1. Ich hoffe du springst nicht von der Brücke, wenn Paxis sagt, dass das gut ist
Ich würde das nicht pauschalisieren und würde JEDEM UTG Raise erstmal Credit zuordnen. Du hast in den Microlimits sehr viele Spieler, die nicht soviel Ahnung haben von Betsizing, aber generell sind Raises häufig schon starke Hände und grade ein UTG Raise wird oft kein totaler Trash sein.
Ich habe immer das Problem gegen UTG Raises mit Händen wie KQ oder 99 oder AQ, dass ich auf eine mögliche 4-Bet nicht aussteigen möchte, aber irgendwie auch nicht wirklich geil weiterspielen kann. Daher bevorzuge ich komplett ohne Informationen hier den Call. Ich will den Reraise nicht verteufeln, aber ich hasse es mit guten Hände 3-Bet/Fold zu spielen.
2. Du musst zwei Dinge beachten beim betten
i) die Boardtextur/die gegnerische Handrange -> auf dem Flop gibt es einen Flushdraw und ein paar wenige Gutshots. Ax hände werden nie folden
=> d.h. im Prinzip ist das kein ganz trockenes Board, aber auch kein total drawlastiges Board und eine 2/3 bis 4/5 Potsizebet wäre ein Ansatz theoretisch
ii) deine Hand -> es ist jetzt so, dass du hier sozusagen die Nuts hast. Die meisten deiner Gegner werden nicht sehen, dass du unterschiedliche Bets benutzt. Der Punkt ist, dass du mit 77 gerne einen riesigen Pot spielen willst, deine Gegner meistens aber nur den C/C oder C/F Modus kennen. D.h. du bist gezwungen das Ruder selber in die Hand zu nehmen und möglichst groß zu setzen, wenn du eine starke Hand hälst.
Ausgeglichene Betsizes sind gegen reguläre Spieler wichtig - solange dich dein Gegner aber nicht kennt, kannst du im Prinzip erstmal irgendwas machen und dann machst du das was du als profitabelsten ansiehst.
Du siehst ja in der Hand, dass deine Gegner nicht light C/Raisen, sondern irgendwie probieren an den Showdown zu kommen und wenn er jetzt mit AJ am River gecheckt hätte, dann hättest du seinen Stack nicht gewonnen. Ich würde ihn zwar auch nicht gewinnen, wenn ich den River nicht overbette, aber ich würde mehr gewinnen, wenn ich am Flop und Turn Potsize setze als du. Dieser Unterschied ist übrigens grundlegend warum viele Spieler auf den Micros und Lowstakes breakeven spielen -> gewöhn dir an große Valuebets zu machen.
Jetzt gibt noch eine mögliche Erweiterung und zwar die Flopoverbet -> dein Gegner wird am Flop oft callen auch wenn du leicht overbettest. Er wird mit Ax nicht den Herofold hinlegen, wenn du hier 20 cent setzt -> der Vorteil?
=> der Pot ist am Turn 55 Cent groß. Der Pot wäre am River bei einer 4/5 Posizebet 1,43 groß und ihr hättet noch ca. 2 - 1,65/2 = 1,3 im Stack und du könntest ihn sehr bequem All In setzen.
Du siehst also mit einer leichten Betsizemodifikation am Flop explodiert die relative Potgröße massiv zum River, obwohl du am Turn nicht von deinem Betsizeverhältnis 4/5 abweichst.
Du musst jetzt aufpassen, dass du diese Overbet als absolute Exploitingplay nur gegen unknown und sehr große Fische anwenden solltest und meine gesamte Erklärung im Hinterkopf halten solltest WARUM das grade in dem Fall das beste Spiel wäre - aber nicht allgemeingültig ist. Die Standardline wäre in der Tat am Flop 4/5 Pot irgendwie zu setzen, am Turn dann auch nochmal so um den Dreh und dann am River auch nochmal - gegen (tendenziell) schlechte Spieler kannst du aber mit einer Abweichung davon viel viel mehr gewinnen.