Habe es auch angesehen. Es ging vorrangig um das Schicksal einiger Spielsüchtiger oder ehemals Spielsüchtiger. Es wurde gezeigt, dass die Massnahmen, die die Spielsucht bekämpfen sollen, wenig bis gar nicht funktionieren (Sperrlisten funktionieren nicht, Einzahlungslimits funktionieren nicht, Kontrollmassnahmen existieren nicht). Ausgerechnet Kubicki, der am Ende des Beitrags von seinen Gegnern und vom Beitrag sehr attackiert wurde, hatte es ganz am Anfang des Beitrags aber auf den Punkt gebracht: es ging vor allem um das staatliche Interesse, an den wachsenden Umsätzen durch Steuereinnahmen und Konzessionsabgaben teilzuhaben. 00:49-1:02.
Das war immerhin ehrlich und das hätte mehr als nur 10 Sekunden verdient gehabt, wenn das der vorrangige Zweck des Staatsvertrags ist (was Kubicki ganz ausdrücklich sagt). Was bedeutet, die restlichen 45 Minuten hatte man sich mit einem Nebenzweck beschäftigt und ist damit auf die Propaganda der Befürworter reingefallen.
Sehr stiefmütterlich wurde das Interesse der nicht spielsüchtigen Spieler behandelt. Die kamen kaum zu Wort. Es gab nur einen mutmasslich solchen Spieler, der erwähnt hatte, dass er meistens "im Internet" Einsätze machen würden und nur sehr selten im terrestrischen Wettbüro. Da hätte man durchaus nachfragen können, wieso er das Spiel im Internet bevorzugt. Dann wäre vielleicht an's Licht gekommen, was denn eigentlich die Verbraucherinteressen gewesen wären, denn er wird ja schon einen Grund haben, wieso er das bevorzugt. Dieser wirklich wichtige Gesichtspunkt wurde leider überhaupt nicht beleuchtet.
Auch kein Wort über den Anteil der Spielsüchtigen im Vergleich zu den Süchtigen bei anderen Freizeitvergnügungen, wie z. B. in den Biergarten gehen, um dort Alkohol zu trinken. Damit man eine Vorstellung von der Verhältnismässigkeit der Massnahmen bekommt (20% der Alkoholtrinker haben ein problematisches Trinkverhalten, weniger als 5% der Spieler ein problematisches Spielverhalten). Ebenfalls gefehlt hat eine klinische Betrachtung der Spielsucht. Mal einen Arzt befragen hätte sicher nicht geschadet, damit er die Gesundheitsgefahren einordnet. Da hätte dann die Frage nach Ursache und Wirkung aufkommen können. 80% aller Spielsüchtigen sind auch suchtkrank nach Substanzen. Bei dieser extrem hohen Komorbität stellt sich schon sehr die Frage, ob es das Spiel ist, das die Sucht auslöst oder ob es der Süchtige ist, der sich ein neues Feld zur Befriedigung seiner Neigung sucht bzw. ob manche Leute eben besonders anfällig für Suchterkrankungen sind, aber die weitaus meisten eben nicht.
Unter Umständen hat das ja dann auch Konsequenzen für den Sinn mancher Massnahmen. Alle treffen, wenn nur wenige ein Problem haben, dann aber die Wirkung bei den Süchtigen verfehlen kann nicht der Sinn einer wirksamen Strategie sein.
Immerhin, von mehreren Spielsüchtigen war zu hören, dass ihrer Ansicht nach der neue Glücksspielstaatsvertrag die Spielsüchtigen gar nicht schützt, sondern die Anbieter. Dazu hätte man einen Verbrauchervertreter befragen können, wie er das einordnet. Das hätte man durch Expertenansicht vertiefen können, anstatt nur Betroffene erzählen zu lassen, die als Nichtfachleute und Betroffene wenig Prestige in der Sachfrage geniessen. Das wäre besser gewesen als die Ansicht von Politikern, die alle eine Agenda haben und im die Beitrag Konkurrentenkämpfe ausgetragen haben. Keiner von denen ist unabhängig, die sind alle Akteure und sie sind Meister darin, Vorwände für ihre Zwecke zu benutzen.