So Leute,
hier ist er, der Post der Er- und Aufklärung.
Anfang des Jahres wollte ich etwas Abstand zu Poker nehmen, zumal ich mich in den Prüfungen befand und es in Omaha nicht richtig laufen wollte.
Als dann neben meinem Praktikum, das jetzt noch bis Ende Februar geht, die heiße Phase der Prüfungsvorbereitung begann, wurde ich krank und lag gut 2 Wochen flach. Die Grippe hat mich also genau zur richtigen Zeit erwischt. Von 5 geplanten Prüfungen konnte ich nur 2 abschließen was mich ein wenig deprimierte, will ich doch endlich mein Studium abschließen und neue Wege beschreiten. Die Sache ist nur die, die verpassten Prüfungen lassen sich leicht nächstes Semester nachholen, aber wenn einem die Gesundheit verloren geht, hat man keine zweite, die man sich mal schnell aus den Ärmeln ziehen kann. Von daher war es auf alle Fälle die richtige Entscheidung sich erst einmal richtig aus zu kurrieren.
Gepokert habe ich in der Zeit nur sporadisch auf Bwin und das auch nur weil ich gerade bisschen Sportwettengeld auf meinem Account rumliegen hatte. Obwohl die Seite jetzt die Party Poker GUI nutzt, finde ich den Traffic dort erschreckend. Bis dort mal ein SNG voll ist...da lob ich mir doch Pokerstars.
Nachdem es mir wieder deutlich besser ging, habe ich mich auch an die Omaha Tische gewagt, aber es ist immer dasselbe Ergebnis. Erst geht es Up, dann Down, oder umgekehrt. Mir ist bewusst, dass es das normalste beim Pokern ist, aber ich bin noch immer nicht in der Lage das ohne Weiteres wegzustecken.
Mein sicherlich größter Leak ist, die HM2-Datenbank (obwohl ich sie jetzt endlich zum laufen gebracht habe) ständig zu resetten, weil mich die roten Zahlen der Losing Sessions wohl tilten.
Das hat mehrere Nachteile. Zum einen bekomme ich nie einen aussagekräftigen Graphen zu Gesicht, zum anderen lösche ich damit immer die Stats meiner Gegner, was krasses -EV ist, sodass ich mich selbst immer über meine Tat im Nachhinein aufrege.
Deshalb, weil es so ja keinen Sinn macht, habe ich mal wieder ausgecasht (ich cashe immer aus, sobald ich mal paar Tage nicht spiele, keine Ahnung weshalb).
Seitdem (ungefähr einer halben Woche) lese ich nur noch Threads über Omaha, Varianz und - was in meinen Augen das Wichtigste überhaupt ist - die psychologische Seite des Pokerns.
Ich drucke mir Interessante Artikel aus, lese sie nochmals durch, unterstreiche das Essenzielle und verstaue es in meinen Ordner, in der Hoffnung mich an all die Ratschläge und Tipps halten zu können.
Ich lese übrigens nie ein Sachbuch oder einen Artikel, den ich ausgedruckt habe, ohne Marker. Denn in meinen Augen ist es ein erheblicher Unterschied, ob ich einen Artikel mal kurz lese oder ob ich mir nebenbei noch Gedanken darüber mache, wo im Text die wichtigen Stellen stecken und ich diese sofort markiere.
Denn, wenn ich mir nach paar Wochen die Kernaussagen wieder ins Gedächtnis rufen möchte, spar ich mir viel Zeit, brauch ich doch nur die gelben Stellen zu überfliegen.
Und genau das habe ich die letzten Tage gemacht, und bin dabei auf viele Interessante Ansichten, Meinungen und Tipps gestoßen.
Mein erstes Fazit:
Pokern ist leicht! Die Regeln zumindest. Die hat nämlich jeder in paar Tagen verstanden, und nach paar K Händen sitzen die auch.
Was das schwere an Poker ist, ist das psychische. Der Geist muss stark und fit sein.
Denn wer wirklich mehrere Stunden täglich erfolgreich pokern möchte, darf zuerst einmal nicht in den Autopilot-Modus verfallen. Er muss immer die Stats der Gegner beachten und sich an jede neue Situation so gut wie möglich anpassen. Außerdem muss das eigene Spiel auch variieren, sonst merken das die Gegner ("exploiten") früher oder später und spielen einen aus. Dabei sollte das Variieren aber auch nicht zu -EV-Moves führen.
