So, ein langweiliger Sonntagabend, Reg-verseuchte Tische und zu wenig Fische in reichweite, die perfekte Zeit hier weiterzuschreiben.
Heute möchte ich mal zu verschiedenen Pokerbegriffen meine wertlose Meinung kundtun. Ich denke das sagt zum einen mehr über meine Spielweise au und ist zum anderen etwas unterhaltsamer als ein langatminges dozieren darüber wie ich in verschiedenen Situation abhängig von der Boardtextur, den Gegnern, meinen Reads und bla bla bal... schnarch... Zzzzzz...
Also hier ein mal ein paar Dinge in willkürlicher Reihenfolge:
Die Folgenden Ausführungen können Spuren von Satire beinhalten und sind im rohen Zustand nicht zum Verzehr geeignet. Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Coach oder Handbewerter.
Valuebet:
Die zuverlässigste Methode in bessere Hände zu donaten und schlechtere Hände zum Folden zu kriegen. Vorteil aggressiver Valuelines ist allerdings, dass viele schlechte Spieler sich dann nicht mehr trauen mit sehr starken Händen auf den Putz zu hauen. Wie oft erlebe ich, dass ein TopSet mich nur runtercallt, und das nur weil ich mal auf dem Flop geraist habe.
Calldown:
Hat keine Foldequity, deshalb spiele ich Raisedown!
wa/wb:
Ich habe ein sagenhaftes Talent dafür entwickelt immer dann runterzucallen, wenn ich way ahead war. Wenn ich dagegen denke, dass Villain doch garkeine besseren Hände auf der Range hat und aggressiv weiter spiele bin ich fast immer beat. Merke: Je seltsamer die Line, desto wahrscheinlicher sind Pocket Aces.
Valuebet, dünne:
Mein absoluter Lieblingszug. In HU Situationen ist mir fast keine Madehand zu schlecht um nicht OOP noch einmal den River zu betten. Es ist echt überraschend was da manchmal noch für Hände callen. Da denke ich mir "OK, er callt, dann bin ich wohl Toast.", aber Villain zeigt eine Hand, mit der ich nicht mal als SB stealen würde wenn der BB eine vp$ip von 0 hat.
Standardspielzüge:
Ein großer Teil meiner Winnings erklärt sich schlicht und einfach dadurch, dass die Gegner einfach keine Standardspielzüge beherrschen. HU spiele ich IP call Flop / raise Turn und fertig. Wenn der Gegner seine Monster gleich am Flop raist, dann sage ich doch "Danke dass du mir die Turnbet ersparst", und werfe mein kleines Pocketpair sofort weg. Allein das reicht mir schon, um gegen die ganzen Nit-Regs +EV zu spielen.
Tableselection:
Allein diese Wort ist, wenn man auf FullTilt spielt ein schlechter Witz. Da sehe ich dann 6 bis 8 Tische auf 0,25/0,5 und überall die gleichen Namen, dazzu ist noch jeder Tisch tight. Zudem noch elendig lange Wartelisten mit noch ein paar Regulars vor mir. Deshalb funktioniert meine Tableselection nach einem ganz einfachen Prinzip: Seat open! D.h. ich gehe zunächstmal an jeden Tisch, an dem ich einen Platz ergattern kann. Es hindert mich ja niemad daran ihn nach zehn Minuten wieder zu verlassen. Ich bleibe länger am Tisch, wenn ich eine gute Position habe, also entweder den einzigen Fisch vor mir habe, oder sehr tighte Gegner hinter mir, gegen die ich oft stealen kann.
In letzter Zeit sind die Tische auf 0,25/0,5 mMn so schlecht, dass ich ich oft lieber 0,1/0,2 spiele. Ich habe dann lieber auf dem kleineren Limit meine solide Winrate, als mich mit einem halben dutzend Regulars um zwei Fische zu prügeln.
knappe Entscheidung:
Hierfür gibt uns "Padex' Lexicon of Booze, Hookers and Gambling" zwei Definitionen:
a) Synonym für: Ich habe keine Ahnung.
b) Sanonym für: Ich weiß dass ich hinten liege, aber ich habe gerade Bock die Hand zu spielen.
Als Empfehlung für Anfänger liest man oft, sie sollen bei knappen Entscheidungen, die oft von implied Odds und Reads auf den Gegner abhängen, öfter mal die Hand aufgeben und sich leiber auf easy Valuelines gegen schwache Gegner konzentrieren. Da ich das Spiel auf den Micros aber auch als Training für das Spiel ums große Geld ansehe möchte ich mich nicht immer vor schwierigen Situationen drücken. Da investiere ich lieber mal die eine oder andere BigBet zuviel und stelle die Hand hinterher ins HBF. Lieber jetzt billiges Lehrgeld bezahlen als später ständig Value liegen lassen.
