Ich habe nun endlich meine Präventiv-Maßnahmen aus "Mental Game of Poker" herausgearbeitet.
Ich will hier nicht zu viel über "Mental Game of Poker" schreiben, weil ich auch nicht so die Ahnung wegen Urheberrechte usw. habe, aber ich wills halt bloggen, was ich daraus mitnehme und wie ich dadurch mein Mental Game verbesser. Also so ziemlich alles, was ich hier theoretisch anreiße hat die Quelle "Mental Game of Poker" von Jared Tendler und enstammt nicht aus meiner Feder, ich hoffe es stellt für den Autor kein Problem da, wenn jemand mehr dazu weiß, ob ich es posten darf, dann bitte schreiben, ich lösche es dann auch obv.
Um sein Mental Game zu verbessern, mit dem Ziel tiltfrei, konzentrierter und länger A-Game zu spielen gibt es eine shorterm Maßnahme "Injecting Logic" (ich nenne das hier weiter so, weil ich dazu keinen passenden Deutschen Begriff kenn), sowie eine longterm-Maßnahme "Resolution". Natürlich gibt es weitere gute Maßnahmen, allerdings werde ich mit diesen beiden arbeiten. Die Longterm-Maßnahme erfordert allerdings weiteres Studium des Buches, weshalb ich damit erst vorraussichtlich im März beginnen werde. Allerding unterstützt Injecting Logic das schon mal.
Injecting Logic erfolgt in 6 Schritten, die ich nur kurz anreiße und gleich dazu schreibe, wie ich es umsetze (meine persönlichen Sachen in Rot) :
1. Recognition:
hierbei geht es darum zu erkennen, wo die Probleme liegen. Ich habe dazu schonmal ein kleines Profil erstellt, was allerdings noch am Anfang steht und weiter ergänzt werden muss, dazu muss ich nur öfter ingame die Probleme finden und danach analysieren.
Profil:
Hierzu hat Tendler im Anhang des Buches ein Kundenfragebogen angeführt, den er auch seinen Schülern vorher gibt. Durch das tiefgründige beantworten der Fragen, erkennt man schon die ersten Probleme. Ich stehe halt noch ziemlich am Anfang und habe obv noch nicht alles erkannt. Die Fragen sind teilweise sehr persönlich, weshalb ich die auch nicht hier beantworte.
Tiltauslöser, oder was es auslöst, dass ich vom A-Game abweiche:
- bad run, wenn alles schief geht innerhalb kurzer Zeit
- eigene Fehler, meist aus Neugier, fehlender Konzentration, oder bluffs die nicht funktionieren können usw. (das geht teilweise schon mit den Zeichen einher)
- schwache Spieler (eher Regs, weniger bei Fischen), die mich ausspielen, wenn ich schon kein A-Game mehr spiele oder die am lucken sind
Zeichen, dass ich tilte/kein A-Game mehr liefer:
- ich beginne zu spewen
- ich calle zu viel (Neugier)
- ich werde wütend, was sich bis hin zu Hass steigert, obwohl ich Villain ja gar nicht persönlich kenne
- ich spiele abseits meines Plans, meist zu lange
- Ich gebe Gegner keine Range mehr.
Dieses Profil muss in regelmäßigen Abständen reviewt werden und ergänzt werden, am besten nach dem Spielen.
Weiterhin ist es wichtig sich vor Augen zu halten, was diese Probleme in der Vergangenheit für einen Schaden angerichtet haben und was sie in Zukunft anrichten werden, wenn man sie nicht behebt, für mich heißt das:
Ich denke nur auf NL200 haben mich diese Probleme ca. 2bb/100 gekostet, was sogar vielleicht noch zu niedrig geschätzt ist. Inzwischen habe ich rund 200k NL200-Hände gespielt, kann auch mehr sein, weniger eher nicht. Das bedeutet, dass meine Mental-Gameprobleme in der Vergangenheit 8k Dollar gekostet haben. Wenn ich dieses Jahr 1 Mio Zoom-Hände nur NL200 spielen sollte, dann sind das 40.000 Dollar, die nur durch schlechtes Mental Game verloren gehen/nicht gewonnen werden nach EV, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Aber abgesehen vom Geld, zerren die Probleme am Mindset, rauben Selbstvertrauen und rauben vor allem große Kapazitäten im Kopf, die man fürs A-Game-Grinden benötigt. Man gibt also wichtige Ressourcen auf, wenn man ein schlechtes Mindset hat bzw. verwendet sie an falscher Stelle. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich noch kein NL400+ spiele, hört sich vielleicht arrogant an, ist aber so
Wenn man sich soetwas mal ausrechnet, hat man gleich noch viel mehr Motivation um etwas zu tun.
Das Profil sollte man dann auch so oft wie möglich ergänzen und immer wieder anschauen.
