUS EV!
Manchmal eröffnen sich einem ganz einfach Spots für Pure Bluffs; das kann zweimal in 10 Minuten passieren, aber auch mal 1000 Hände gar nicht.

Okay, aber nun zum Thema: Unter einem Pure Bluff versteht man eine Situation, in der Hero bettet oder raist, obwohl er eine Hand hat, mit der er realistisch gesehen keine oder nur eine sehr geringe Chance hat, den Pot am SD zu gewinnen. Man macht diesen Move also nur, um Gegner zum folden zu bringen und sich so den Pot mit einer eigentlich wertlosen Hand zu sichern. Grundsätzlich hat man ja fast immer noch eine theoretische Chance zu gewinnen, wenn man nicht gerade am River mit 23o bei einem Board mit 5 Overcards und keinem Straight oder Flush für uns dabei ist. Aber da wir kein Lotto spielen, bezeichne ich einen Pure Bluff einfach mal willkürlich als einen Move, den man mit der wahrscheinlich NICHT besten Hand mit 3 oder weniger Outs macht.

2 Die Mathematik von Pure Bluffs

Wie errechne ich, ab wann ein reiner Bluff für uns profitabel ist? Die Berechnung des Erwartungswertes für Pure Bluffs ist relativ simpel, wir brauchen nur 3 Grö�?en, die da sind:

- Die Potgrö�?e (Pot) (Wichtig: Es zählt die Potgrö�?e, NACHDEM Hero seinen Move gemacht hat)
- Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner foldet = Fold Equity = P(fold)
- Die Anzahl der Bets, die uns der Bluff kostet (Bets)

Demnach ist ein Pure Bluff für uns profitabel, wenn gilt:

Beispiel: Wir sind am Turn am Button gegen die SB - unsere Hand ist wertlos. Der Pot ist 7 BB, die SB bettet; Hero könnte nun entweder aufgeben und der SB den nun 8 BB-Pot überlassen oder er könnte in der Hoffnung raisen, dass die SB foldet. Wie oft muss die SB nun folden, damit der Bluff profitabel ist?
Nach einem Raise wäre der Pot 10 BB gro�?. Es muss also gelten:

P(fold) * 10 BB – 2 BB > 0

Ist die Fold Equity beim Gegner hier 20 % (ergo P(fold) = 0,2), so hätten wir:

0,2 * 10 BB – 2 BB = 0

Wir sehen also, dass in diesem Fall die Grenze für die Profitabilität des Bluffs bei einer Fold-Wahrscheinlichkeit von 20 % liegt. Mit anderen Worten: Foldet der Gegner in mehr als 20 % der Fälle, so ist der Bluff profitabel; foldet er seltener, so sollte man die Finger vom Bluff lassen.

Allgemein kann man die Grenze der Profitabiltität des Bluffs folgenderma�?en ausdrücken:

Bluff ist +EV wenn gilt: P(fold) > Bets/Pot

Hierbei ist nun vernachlässigt, dass Hero evtl. doch noch eine Miracle Card treffen könnte.
OK, alles schön und gut, aber wir haben hier mit einer recht abstrakten Grö�?e zu tun: der Fold Equity. Wie kann man bitte berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Gegner foldet? Natürlich kann man dies nicht exakt durchführen. Man muss lernen, den Wert aus der Mischung PT-Stats des/der Gegner(s), bisherige Action der Hand, Boardtextur, Potgrö�?e und speziellen Reads über einige Gegner annäherungsweise abzuschätzen.
Im Folgenden sollen nun einige Grundregeln zum Thema Bluff und anschlie�?end einige Spots erläutert werden, in denen (vorsichtig ausgedrückt) ein Bluff EVENTUELL einigerma�?en gut platziert sein könnte.