Denken in Ranges:
Ist häufig vergebliche Liebesmühe. Da sieht man den Gegner auf einer starken Hand und er zeigt am Showdown seinen busted Draw oder J-high oder ein kleines Pocketpair oder oder oder. Allerdings bedenke ich hier immer zwei Dinge: Erstens ist es Training (s.o.) und zweitens sagt uns die Range welche Hände der Gegner wahrscheinlich hält. Es ist ja nicht in Stein gemeißelt, dass man nur mit der Range aus dem SHC spielen darf und jeder kann jederzeit auch mal bluffen.
Tableimage:
Oft habe ich das gefühl kurzfristiges Tabelimage ist auf den Mircos ALLES. Bin ich der Typ, der immer starke Hände am Showdown zeigt, dessen Draws immer ankommen, der ständig dem Gegner die Overpairs mit dem Flush wegbusted, der sich nie aus der hand bluffen lässt, der immer mit AK trifft und der den richtigen Riecher dafür hat wann er mit A-high zum Showdown geht, dann brauche ich nur einmal den Raisebutten zu drücken und alle Gegner folden in panischer Angst, wenn auch nur die minimale Chance besteht dass ich ein Monster halte.
Bin ich dagegen der Typ, der immer verliert, der ständig Semibluffhände am Showdown zeigt (ich kann leider nicht folden, wenn niemand setzt), der nie irgenwas trifft, der alle Hände gegen die idiotischten Norainerbluffs foldet und der in den letzten drei Orbist um 20bb gedroppt ist, dann kann ich mir mit AK unimproved fast schon die Flop-Cotibet sparen, weil 22 nicht gegen mich foldet.
Bluffs:
Macht euch schonmal ne Note auf mich: Ich bluffe nicht.
Wenn ich auf einem 2-suited board den Flop calle, den Turn calle und auf die dritte Karte im selben suit den River raise, dann ist das immer Flush. Ich verstehe absolut nicht, warum Gegner, die schon 2k Hände gegen mich gespielt haben dann noch irgendwas callen. Die sollten doch kapiert haben, dass selbst TopSet dann ein easy fold ist. Naja, sollen meinetwegen ihr 2nd Pair noch 3betten. Donkaments ♠_love:
Meine einzigen Bluffs sind die ContiBet mit allen Händen, oder Valueraises mit starken Draws (technisch gesehen ja ein Semibluff). Bette ich AK oder AQ durch, dann auf Showdownvalue. Natürlich freue ich mich auch, wenn dann ein Bottompair foldet, aber das war nicht der Plan.
Regular:
Synonym für Nit. Wenn jemand mit tighten Stats seit zwei Jahren 0,1/0,2 grindet, dann weiß ich alles was ich wissen muss.
Shorthanded:
Spiel ich nicht. Ich bin reiner FR Spieler und bleibe es so lange wie möglich. Wenn ich manchmal im HBF ein paar SH-Hände ansehe und mich frage " Was zur Hölle spielt der sich da für einen Scheiß zusammen?", der Handbewerter dagegen nur schreibt "Gut gespielt. nh", dann frage ich mich ernsthaft, ob die eigentlich das selbe Spiel spielen wie ich.
Ich hasse es Abgrundtief, wenn ein FR Tisch shorthanded wird. ich blinde dan prinzipiell aus. Nur wenn neue Spieler an den Tisch kommen spiele ich genau ein Orbit shorthanded.
Stats:
Das nützlichste, aber auch gefährlichste Instrument im Arsenal. Stats sagen uns leider nur wie ein Spieler im Durchschnitt spielt, aber nicht in welchen Situationen er wie spielt. Ein niedriger vp$ip kann auf einen tighten Spieler hinweisen, kann aber auch bedeuten dass er lange Zeit Carddead war, oder dass er an einem loosen Tisch nicht gerne Multiway spielt, oder dass ein looser Spieler ihm ständig die Openraisehände versaut (Passiert mir häufig. Wie soll man denn ordentlich stealen, wenn zwei Spieler vor mir ständig limpen?).
Zudem sind viele Stats nicht robust. Eben erst saß hinter mir ein Spieler mit fold-BB-to-steal von unter 40 auf 800 Hände. Ich verlasse mich auf diesen Wert und folde ab und zu mal Hände mit denen man knapp hätte stealen können. Nachdem ich dann doch mal mit Queens aus dem SB openraise und er foldet hat er auf einmal einem Wert von 80.
