Danke für die Glückwünsche, motiviert doch wieder ne Ecke zu bloggen, aber dazu morgen mehr
Ich war zu meinem Geburtstag mal komplett afk^^
@etobej: Sorry, dein Post ist mir irgendwie untergangen, hing wohl mit dem neuem Forum zusammen, ich habs einfach nicht gesehen^^
Aber dafür, dass du so lange warten musstest auch etwas ausführlicher:
Reads sammeln ist halt immer so ein Ding. Stats sind ja auch irgendwo kumulierte Reads, das Problem ist halt, dass die Spieler von den Stats her immer besser werden, weil sie wissen, wenn ich in Spot X nicht y und z defende, werde ich stark exploitet, es rennen also unheimlich viele Regs rum, deren Stats ziemlich solide sind, die aber wirklich schlecht sind, weil sie einfach schlechte Ranges in "gute" Frequenzen packen. Aber genau auf sowas achte ich. Ich achte weniger auf Stats, sondern eher auf betsizing, timing und Ranges. Bei Ranges ist es halt wichtig, was Villain bevorzugt zu spielen. Es ist eben wichtig zu wissen, in welche Richtung jemand bspw. UTG geht. Nehmen wir an, jemand openraised 15% aus UTG, nun ist es wichtig zu wissen, in welche Richtung die Range geht, es gibt Spieler, die default sowas wie KJo openraisen und dafür kaum mittlere suited connectors und umgekehrt. Auch bei der Blinddefense interessiert es mich schon ob Villain Hände flattet, die ich immer 3betten würde, oder ob er Plan in Sachen 3bets hat, oder einfach random clickt. Das erledigt zum Glück Notetracker, oder Notecaddy, früher hab ich mir das alles selbst genotet.
Reads benötigen andereseits auch Sicherheit. Manchmal tiltet Villain auch einfach und der Read hat Null Aussagekraft bzw. höchstens im Tiltfall. Früher habe ich das so gemacht, dass ich bspw. in den Notes geschrieben hab x/r dry board/give up ---> air?? wenn er es nochmal gemacht hat, dann "?" und beim dritten mal halt "!", so wusste ich, der Read ist klar. Heute mache ich das ganz anders, ich versuche so leicht wie möglich ranzugehen und schaffe mir eigene Gegnerprofile/Markierungen. Nonbeliever, die auch gern mal light eine overbet am River callen, die markiere ich bspw. Gelb. Wenn dieser Nonbeliver auch noch die Nitkrankheit hat, nur groß zu betten, wenn er for Value bettet, dann kommt eine blaue Markierung hinzu (ich nutze da die Pokersoftware und den HUD-Rahmen). So habe ich immer zwei Tendenzen, dass ich sofort sehe, wo die Gefahr liegt. An sich versuche ich schon ziemlich strategisch an die Sache heranzugehen und möglichst so zu spielen, dass Villain micht nicht exploiten kann, aber wenn man jemanden nicht bluffen kann, wenn er weak ist, aber callen könnte, dann muss ich schon abweichen, da helfen dann Markierungen. So ists auch gegen aggressive Leute, die werden erstmal pink markiert und in den Notes (dort versuche ich immer so wenig wie möglich drin zu haben) steht dann "overplayer" oder "polarisiert". Gegen einen Overplayer mache ich eben keine dünnen calles mit A high oder sowas, gegen jemanden der polarisiert und eher blufflastig ist, schon. Ich entnehme auch niemals aus Stats meine Markierungen. Ich habe Gegner, die einen niedrige WTS haben und auch keine Neigung default zu herocallen, gegen mich aber einfach alles callen, sprich, die Markierungen gelten eher dem Gameplan, was sie gegen mich machen. Aber mein Pool ist auch nicht grad groß. Auf NL200 wird da schon mehr auf meine Tendenzen Acht gegeben, als wenn ich NL25 spielen würde, dort haben Stats möglicherweise auch mehr Aussagekraft.
Notes schreibe ich gegen jemanden, den ich nicht wirklich kenne schon viel, aber wenn sich Tendenzen ergeben, dann nutze ich eben mein Markierungssystem und lösche auch die Notes, denn in den Notes will ich auf den ersten Blick sehen, Timing, Sizing etc. und nicht lauter weird lines^^ Der Vorteil bei solcherlei Markierungen ist eben, dass man sofort gewarnt wird dann schon preflop planen kann, oftmals schaut man auch erst am River auf den WTS und wenn die Markierung schon sagt "station" dann passt man eben von vorn herein seine Strategie an.