3 Einige Grundregeln zum Thema Bluff

Ohne nun direkt auf spezielle Spots einzugehen, im Folgenden ein paar Grundregeln, die generelle Voraussetzungen beschreiben sollen, die für die Platzierung eines Bluffs gegeben sein sollten.

a) Die Gegner: Ein Bluff hat das Ziel, den Pot zu gewinnen, indem man alle Gegner zum folden bringt. Ohne gro�?en Denkaufwand lässt sich nun schlussfolgern, dass man am besten gegen Gegner blufft, die wissen, dass es den Fold-Button überhaupt gibt. Demzufolge funktionieren Bluffs am besten gegen Rocks und gegen TAGs. Nicht Bluffen sollte man gegen Calling-Stations und schon gar nicht gegen Maniacs.

b) Das Board sollte möglichst wenig Draws bieten und möglichst schlecht getroffen werden können. Wir wollen mit unserem Bluff den Gegner vor eine schwere Entscheidung stellen und ihn am liebsten sofort zum folden bringen. Die Entscheidung, ob man nun callt oder foldet, hängt aber auch entscheidend von den Pot Odds ab, falls sich unser Bluffopfer tatsächlich hinten sieht. Wenn er nun dank der Drawlastigkeit des Boards sogar Pott Odds für einen Call hat, so ist die Entscheidung für ihn leicht und schlecht für uns, denn wer foldet schon, wenn er Pot Odds für einen Call hat?
Ein Board mit K♥, 7♣, 2♠ oder 8♦, 8♣, 4♠ ist folglich für einen Bluff besser geeignet als zum Beispiel J♥, 9♥, 8♦.

c) Die Anzahl der Gegner sollte möglichst gering sein. Ich denke, das klingt logisch, denn die Chance, dass ein Gegner foldet ist höher als dass es gleich drei Gegner tun. Gegen drei und mehr Gegner sollte man nur in GANZ besonderen Ausnahmefällen bluffen (ein bis zwei Beispiele werden noch folgen).

4 Heads-Up im ungeraisten Pot am Flop

Dieser Punkt wird zwar ausführlich in HU-Standardmoves erläutert, passt aber auch in dieses Thema, denn es ist die einzige Situation, in der auch ein nahezu purer Bluff immer profitabel angewendet werden kann.
Da der aggressive Ps.de-Spieler nur selten Open Limping betreibt, kommt diese Situation am häufigsten vor, wenn Hero in den Blinds sitzt, also zum Beispiel: Hero ist BB, MP2 limpt, alle folden, Hero blickt voller Begeisterung in den Augen auf 72o und checkt.
Hier gilt: Flop egal, Gegner egal, Hand egal … Hero bettet!!!
Es lässt sich leicht nachrechnen, dass unser Gegner hier nur jedes dritte Mal folden muss, damit die Bet allein profitabel ist - wobei man hier noch jede Möglichkeit gar nicht mit einberechnet, in der Hero seine Hand noch verbessern könnte.

Zusammenfassend: In ungeaisten Pots HU am Flop IMMER betten - sowohl OOP in den Gegner reinbetten, als auch IP, wenn der Gegner vorher gecheckt hat.

5 Der Pot, den keiner haben will

Ein Grund, mit einer eigentlich wertlosen Hand dennoch zu betten, tritt dann auf, wenn unsere Gegner uns ihre Schwäche zur Schau stellen und uns quasi anflehen, den Pot doch bitte nach Hause zu nehmen, damit schnell eine neue Hand ausgeteilt werden kann. Wir gehen mal von einem loosen Full-Ring 2$/4$-Game aus. Hero bekommt JTs in UTG und limpt …

1) Pre-Flop: Hero ist UTG mit J♥, T♥
Hero callt, 7 folden, SB (ROCK) completet, BB (TAG) checkt

Flop: (3 SB) K♦, 3♣, 3♠ (4 Spieler)
SB checkt, BB checkt, Hero???

Wir haben einen Flop, der nur sehr schwer zu treffen ist. Es liegen kaum Draws auf dem Board und vor allem scheinen unsere Gegner an diesem Pot nicht interessiert zu sein. Ein TAG bettet hier in der Regel selber, wenn er etwas hat, denn er will keine Freecards verschenken, wenn er eine Hand wie vielleicht 44 hat. Auch der Rock wird hier wohl kaum mit einer schwachen Hand ins Blaue hineincallen, genauso wird er keine Tricky Moves versuchen. Man kann hier durchaus berechtigt davon ausgehen, dass hier beide Gegner in mehr als 25 % der Fälle folden werden; darum kann man hier ohne echte Hand einfach ins Feld hineinbetten.