Um das dann mehrere Stunden täglich konsequent durchziehen zu können darf man weder müde, noch hungrig oder durstig sein. Auch darf weder TV noch der Browser offen sein, die lenken nämlich zusätzlich ab.
Falls jemand das Spiel "Sims" kennt (oder die Maslowsche Bedürfnispyramide), der weiß wohl am Besten was ich meine.
Erst wenn alle Grundbedürfnisse perfekt gedeckt sind, also alle Balken im grünen Bereich, kann man von sich selbst behaupten, man ist perfekt für eine Pokersession vorbereitet.
Und da Sims nur ein Modell der Realität ist, sind die Balken manchmal nicht so leicht grün zu bekommen, wie wir es uns gerne wünschen.
Und selbst dann, wenn alles perfekt zu sein scheint, man voller Vorfreude und Enthuisasmus die Tische öffnet und seine Lieblingsmusik leise im Hintergrund laufen lässt, kann es nach 300 Händen schon wieder die Höllfe auf Erden sein. Ein Bad beat nach dem anderen, obwohl man immer mind. 70% am Flop oder Turn hatte (ich spreche von Omaha liebe Leute).
Tja, das ist Poker. Nicht die Regeln sind schwer, die natürlichen Swings sind es, die schon so viele zum verzweifeln gebracht haben. Es gibt ja einen Grund, warum der "Pokerstars is Rigged" Thread täglich mit neuen Posts gefüttert wird oder warum nach gut 7 Jahren des Pokerbooms noch immer Whinethreads über Varianz erstellt werden, obwohl das Verständnis der Varianz Grundvoraussetzung eines jeden Pokerspielers sein sollte.
All das beherrsche ich noch nicht mal im Ansatz. Auch wenn ich an den meisten Problemen schon - wie viele hier - gearbeitet habe, fühle ich mich noch, als würde ich ganz am Anfang stehen.
Deswegen liegt in Sachen pokern wohl noch ein harter und steiniger Weg vor mir, aber ich werde ihn auf jeden Fall erneut versuchen zu meistern.
Diese Zitate sollen dabei helfen (beide aus einem anderen Thread in einem anderen Forum):
“Dedicate yourself to a continuous cycle of analysis and improvement. If you’re not constantly getting better, you’re getting worse.”
"Along with tilt control, game selection, and work ethic, it’s what separates the rakeback pros and marginal winners from the absolute beasts. "
Nun zu den Cliffs, die aufzeigen sollen, bei was mir mein wieder zum Leben erweckter Blog helfen soll.
- PLO5 grinden min. 100k Hands
- Niemals nie nie wieder die Datenbank löschen...
- Wieder aktiver im Handbewertungsforum unterwegs sein
- Nicht auf den Gewinn/Verlust schauen, nur auf den Fortschritt und auf die Entscheidungen
Es ist wichtig, es irgendwie zu schaffen, nicht täglich oder wöchentlich auf die Sessionergebnisse und en Graph zu blicken. Je öfter man das macht, desto schlechter spielt man, denn im Unterbewussten passt man sich womöglich an die Situation an.
Hat man viel Verlust zu verbuchen, wird man eventuell looser, weil man das Verlorene zurückgewinnen möchte. Ist man gerade Zeuge eines Upswings, vermeidet man vielleicht +EV Spots, da man das Gewonnene nicht wieder verlieren möchte...(das ist nur ein Szenario von vielen).
Ich werde heute noch nicht mit dem Grinden anfangen, muss noch einiges an Artikeln durchlesen. Habe mir vorgenommen erst wieder zu spielen, wenn mein Verständnis über dieses Spiel merklich gestiegen ist und mir diese Verbesserung bewusst wird.
Falls ich was wichtiges vergessen habe, lasst es mich bitte wissen.
Dieser Post soll in erster Linie mir dienen, meine jetzigen Gedanken über Poker in paar Wochen/Monaten nochmal nachlesen und in Erinnerung rufen zu können.
Sollten hier erfahrene Spieler mitlesen, die noch etwas zu ergänzen haben, bitte schreibt es.
So long
Guen.