.
Nett, dass du dir Gedanken um mein Mindset machst, aber da ich Poker nur als Hobby sehe und damit nicht meinen Lebensunterhalt verdienen darf/kann/muss ist mein Mindset relativ entspannt und es kommt eher selten zu Ausbrüchen. Falls es soweit kommt und ich tilt gehe unterbreche ich das Spiel und beruhige mich wieder, sodass das Erlebte keinen Einfluss auf mein Spiel nehmen kann.
Es ist mir durchaus bewusst, dass die Pokerräume von den "Deppen" leben, die unkontrolliert mit Geld um sich schmeißen und eher verlustorientiert (Das Wort gibt es zwar nicht, aber ich finde es passend und deswegen benutze ich es! Künstlerische Freiheit! :f_biggrin:) agieren.
Ich bin auch nicht sauer auf die Spieler, die solche Aktionen machen, aber wenn ich Poker spiele, dann will ich auch gewinnen, das verlangt mein sportlicher Ehrgeiz von mir und wenn das durch Aktionen verhindert wird, die ein rationell denkender Mensch wie ich es bin nicht nachvollziehen kann, dann muss ich sie hinterfragen. Deswegen auch die Frage nach den Calls mit marginalen Händen.
Wenn ich dich frage, ob du Betrag X für eine 50% Chance riskierst, dann wirst du mir wahrscheinlich sagen, dass es auf den Betrag ankommt. Wenn ich dir sage, dass sich Betrag X damit definieren lässt, dass er an Wert zunimmt, je länger du in dem Turnier verbleibst, dann lautet deine Antwort hoffentlich Nein! In diesem Fall gehen wir von 50% aus, die aber mit Händen wie J4 oder ähnlichem Müll selten erreicht werden. Das heißt, dass die Spieler bewusst auf ihre schlechten Chancen wetten und auf ihr Glück hoffen. Glück wiederum ist meiner Meinung nach der Faktor, der beim Poker die geringste Rolle spielen sollte und Poker von Spielen wie Roulette unterscheidet und deswegen auch kein Glücksspiel ist! Es ist für mich einfach nicht nachvollziehbar, warum Spieler so agieren und um jetzt den Bogen zu bekommen schildere ich dir kurz meine Strategie, mit der ich ein Turnier spiele:
Der Grundgedanke meiner Strategie ist es, den Showdown so oft wie möglich zu verhindern und viele kleine Pötte zu gewinnen. Es handelt sich in groben Zügen um Negreanus "Small Ball" Strategie mit ein paar Abänderungen. Das heißt für mich: In einem optimalem Turnier gibt es einen Showdown und der ist der entscheidende im Heads-Up! Wenn ich aber durch viele Spieler in eine All-In Situation gebracht werde, weil sie sich nicht mehr zu helfen wissen und Pre-Flop mit J4 pushen und ich mit Assen calle, dann bin ich zwar mit 88% Favorit, aber nicht automatisch der Sieger. Je mehr solcher Situationen es gibt, um so größer ist auch die Chance, dass die 12% zu 100% werden.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum man in frühen Phasen des Turniers mit marginalen Händen sein Turnier-Leben riskiert. Ich weiß, dass Turniere mit einem kleinen Buy-In oftmals zu einem reinen Glücksspiel ausarten, weil sich die Spieler einfach nicht um den Buy-In scheren und der Meinung sind, dass sie für einen großen Gewinn vor allem Glück brauchen und das Können eher eine untergeordnete Rolle spielt. Wahrscheinlich lasse ich den Faktor Mensch zu sehr außer Acht und gehe bei meinem Gegner davon aus, dass er genauso denkt wie ich, was dazu führen würde, dass Poker ein noch komplizierteres Spiel wäre, weil jeder Spieler Risiken minimieren würde.
Irgendwie komme ich mir selber so vor, als ob ich zu einem Nerd mutiert bin, seitdem ich den Großteil meines Lebens mit Computern und Mathematik verbringe. ♠_wink:
OT: Kann ein Mod so nett sein und den Thread in die Blog-Sektion verlagern, da es inzwischen zu wenig Erfolge und zu viel Gerede geworden ist, als dass es als Erfolgs-Thread durchgehen kann?