Ein zweites Beispiel soll hier noch aus „How good is your Limit Hold’em“ dargestellt werden:
15$/30$, 9 handed: Das Spiel ist loose und passiv, nicht tricky und so sind auch unserer Gegner am Flop.

2) Pre-Flop: Hero ist BB mit 7♥, 4♣
2 folden, UTG+2 callt, MP2 callt, 3 folden, SB completet, Hero checkt

Flop: (4 SB) Q♥, 8♣, 2♠ (4 Spieler)
SB checkt, Hero checkt, UTG+2 checkt, MP2 checkt

Turn: (2 BB) 2♦ (4 Spieler)
SB checkt, Hero???

Hier kommt in der Tat ein Pure Bluff zum tragen, denn hier kann Hero betten! Die Gründe für diesen Bluff sind:

- Keiner schien am Flop an dem Pot interessiert zu sein
- Die Gegner sind nicht tricky oder aggressiv
- Die Turn-Karte wird wohl niemandem geholfen haben, des weiteren bringt sie nicht mal einen potentiellen Flushdraw auf das Board

In dieser Situation kann man durchaus begründet die Annahme treffen, dass hier mehr als jedes dritte Mal alle Gegner folden, so dass unser Bluff profitabel ist.

Zu dem Thema auch noch ein Beispiel aus dem echten Leben:

3) Party Poker 10/20 Hold'em (Shorthanded)

Pre-Flop: Hotte ist BB mit 3♥, 9♣.
1 foldet, MP callt, CO callt, 1 foldet, SB completet, Hotte checkt.

Flop: (4.00 SB) 6♦, 2♥, T♥ (4 Spieler)
SB checkt, Hotte checkt, MP checkt, CO checkt.

Turn: (2.00 BB) 8♣ (4 Spieler)
SB checkt, Hotte checkt, MP checkt, CO checkt.

River: (2.00 BB) 2♠ (4 Spieler)
SB checkt, Hotte bettet, MP foldet, CO foldet, SB foldet.

Final Pot: 3.00 BB.

Die Situation ist ähnlich wie oben. Ich habe nichts und bin an der Hand eigentlich nicht interessiert. Die Gegner sind tight bis loose und aggressiv bis semi-aggressiv. Meinen Reads nach keine Deppen und keine Art von Spielern, die mit einer mittleren Hand am Turn Freecards verschenken. Die 2 am River war meine Initialzündung für den Bluff, da sie nur sehr unwahrscheinlich jemandem geholfen hat. Klar kann man hier in Trips oder Slowplay laufen, aber bei den Gegnern eher unwahrscheinlich, und es handelt sich auch nicht um Downcaller mit High-Card Ass oder König, darum nehme ich an, dass hier in mehr als 33 % der Fälle alle Gegner folden, was den Bluff profitabel macht, in diesem Fall im Vorbeigehen 2 BB.

6 Bluff Raises

Bis jetzt sind Situationen besprochen worden, in denen Hero durch eine einfache Bet mit einer wertlosen Hand den Pot an sich zu rei�?en versucht. Es ist natürlich auch möglich, durch einen Bluff-Raise alle Gegner zum folden bringen zu wollen. Diese Spots sind jedoch mit noch mehr Sorgfalt auszusuchen. Denn zum einen kostet ein Bluff-Raise das Doppelte einer einfachen Bluff-Bet und zum anderen liegt es einfach in der Natur der meisten Pokerspieler, dass sie - wenn sie bereits Geld an der jeweiligen Stra�?e investiert haben - noch unlieber als sowieso schon folden. Darum sollte man solche Moves auch nur gegen Gegner machen, bei denen man am besten schon mit eigenen Augen gesehen hat, dass sie nach Raises zu Laydowns in der Lage sind. In der Tat machen solche Raises meist nur gegen gute Spieler Sinn, die optimal spielen wollen. Gegen Maniacs und Calling-Stations kann man einen Bluff-Raise prinzipiell vergessen. Für einen Pure Bluff-Raise gibt es auch hier keinen perfekten Spot, sondern lediglich Situationen, die vielleicht besser geeignet sind als andere; einige sollen hier kurz angeschnitten werden.