Nachdem man also die Probleme erkannt hat und auf Papier gebracht hat, gilt es was zu tun. Wichtig ist hierbei die Zeichen ingame zu erkennen und bloß nicht zu ignorieren. Das ist das Hauptproblem, was viele Spieler haben. Es hängt auch mit der Neugier zusammen. Man erkennt das Zeichen, ignoriert es aber, damit man die Gewissheit hat, dass der Tilt auch eintritt
2. Deep Breath
Kurz (für genaue Infos, Mental Game kaufen, ich sollte Geld für die Werbung nehmen
):
Den Kopf frei bekommen, dadurch, dass man ein paar mal tief durchatmet, und sich auf den nächsten Schritt vorbereitet ohne, dass man die Tables verlassen muss. Man fährt negative Emotionen etwas runter, oder kann wichtige positive Emotionen erhöhen, wie gesagt, mehr im Buch.
3. Injecting Logic
Auch wieder nur kurz: Es geht darum sich etwas positives einzureden. Dazu sollte man sich ein Statement, zu jeder Situation erstellen und das griffbereit haben. Die Statements sollten positiv formuliert sein und am besten noch das falsche Mindset ausmärzen.
Ich werde meine Statements als Hintergrundbild speichern und sehe diese dann auf dem zweiten Monitor:
Badrun:
Hey, es läuft gerade etwas mies. Das ist normal. Gebe weiter dein Bestes, du hast im A-Game eine top-Edge, gebe einfach weiter dein bestes. Its one Big Session! (ja Floskel, aber es ist so)
Fehler:
Fehler passieren den besten Spielern. Du spielst sehr viele Hände, da kann es auch mal passieren, dass man ein paar Fehler hintereinander macht. Diese Fehler geschehen aber dadurch das du ein Spiel mit unvollständigen Informationen spielst. Markiere die Hand und schau dir die Hand später nochmal an, aber geb ersteinmal weiter dein Bestes.
Schwache Spieler:
Daher kommt dein Geld!!! Spiele weiter dein A-Game, damit du auch weiter longterm an das Geld kommst. Regs, auf die du eine Edge hast, spielst du nur im A-Game aus, dann sind es für dich Fische. Also spiele A-Game und du hast viele Fische am Tisch. Im B-Game sind es nur noch die Freizeitspieler, die dir longterm Geld liefern und im C-Game bist du der Fisch am Tisch. Also lass dich davon nicht beeinflussen, dass die Varianz gerade nicht auf deiner Seite ist, es ist longterm besser so, wenn die schlechten Spieler auch mal gewinnen.
Das sind meine ersten Statements zu den Problemen die ich herausgefunden habe, oder schon wusste, dass sie existieren.
4. Stratetic Reminder
(auch wieder nur kurz)
Das ganze hat nichts mit dem Mental Game zu tun und ist reine Pokerstrategie. Wenn man auf Tilt ist oder kurz davor, sollte man sich das ingame immer wieder anschauen, das gehört am besten mit in auf das Blatt der STatements:
Als erstes erstellt man eine Liste von allen Sachen, die aus dem Denkprozess beim Tilten verloren gehen, bei mir (noch nicht vollständig) :
- Denken in Ranges
- die eigene perceived Range einschätzen
- Tischdynamik richtig wahrnehmen
Dann benötigt man eine Liste aller Denkprozesse in einer Pokersituation (war echt gar nicht so einfach die zu erstellen und wird noch was fehlen, ausserdem werde ich sie auch strukturierter aufs Papier bringen, wenn jemand noch was einbauen kann, einfach schreiben
) :
Preflop:
Warum spiele ich die Hand? (default; Exploit? Steal? Value?), Raisesize? Plane ich eine bluff4bet? Will ich broke gehen gegen Villain A B C etc...? Werde ich auf 3bet callen, wenn ja warum? 3bet? (Exploit?; Value?) ---> lieber coldcallen pre (squeezinduce; Fisch noch in der Hand) ---> was mache ich auf eine 4bet? (5bet broke?, min5bet als exploit?, callen weil viele bluffs in der Range? vs 3bet? (Villain depolarisiert, Polarisiert, Adaptions?)
Postflop:
Bluff oder Valuebet? Überhaupt betten? Villains Range? Meine Perceived Range?`x/r > bet? x/c > bet? WARUM? lieber x/f? b/f? Betsizing?
5. Repeat as Necassary
Je nach Bedarf die 4 Schritte so oft wie man es muss wiederholen.
6. Quitting
Hier geht Tendler darauf ein und zeigt, dass quitten ein Skill ist. Es gibt keine Faustregel wann man quitten sollte. Es ist auch bei jedem individuell. Ist ein schöner Artikel an sich im Buch, will ich aber nicht weiter ausführen.
Für mich wichtig ist beim Grinden die Frage: Erhole ich mich wieder oder nicht?
Klares "nein" ---> instaquit.
"Ja/unsicher" ---> weiter grinden, so wie ich es schon mal beschrieben habe und zwar sich dazu zwingen weitere 5 Minuten gut zu spielen, bis ich es kann, dann 10 usw. Man trainiert damit seine Mentale Kraft, trotzdem gut weiter zu grinden.
So Feierabend, wünsche noch allen einen schönen Sonntag. Morgen mache ich frei, schaue aber trotzdem hier rein.