weil ich gerade von einem wunderschönen wochenende in der therme zurückkomme mal ein etwas anderer beitrag, für leute die sich in einer ähnlichen beruflichen lage befinden:
als pokerspieler hat man oft das gefühl, dass man durch die aussergewöhnlichkeit des jobs davor gefeit ist, den typischen problemen der arbeitenden bevölkerung zu begegnen, man hat flexible arbeitszeiten, longterm wird man ziemlich genau nach seinen fähigkeiten ausbezahlt, man hat immer aufstiegschancen (bis man bei den nosebleeds angekommen ist) und man kann auf andere varianten umsteigen. ein traumjob also, oder? jein, die freiheiten die poker bietet, können auch ins gegenteil umschlagen, gerade mit einer obsessiven persönlichkeit (die ich auf jeden fall habe) besteht die gefahr, dass man zuviel zeit mit poker verbringt und andere lebensbereiche vernachlässigt. eben weil man immer über die eine missplayed hand nachdenken kann, oder ob die eigene 3-betting-range aus den blinds optimal konstruiert ist.
was ich ausserdem noch aus eigener erfahrung berichten kann: die gefahr des +ev-denkens für den alltag. als pokerspieler hat man einen überdurchschnittlich hohen stundenlohn, ausserdem wird man darauf gedrillt, entscheidungen nach ihrem erwartungswert zu beurteilen. das kann dann problematisch werden, wenn man es zu sehr auf das normale leben überträgt. so könnte ich jede erledigung, die mir nicht gefällt, jemand anderem übertragen, diese person dafür bezahlen und in der zwischenzeit pokern, ist ja schliesslich +ev. aber es sind auch viele lästige kleine dinge, die einen persönlich weiterbringen, die einen interessante leute oder situationen kennenlernen lassen und die man von daher nicht vermeiden sollte (ich spreche hier jetzt nicht davon, dass man keine aufgaben mehr delegieren darf, meine putzfrau würde ich für kein geld der welt wieder hergeben, aber wenn man alleine keinen nagel mehr einschlagen kann, weil solche sachen immer wer anderer erledigt sollte man sich schon mal gedanken machen ;))
ausserdem ist es essentiell, genügend ausgleich zum pokern zu haben. eine erfüllte beziehung (für die, die soetwas überhaupt suchen), hobbies, für die man sich zeitnimmt, freunde, die man regelmässig trifft, sport, den man betreibt und auch andere intellektuell herausfordernde dinge ausser pokern und pokertheorie, die man hin und wieder macht (wobei ich hierzu auch schon so banale dinge zählen würde wie ein buch/die zeitung zu lesen). als ausgeglichene person fällt es einem einfach leichter, poker in das recht licht zu rücken, man ist dadurch auch zweifelsohne weniger tiltanfällig. ist ja logisch, dass für mich eine welt zusammenbricht, wenn poker die zentrale rolle in meinem leben spielt und ich dann ein paar badbeats einstecken muss oder die limits, die ich mir vorgenommen habe nicht schlagen kann.
man muss einfach für sich klären, was man für ziele mit poker verfolgt, aber das ganze als ganz normale arbeit zu sehen, bzw. als eine tätigkeit die einem spass macht und mit der man mit einem ausgezeichneten stundenlohn seinen lebensunterhalt verdienen kann um damit genug geld für ein erfülltes leben zu haben ist schon ein recht guter ansatz wie ich finde, niemals sollte ein einfaches kartenspiel ,und mehr ist poker nun mal nicht, eine der zentralen prioritäten im leben darstellen. gerade wenn man dazu neigt, bei dingen wie strategiespielen sehr ehrgeizig zu sein, was ich bin, dann sollte man sich immer wieder vor augen halten, was einem im leben wirklcih wichtig ist.
genug random rambling, jetzt noch 1 1/2 stunden nachmittagsschlaf, dann ein gemütlciher restlicher nachmittag und heute abend dann der erste tourneygrind