6.1 Der Bluff Check-Raise bei ragged Flops OOP ohne Initiative

Diese Situation entsteht meistens dann, wenn wir unsere Blinds defenden wollen.
Wir nehmen folgendes Beispiel:
Alle folden zum MP1, der raist; alle folden zu Hero in der BB, der T♦, 9♦ hält. Hero callt. MP1 haben wir beim Spielen schon eine Weile beobachtet. Er spielt tight, scheint den PT-Stats nach in etwa PS.de Open Raising Standards (vielleicht etwas passiver) zu haben. Wenn er eine Hand hat, ist er relativ aggressiv; spielt seine Draws eher passiv; blufft kaum und macht keine seltsamen Calldowns mit Highcard Ass sowie keine dummen Calls ohne Pot Odds. Also schon ein solider 18/9/1,8-Spieler im Full-Ring mit einem WSD von etwa 30 %, der aber auch recht vorhersehbar zu sein scheint.

4) Der Flop kommt 2♥, 5♠, 6♣
Hero checkt, MP1 bettet, Hero ???

Okay, die Bet wundert uns nicht, Villain wei�? durchaus, was eine Continuation-Bet ist und wird hier jeden Flop betten, den wir zu ihm checken. Unter Berücksichtigung unseres Reads machen wir nun folgende Annahme:

Fall 1a: Falls Villain auf Overcards sitzt und den Flop folglich nicht getroffen hat, wird er in 50 % der Fälle einen Check-Raise von uns direkt folden oder -
Fall 1b - er wird in 50 % der Fälle unseren Raise callen und am Turn unverbessert folden, wenn wir wieder betten.

Fall 2: Hat er hingegen Overpair, so wird er in 50 % der Fälle den Flop 3-betten oder den Raise callen und den Turn raisen, wenn keine Overcard für ihn kommt.

Führt unter diesen Annahmen, die ich persönlich für grundsätzlich realistisch halte, ein Check-Raise als Bluff am Flop zu +EV? Ehrlicherweise sollte man zugestehen, dass es gar kein echter Bluff ist, wenn der Gegner Overcards hat, da wir in diesem Fall 6 Outs haben, aber wir wollen mal sehen, ob hier ein Move auch ohne Berücksichtigung der Outs Sinn macht.
Das muss errechnet werden und dafür müssen wir zunächst die Open Raise-Range von Villain in MP1 festlegen. Dies mache ich willkürlich folgenderma�?en:
99+, ATs+, AJo+, KJs+, KQo
Wie ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass Villain am Flop Overcards hat? Dazu müssen wir einfach alle Möglichkeiten seiner Raise-Range vergleichen. Offsuited Cards haben 12 Möglichkeiten, Suited Cards 4 und Pocket Pairs 6. Villain hat keine Overcards, sondern Overpair (= schlecht für unseren Bluff) wenn er AA-99 hält, und dafür gibt es zusammen 6 x 6 = 36 Möglichkeiten (theoretisch weniger, weil wir eine 9 und eine T halten, aber das wollen wir jetzt mal vernachlässigen); für AJ, AQ, AK, KQ, KJs und ATs gibt es zusammen 72 Möglichkeiten. Das bedeutet, dass Villain am Flop mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 % Overcards hat.
Wie ursprünglich angenommen, treten Fall 1a und 1b mit jeweils 50 % Wahrscheinlichkeit ein. Die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass Fall 1a oder 1b auftreten, beträgt 66 % (Sie ist gleich der Wahrscheinlichkeit, dass Villain Overcards hat. Demnach wäre der kombinierte Gesamt-EV für Fall 1a und 1b:

EV = 0,66 * (0,5 * (7,5 SB – 2 SB) + 0,5 * (10,5 SB x (1 - 6/47) – 4SB)) = 3,5 SB.