Richtig stark im Reads sammeln bin ich geworden, als ich ein Galfond-Vid von 2009 gesehen habe, er hat 2 Tische NL100 gespielt, ohne HUD und hat sau viele Notes verfasst. Nach dem Vid hab ich dann mein HUD stark reduziert und habe viel Notes geschrieben und bin immer sicherer darin geworden gute Reads und safe Reads von schlechten Reads/Tilt-Reads zu unterscheiden, aber dann war mein Note-Kästchen irgendwann bei vielen stark überladen, selbst mit guten Systemen, die ich mir irgendwo abgeschaut habe, hatte ich Probleme und bin dann drauf gekommen einfach ein mehrfaches Markierungsystem zu nutzen und meine Reads zu abstrahieren, in dem ich einfach die Tendenzen von Villain markiere, wie er gegen mich spielt. Desweiteren arbeite ich aber so an meinem Game, dass ich nicht mehr so viel Fokus auf Exploits einzelner Villains lege, da war ich immer sehr verbissen, hat im Endeffekt aber nicht so viel gebracht. Nun achte ich eher darauf so zu spielen, dass ich einfach schwer zu spielen bin, nicht unbedingt Richtung unexploitable Toy-GTO, aber halt schwer zu spielen, wer sucht, der wird schon Schwachstellen in meinem Game finden, aber die werd ich schon irgendwann fixen^^
Mein Gedankenprozess ingame hat sich eben vollkommen geändert, von: Preflopepenraise (sehr sehr unbedacht oft und zu loose) ---> Statscheck Gegner + Notes (oft im Hinterkopf, ich hab ein gutes Auffassungsvermögen und hab teilweise Stats und Tendenzen meiner Gegner einfach im Kopf, es muss nicht zwingend ein HUD laufen) ---> Handstärke angeschaut ---> exploitive Handplan überlegt, was oft frustet wenns nicht funktioniert. Damit hatte ich aber eine lange Zeit sehr viel Erfolg, der sich irgendwann eingestellt hat, als die Redline = Greenline und 10bb/100 - Zeiten vorbei waren^^
zu:
Preflop-Openraise (mit wohldurchdachter Default-Range oder slight adjustments an den Table, aufgrund von Stacksizes etc. innerhalb meiner Strategie, die ich grad spielen will auch angepasst) ---> Board-Textur anschauen und überlegen "gut für Spieler IP oder OOP?" "welche Range hittet hier gut, meine oder vom caller" und dann erst wirklich schauen in welche Line meine Hand fallen könnte ---> meistens Wähle ich dann auch die Line und nur bei grenzwertigen Händen, beziehe ich die Markierungen oder Gegnerstats, Fischigkeit etc. mit in meinen Gedankenprozess mit ein.
Einen ordentlichen Gedankenprozess und Defaultgame zu haben ist eben extrem wichtig heutzutage, vor allem aber auch für ein gutes Poker-Mindset. Wenn in meinem alten Gedankenprozess was schief gegangen ist, dann war das ein kleines mentales Desaster für mich (ich wollte ownen und wurde aber geownt), die Hand wurde vielleicht markiert und dann hab ich gesagt "okay gegen den halt nicht mehr", wenn aber viele kleine mentale Desaster in einer Session vorkamen, dann führte das oft zu Monkeytilt. Ich hab auch sehr stark Hand für Hand und ziemlich im Vakuum gedacht. Im jetzigen Gedankenprozess überlege ich, wenn ich eine Hand misplayed habe, ob was mit meiner Default-Strategie in dem Spot was nicht stimmt und gehe dann auch etwas tiefer auf die Hand ein und lerne dabei mehr aus meinen Fehlern und ich mache immer noch einige Fehler^^ Ich achte aber auch permanent drauf, dass ich ingame genau so denke und wenn ich so nicht denke, weiß ich, dass ich gar nicht mehr im A-Game bin, ich also scheiße spiele und wenn keine kleinen Tricks helfen, dann quitte ich eben.
In seiner eigenen Range und Strategie zu denken hat auch weitere Vorteile. Wurde ich früher bspw. ge3bettet und sah, dass Villain in dem Spot sehr oft 3bettet hat, dann ist das oft in unsinnigem Spew ausgeartet. Heute überlege ich erst "fällt die Hand in meine defend-Range?", wenn nein, dann folde ich, wenn ja, dann defende ich, wenn ichs nicht weiß, dann ärger ich mich ein bisschen und der Spot kommt auf meine ellenlange "Gameplan-todo-Liste" (die ich obv nicht gespeichert habe, nachdem ich Rechner neu aufgesetzt habe
). Wenn Villain aber overly viel 3bettet, dann mache ich keine Adjustments aufgrund der Frequenz (außer er foldet viel auf 4bets, das exploite ich), sondern ersteinmal aufgrund seiner Range, es ist mir nämlich wichtiger zu wissen, was Villain gern 3bettet mit 10% in Spot X, als "er 3bettet 10% in Spot X, das ist aber zu viel" und dann erst irgendwelche Adjustments mache, die außerhalb meiner Default-Strategie liegen.
Fazit: wenn du nicht gut darin bist, Reads aufzubauen, dann ist das okay, dann solltest du aber viel Arbeit in dein Default-Game stecken und dich ggf. mit "optimalen" Lines in vielen Standard-Spots auseinander setzen. Der Vorteil dabei ist, dass du dadurch ersteinmal lernst, was "gut" und "schlecht" ist in den gewissen Spots und darauf basierend auch besser Reads aufbauen kannst und exploiten kannst. Ich hab vergessen, was du für Limits spielst, ich glaub du hast es irgendwo erwähnt, aber gerade so auf Lowstakes bringt es herzlich wenig optimal zu spielen, vor allem, weil es unheimlich viele Spots gibt in dem es maxEV ist eine exploitive Line zu wählen. Viele Spieler folden eben noch zu viel auf cbets, da macht es wenig Sinn am Flop balanced zu sein und am Turn weiter balanced zu barreln, weil der Bluffteil der Range am Flop gegen Villain zu niedrig ist, am Turn dann aber zu hoch wird. Andererseits kann es aber oft möglich sein, dass man höheren EV mit einer Bet auf späteren Streets hat, das kann man aber nur herausfinden, wenn man abseits der Tische viel mit Board-Texturen arbeitet und diverse Spots (vor allem welche die oft vorkommen) mit seiner Range auseinander nimmt. Dabei ist es natürlich gut, wenn man mit anderen über seine Strategie redet, weil man alleine dazu neigt viele Fehler zu machen, die man selbst nicht sieht.
Sorry, dass ich dir nun nicht explezit dabei helfen kann, wie man nun wirklich Reads aufbaut, aber imo werden "Reads" ohnehin überschätzt bzw. oftmals wird so overexploitet, dass man sich entweder selbst ownt, oder Villain schlicht anfängt zu adapten.