Der 0815 Spieler hat noch nie von irgendwas profitiert. Poker ist ein Spiel in dem fast alle langfristig verlieren und nur sehr wenige gewinnen.
langfristige Verlierer:
- Fische
- mittelmässige Spieler
- solide Spieler, die aber regelmässig zu hoch spielen (Wasserträgerprinzip, PeterPrinciple oder wie auch immer das nennen will)
langfristige Gewinner:
- (sehr) gute Spieler
- sehr erfolgreiche Spieler (es gibt da so einige Turnierspieler, die ich nicht als langfristige Gewinner bezeichnen würde, die sich aber gut vermarkten können/gut vermarket werden)
- die Spielanbieter
Für die Ökonomie ist es wichtig, dass es langfristige Verlierer gibt, denn sehr gute Spieler hören auf, wenn es nichts mehr zu holen gibt.
Für den Pokeranbieter ist es wichtig, dass gespielt wird und Geld umgesetzt wird und somit Rake erzeugt wird, der letztendlich der Ertrag des Anbieters ist.
Würde es nur noch sehr gute Spieler geben, dann würden diese offensichtlich nicht gegeneinander spielen. Gespielt wird nur, wenn es objektive und/oder subjektive Skillunterschiede gibt.
Die meisten Pokervarianten haben sich technisch mittlerweile so weit entwickelt, dass subjektive Skillunterschiede unter guten Spielern fast nicht mehr existieren und es wirklich objektive Maßstäbe gibt und daher viele Highstakespartien nicht mehr laufen, wenn keine Fische am Tisch sind (da die kleine mögliche Edge wahrscheinlich durch den Rake -> auch wenn er noch so klein ist aufgefrassen wird und es ökonomisch häufig auch Unsinn ist ohne Fisch zu spielen).
Ich schätze auch mal, dass die meisten Pokerstrategymitglieder nicht zu den langfristigen Gewinnern gehören - allerdings produziert Pokerstrategy viele mittelmässige und solide Spieler, die auch wichtig sind. Denn diese gewinnen auf bestimmten Limits, scheitern aber daran dies nach ihren Aufstiegen auch fortzusetzen (ich denke für die meisten liegt die Grenze heutzutage bei NL200 ... ich habs mit viel Arbeit geschafft auf NL400 und 1k zu gewinnen - darüber wäre ich chancenlos) und geben ihr Geld aufgrund der durchschnittlich steigenden Skilldifferenz wieder ab.
Klar wäre es schön, wenn es weniger mittelmässige Spieler geben würde, aber wer heutzutage gewinnen möchte, der muss auf diese Spieler eine Edge haben. Früher brauchte man nur auf die Fische die Edge haben, heute muss man auf alle Spieler in der Kategorie "langfristige Verlierer" eine Edge haben, weil die reinen Fische halt rarer geworden sind (und ich rede hier nicht von NL100). Das "Problem" dabei ist, dass diese Edge nur relativ ist - ein Spieler der in meinen Augen langfristiger Verlierer ist, könnte für einen NL100 BE Spieler ein großer Winningplayer sein (zumindest auf dem Limit) -> er trägt halt das Geld von NL100 auf NL200 oder 400 und verliert es dort an Spieler wie mich.
Die Definition Fisch/mittelmässiger Spieler/Freizeitspieler ist halt letztendlich immer nur in Relation zum eigenen Skill zu sehen und ich bin wirklich froh, dass ich relativ selbstkritisch bin und schnell genug erkannt habe wo meine Grenze liegt. Hätte ich dies nicht erkannt würde ich wahrscheinlich immer noch regelmässig in zu toughen 1k und 2k Partien fleissig das Geld spenden.
Und wenn ich nicht täusche, dann hat man die meisten Fische sowieso noch immer in den Major Turnieren sitzen, die meiner Meinung nach auch genau auf solche Werbungen anspringen ala: Großes Turnier = großer Gewinn = ich will auch. Ich hab jetzt seit Monaten aus Zeitgründen SO kein Mayor mehr gespielt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese seit dem Sieg von Pius schwieriger geworden sind zu spielen (die waren nämlich schon vorher bis oben hin voll mit schwachen Spielern - auch hier ist schwach wieder relativ zu sehen).
Ich denke jedem ist klar, dass es nie wieder so wird wie 2005/2006/2007, aber es ist nach wie vor möglich zu gewinnen, wenn man wirklich gut spielt und weiss wo seine Grenzen sind. Man sollte aber gleichzeitig auch erkennen, dass der Zenit überschritten ist und es sich wahrscheinlich jetzt nicht mehr lohnt mit dem Ziel "Profi" werden zu wollen einzusteigen.
Das kann man auch denke ich daran erkennen, dass in den letzten Monaten neue Geschäftsfelder gesucht werden (Bwin/Party macht ne Tradingplattform auf, Pokerstrategy versucht eine Tradingschule aufzubauen?!). Ich denke mal das man bestimmt noch in 5 Jahren gewinnen kann, aber es wird immer schwieriger und unprofitabler verglichen mit anderen Sachen (wie z.b. Trading, wobei ich mir da überhaupt noch nicht sicher bin, ob man da gegen die große Schar an prof. Tradern ankommt - ich mein Stoxtrader ist damals aus dem Tradingbereich ins Poker gewechselt, weil es profitabler war).
Man sollte aber festhalten, dass man als Individuum bei der ganzen Sache erstmal nur Teil der Gewinnstrategie eines oder mehrerer gewinnorientierter Unternehmen ist und sich seine Nische/Edge erkämpfen muss und die meisten daran scheitern, weil sie Nischen und Edges anderer nachlaufen und wenn sie dort angekommen sind allen anderen einen Schritt hinterherhinken