Dabei steht der Term (0,5 * (7,5 SB – 2 SB) für Fall 1a. Die Kosten betragen hier 2 SB; 7,5 SB ist der Pot, um den es geht.
Der Term (10,5 SB x (1 - 6/47) – 4SB) steht für Fall 1b. (1 - 6/47) ist die Chance, dass er am Turn kein Out trifft. Die Kosten sind hier für uns 4 SB, da wir am Turn noch eine weitere Big Bet investieren - der Pot ist mit 10,5 SB aber auch grö�?er.
Nun betrachten wir den Fall, dass Villain ein Overpair hält. Dies tritt in 33 % der Fälle ein. Wir nehmen an, dass wir in diesem Fall keine Gewinnchance gegen Villian haben. Wir würden also sinnlose Bets in ihn hineinfeuern. Callt Villain unseren Check-Raise am Flop und raist dann den Turn, so verlieren wir 4 SB. Wenn Villian uns am Flop 3-bettet, gehen wir mal davon aus, dass wir dann folden. Auch hier können wir annehmen, dass er in 50 % der Fälle den Flop 3-bettet und in 50 % der Fälle den Flop Check-Raise callt und den Turn raist. Unterm Strich kostet uns also ein Bluff, wenn der Gegner ein Overpair hält, 3 SB. Dies tritt in 33 % der Fälle auf.

Der Gesamt-EV ist nun: 0,33 * EV(Overpair) + 0,66 * EV(Overcards)

Also Gesamt-EV = 0,33 * (-3 SB) + 0,66 * 3,5 SB = 1,32 SB

Wenn man die entsprechenden Reads eines Gegners hat, kann man in so einer Situation also ruhig mal einen Pure Bluff versuchen.

6.2 Der Extreme Scary Board River-Bluff

Dieser Bluff-Move ist mit äu�?erster Sorgfalt anzuwenden, weil er einfach mal so 2 BB in den Sand setzen kann. Gegen den richtigen Gegner an der richtigen Stelle kann man sich so aber auch mal im Vorbeigehen einen ganzen Pot kaufen. Ich möchte für diesen Move mal 2 mögliche River-Situationen vorstellen:

A) Board: A♣, J♥, T♥, 6♣, Q♣

Wir gehen einfach mal davon aus, dass Hero so was wie 7♥, 6♥ hält und am CO sitzt. Es waren einige Leute am Flop. Hero hat seinen Flushdraw am Flop gebettet; hatte einige Caller und dann am Turn eine Donkbet gegen sich und nur gecallt und steht nun am River ganz allein gegen einen MP2, der in uns hineinbettet. Wir können uns sicher sein, dass wir hier keinen SD gewinnen können. Können wir hier einen passablen Pot für 2 BB kaufen?

Wir nehmen ein anderes Board:

B) Q♠, T♠, 7♦, 5♠, 2♠

Hero geben wir hier einfach mal K♥, J♥ und nehmen die gleiche Bet-Sequenz wie oben beschrieben. Kann man hier bluffen? Tjo … Schwer zu sagen, aber es gibt Voraussetzungen, in denen man es versuchen könnte. Diese sind:

- Villain ist in der Lage, am River Laydowns zu machen (klingt wohl einleuchtend)
- Villain ist in der Lage, am River dünne Value-Bets oder Desperation-Bets zu machen

Mit einer dünnen Value-Bet meine ich z. B. im Fall 1 eine Bet mit A9 oder vielleicht eine Bet in Hand 2 mit Q3 oder KT (OHNE Spade natürlich). Eben ein Gegner, dem Bet-Fold River ein Begriff ist.
Hat man also dementsprechendes Verhalten mal beobachten können, dann darf man so einen Move ruhig mal platzieren.

7 Die Psychologie von Bluffs

Beim Limit Hold’em braucht man ja nicht gerade Nerven aus Stahl, um einen Bluff zu platzieren, denn im Gegensatz zum NL Hold’em kostet er uns in der Regel nicht mehr als 2 BB. Dennoch fühlt man sich oft schlecht, wenn ein Bluff in die Hose geht, und hat das Gefühl, gerade sinnlos Geld aus dem Fenster geschmissen zu haben. Wie ich schon sagte, sollte man mit reinen Bluffs auch nicht am laufenden Band um sich werfen; zwei Dinge sollte man sich aber vor Augen halten, falls es nicht klappt.
Zuerst ist die Mathematik der meisten Bluffs so gestrickt, dass sie in deutlich weniger als 50 % der Fälle klappen müssen. Somit spielen wir oft +EV, auch wenn es in der Mehrzahl der Fälle nicht klappt. Der zweite Punkt ist der Einfluss des misslungenen Bluffs auf das Table-Image. Es gibt oft zwei Arten von Image, die Leute haben möchten. Die erste ist das Image des Spielers, der immer eine Hand am Start hat, wenn er Action macht. Mit diesem Image lässt es sich gut bluffen. Das andere Image ist eben das Image des Bluffers, das uns droht, wenn ein Bluff nicht funktioniert. Bluffs macht man am liebsten gegen starke Gegner. Diese sind auch meist beobachtbar. Folglich haben wir bei einem misslungenen Bluff zwar Geld an sie verloren, aber da sie nun wissen, dass wir zu Bluffs in der Lage sind, werden sie uns in Zukunft wohl lieber ausbezahlen, wenn wir eine echte Hand haben. Folglich kann dieser eine misslungene Bluff uns in der Zukunft gegen diesen Gegner Bonus-Bets bringen, was uns auf den ersten Blick gar nicht bewusst wäre. Natürlich ist hier ein fähiger Gegner, der sich solche Moves merken kann, eine wesentliche Voraussetzung.


