mein kleiner Beitrag:
1. einige hier im Thread haben, glaube ich, echt noch Probleme mit dem Unterschied brutto / netto (obwohl es ja schon einmal deutlich gesagt wurde)
2. Ich habe von einem Steuerberater im "Casino Pokermagazin" gelesen (ohne Gewähr meinerseits), dass Pokern zwar in Deutschland als "Glücksspiel" steuerfrei ist, aber nur dann, wenn man es auch als Glücksspiel betreibt. Das heißt, jemand der neben Beruf / Schule / Studium etc pokert und keine nachweisbare "Erwerbsabsicht" hat. Das gilt aber nicht für Leute, die 8h am Tag 5 Tage die Woche pokern, nicht mehr bei Mutti & Papi leben und keine anderen Einkünfte haben. Solche Leute gelten laut ihm als "Selbstständige mkit Gewinnabsicht". Das heißt "Steuerparadies Profi-Pokern" ist zumindest zweifelhaft. Ich weiß nicht, ob es hier bei den Pros entsprechende Erfahrungen gibt, aber die zitierte "Steuer- und Abgabenfreiheit" würde ich auf jeden Fall hinterfragen.
3. Krankenversicherung / Rente etc.? Nennt es Miesmacherei, aber denkt doch mal ein paar Jahre weiter.
4. sry für die vielleicht dumme Frage, aber meldet sich nicht irgendwann das Arbeitsamt oder sonstwer? Hab da selber keine Erfahrung, aber ein Kumpel musste sich formal "dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen" als er nach der Ausbildung eine "Auszeit" nehmen wollte. Das war auf jeden Fall sehr bürokratisch.
5. Familie: Ich meine gar nicht das soziale Ansehen, wenn jemand erfolgreich pokert, finde ich das nicht unehrenhaft. Aber die Verantwortung dafür zu übernehmen, erfordert schon immense Rücklagen oder eine gewisse Sicherheit durch stabile regelmäßige Einkünfte.
6. Kredite: Du musst wirklich alles, was Du Dir anschaffen willst, vorher angespart haben und bist u.U. nirgendwo kreditwürdig. Auch wenn einen das erstmal nicht weiter stört, können Probleme nachkommen. Wenn Du keinen Studentenstatus mehr hast (der eine gewisse Glaubwürdigkeit auch ohne Wahnsinnseinkommen bringt), kann es z.B. sein, dass Du je nach Bank nicht ohne Weiteres ne Kreditkarte o.ä. bekommst.
7. Wie einige schon gesagt haben, ist die Zukunft für den Pokerboom noch nicht wirklich absehbar. Ich persönlich denke, dass der Boom schon noch eine ganze Weile anhält, erst recht, wenn vielleicht irgendwann doch die Asiaten dazu kommen. Auch wenn viele aktuelle Fische irgendwann genug vom Nachcashen haben, werden andere nachkommen. Allerdings auch Haie und die u.U. prozentual stärker. Ich persönlich schließe für mich daraus (ganz persönliche Meinung), dass es für die nächsten Jahre als "schönes Hobby mit ordentlichen Nebeneinkünften" weiter ganz gut aussehen wird, weil auf den mittleren Leveln noch Geld zu holen ist. Oben wird vielleicht die Luft irgendwann dünner - aber da muss ich gar nicht hin
8. Zeiten: Wenn Du Deine sozialen Kontakte weiter pflegen willst, wäre es natürlich schön, wenn Du zu den Zeiten pokern kannst, an denen Deine Freunde "normal arbeiten". Das sind allerdings nicht unbedingt die ertragreichsten Stunden, oder? Wieviele Tische willst Du denn in der Woche Vormittags und Nachmittags aufhaben und gleichzeitig noch eine gewisse Fischigkeit haben...
So, das waren jetzt die eher negativen Sachen.
Mich würde interessieren, was Du studierst und wie lange schon?
Wenn es eine aktuelle Lustlosigkeit im Studium, gepaart mit einer hohen Pokermotivation ist, würde ich trotzdem versuchen, die beiden Dinge seperat zu betrachten. Ich halte es für falsch, eine vormalige schlechte Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach mit dem Spaß am Pokern zu verknüpfen. Denk vielleicht mal über einen Studiengangwechsel nach.
Trotzdem kann eine "Karriere" wie sie Dir vorschwebt ja gelingen, allerdings würde ich es auf jeden Fall längere Zeit "parallel laufen lassen", damit Du wirklich eine Perspektive entwickelst, die über Deinen aktuellen Stundenlohn hinausgeht. Außerdem finde ich den Tipp richtig, mal die Semesterferien oder auch ein Urlaubssemester zu nutzen, um das Vorhaben mal über einen etwas längeren Zeitraum anzutesten. Vielleicht nervt es Dich ja doch schneller als Du glaubst.
Letzte Frage: Schonmal nen echt fiesen Downswing gehabt?
Auf jeden Fall: alles Gute!