Häufig sehe ich mir auch nur am Anfang die Eckdaten an, kategorisiere die Gegner grob und blende mein HUD dann aus. Versperrt mir eh nur die Sicht.
Varianz:
Rotz verfickte drecks Arsch Hure... [zensiert]... Am nächsten Baum aufhängen, erschießen und überfahren... [zensiert] Luckbox... Ich finde heraus wo er wohnt...
Bad beat:
Alles in Ordnung, so lange ich noch drüber lachen kann. Pocket 55 runtergecallt nach meinem Preflopcap und AKQ auf dem Flop? Na gut, soll er halt mal sein Set treffen. Freut sich jetzt wie ein Kind zu Weihnachten und wird bestimmt wieder so spielen. Solche Leute will ich doch am Tisch haben.
Die meißten BadBeats sind übrigens gar keine. Wir spielen 4-handed mit Aces als Overpair. Ein lucky Fish trifft auf dem River mit der absoluten Crapshand sein Twopair. Der so unglücklich gedemütigte Pokerstratege geht jetzt sofort in den "Pokerraum is rigged", "Pokerraum Suckouts" oder sonstigen Thread und jammert begleitet von tausend Flüchen: Meine schönen Aces, so ein großer Pot, von einem 5-Outer weggesuckt. Aber es gab ja drei Gegner. Lassen wir mal einem mit irgendeinem getroffenen Pair, den zweiten mit einem Gutshot, und den dritten mit einem FD spielen. Dann standen insgesammt bis zu 18 Outs gegen Hero. Da würde ich bei einer Propbet fast schon gegen ihn setzen.
Mein schlimmster Beat war mit geflopptem A-high Flush. Kein FullHouse möglich, also ballere ich aus allen Rohren. Und der Gegner hatte den einzig möglichen Straightflush gefloppt. ♠_cry:
Multitableing:
Dafür bin ich einfach zu blöde. Für den Master in VWL hat es gerade so gereicht, aber vier Tische beim Onlinepoker überfordern mich. Drei Tische sind bei mir das Maximum und die nur auf Autopilot. Selbst dann time ich aber hin und wieder mal aus, mit Nutstraight neulich besonders ärgerlich. Üblicherweise spiele ich zwei Tische. Da kann ich bequem meine Entscheidungen überdenken, die Gegner beobachten und nebenher mein Käffchen schlürfen.
Im Coaching habe ich übrigens oft das selbe Problem. ♠_cry: Welchen Flushdraw meint er denn? Und wieso 4-handed? Ich sehe da nur drei Spieler. Straight? Ist doch garnicht möglich... Ach der Tisch unten rechts war gemeint.
Balancing:
Scheiß drauf. Auf den Microlimits denken 80% der Spieler überhaupt nicht, der Rest denkt an die eigenen Karten. Die Hälfte der Spieler glaubt doch wenn ich den Turn raise hätte das immer was mit der Turnkarte zu tun. Klar mit meinen straightforward gespielten Standardlines bin ich so lesbar wie ein offenes Buch. Es mag vieleicht sein, dass am Tisch mal ein Spieler sitzt, der brauchbare Reads auf mich hat. Dann hol ich mir halt das Geld von den sieben anderen.
Ich persönlich halte nichts davon Draws oder schwache Madehands genau wie starke Hände zu spielen. Das kann hin und wieder mal einen thinking-TAG beeindrucken, aber gegen alle anderen Spieler ist das zu oft burning money. Und wenn ich anfange alle Draws aggressiv zu spielen, was hab ich dann noch für eine Calling-Range?
Allerdings folde ich am River gerne einen busted Draw, gerade im Multiway Pot. Finde ich sehr gut gebalanced, denn ein Bottompair würde ich ja genauso spielen. ♠_cool:
Zum Abschluss gibt es noch ein weiteres Bonbon. Ich präsentiere voller Stolz: Meine erste jemals im Onlinepoker gespielte Hand 21.10.2010 um 16.46 Uhr. Ist das einzige mal, dass ich blindposte, bitte keine Kommentare deswegen. Ansonsten finde ich die Hand gut gespielt und würde sie jederzeit wieder so spielen.
Known players:
[tg]Position_Stack:hands/vp$ip/RaisePreflop/AF/WTS/ORL/BBvsSteal/W$SD;Hero$2:///////;[/tg]
0,05/0,1 Fixed-Limit Hold'em (9 handed)
Hand recorder used for this poker hand: Elephant 0.90 by www.pokerstrategy.com.
Preflop: Hero is CO with K♠, K♣. Hero posts a blind of $0,05.
5 folds, Hero raises, 3 folds, Hero gets uncalled bet back.
Final Pot: 1,70 BB
Also wenn das kein gutes Omen ist.