43 Antworten

Sehr guter beitrag ! =) gefällt mir gut ...


super artikel! vielen dank!
muss noch mit dem inhaltsverz. verlinkt werden glaube ich


nice :-)


Zusammenfassend: In unraised Pots HU am Flop IMMER betten, wenn man OOP ist oder in Position, wenn der Gegner checkt!

Entweder ist der Satz seltsam aufgebaut oder ich kapier ihn nicht. Out of position heisst doch, dass man in einem HU zuerst handelt? Könnte man den Satz nicht abkürzen zu "In unraised Pots HU am Flop IMMER betten"? Betten =/= callen.


dayero
Beigetreten: 26.02.2005
Oldschool Grinder

sehr schöner artikel :)

Bluff ist +EV wenn gilt: P(fold) > (1 / (Pot)) * (Bets)

spricht was dagegen, da P(fold) > (Bets/Pot)
hinzuschreiben?


Krenobelo
Beigetreten: 20.08.2005
Elite Grinder

nice one!


OnkelHotte Themenstarter
OnkelHotte
Beigetreten: 16.01.2005
BlackMember

Original von dayero
sehr schöner artikel :)

Bluff ist +EV wenn gilt: P(fold) > (1 / (Pot)) * (Bets)

spricht was dagegen, da P(fold) > (Bets/Pot)
hinzuschreiben?

nein, habe das geändert!:)

@hiyaju: habe das nun anders ausgedrückt.


SGDJens
Beigetreten: 11.02.2006
Elite Grinder

Original von dayero
sehr schöner artikel :)

Bluff ist +EV wenn gilt: P(fold) > (1 / (Pot)) * (Bets)

spricht was dagegen, da P(fold) > (Bets/Pot)
hinzuschreiben?

Warum einfach wenns auch kompliziert geht? :P

Schöner Artikel - wenigstens die HU bet am flop sollte ich mir endlich mal zu 100% angewöhnen...


klasse artikel, aber was ist zB mit solchen situationen?

LAG/TAG raised ausm BUTTON, hero called JTs ausm BB

flop: 339, LAG/TAG bet, Hero called (nur um am turn zu raisen )
turn: 2 LAG/TAG bet Hero raise

Taugt sowas? Oder kriegt man zuviele calldowns von AK/AQ ?


fold flop?

nice art.


xam
xam
Beigetreten: 11.03.2005
BlackMember

Vielleicht etwas speziell, aber kann man eventuell hinzufügen:

Nehmen wir an villain hat einen respektablen AttToSteal-Wert, completed aber den SB nur nachdem alle gefoldet haben.
Der flop kommt rainbow ragged mit einem Ass oder König, er bettet in uns rein, wie weit gehe ich hier um ein Ass zu repräsentieren, denn der Gegner hat hoechstwahrscheinlich keins.
Schwieriger wird es wenn der Gegner weiss, dass wir auf seinen pre-flop call mit einem ass geraist haetten.


hazz
Beigetreten: 13.02.2006
BlackMember

ich denke die wichtigste vorraussetzung für einen purebluff ist, dass der gegner auch nichts auf der hand hat. dies gilt es zu erkennen!
mehr als 50% foldequity brauchst du nie und jemand mit mist wird die locker erreichen. neben dem board und pot ist also auch das verhalten des gegners entscheidend von bedeutung.

eine "standardsituation" ergibt sich imo bei der blinddefense. am flop bettet der stealer oft 100%. hier bluffraise ich gernl, vielleicht könnte man darauf genauer eingehen?
der pott wäre nach meinem raise 7 SB gross, mein einsatz 2 SB, dh wir brauchen 35% fold. villain trifft nur zu 30% den flop, dh er muesste in 50% der faelle, wo er nichts hat, folden und wir kommen auf die 35%.

mfg, hazz


OnkelHotte Themenstarter
OnkelHotte
Beigetreten: 16.01.2005
BlackMember

Original von Chegga
klasse artikel, aber was ist zB mit solchen situationen?

LAG/TAG raised ausm BUTTON, hero called JTs ausm BB

flop: 339, LAG/TAG bet, Hero called (nur um am turn zu raisen )
turn: 2 LAG/TAG bet Hero raise

Taugt sowas? Oder kriegt man zuviele calldowns von AK/AQ ?

wie auch mein beispiel mit dem EV kein pure bluff, da man gegen AK, AQ 6 outs hat. generell mit vorsicht zu geniessen, gegen TAGs besser als gegen LAGs. kommt auf WSD an. ich warte mit solchen moves eigentich so lange, bis ich villain als capable 4 laydowns eingestuft habe.


Schöner Artikel - wenigstens die HU bet am flop sollte ich mir endlich mal zu 100% angewöhnen...

Ja das sollte ich mir auch angewöhnen. Aber wie gehts dann weiter am Turn, wenn der Gegner meine flop bet callt? Ist in loosen games überwiegend der Fall, da�? am Flop keiner foldet, kostet ja schlie�?lich nur eine SB den Turn zu sehen.

Soll ich dann mit meinen Schrottkarten auch noch den Turn betten? Das kommt mir etwas kostspielig vor. Wenn ich andererseits checke, wei�? der Gegner, da�? ich nichts habe und ist ja schon fast gezwungen den Turn zu betten.

Also flop bet, turn c/f?

Grüsse,
Marc


OnkelHotte Themenstarter
OnkelHotte
Beigetreten: 16.01.2005
BlackMember

@hazz: ich dachte eigentlich, dass ich den fall, dass man den gegner darauf setzt, dass er nichts getroffen hat, in meinem C/R beispiel inkl EV analyse SEHR SEHR SEHR ausführlich behandelt habe!:)

@vizilo: wenn du mit schrott am flop HU unraised die bluffbet machst und der gegner called, dann in der regel am turn C/F oder C/b am turn. den bluff um jeden preis durchzuziehen ist bei den kleinen pötten dann eher minus EV.
CO calls, hero is BB mit T4o. Flop Q72 rainbow. hero bets, villain calls. turn 3. hero checks planing to fold.


OnkelHotte Themenstarter
OnkelHotte
Beigetreten: 16.01.2005
BlackMember

Original von xam
Vielleicht etwas speziell, aber kann man eventuell hinzufügen:

Nehmen wir an villain hat einen respektablen AttToSteal-Wert, completed aber den SB nur nachdem alle gefoldet haben.
Der flop kommt rainbow ragged mit einem Ass oder König, er bettet in uns rein, wie weit gehe ich hier um ein Ass zu repräsentieren, denn der Gegner hat hoechstwahrscheinlich keins.
Schwieriger wird es wenn der Gegner weiss, dass wir auf seinen pre-flop call mit einem ass geraist haetten.

hat man einen read, dass villain jeden unraised HU flop bettet, dann kann man das bei drawless boards exploiten und bluffraisen, ja.


HAVVK
Beigetreten: 29.12.2005
Oldschool Grinder

Unabhängig davon, wieviele Karten des Flops in der Playing Zone liegen?


OnkelHotte Themenstarter
OnkelHotte
Beigetreten: 16.01.2005
BlackMember

Original von HAVVK
Unabhängig davon, wieviele Karten des Flops in der Playing Zone liegen?

wie immer nein...generell natürlich lieber ragged unkoordinierte drawless boards. aber wenn ein aggrewssiver spieler in der SB nur completet, dann spricht das ja eher gegen die playing zone in seiner hand.


hazz
Beigetreten: 13.02.2006
BlackMember

jo hotte, war zu spät gestern ;) aber ich lag immerhin richtig ;)


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