Als studierter Werkstofftechniker im Dentalbereich will ich mich auch mal äußern.
Eine eindeutige Aussage zu Amalgam Ja/Nein gibt es meines Erachtens nach nicht. Leider wird diese Diskussion häufig als Glaubenskrieg von beiden Seiten geführt. Erschwerend kommt hinzu, dass es über wichtige Punkte nicht wirklich valide Informationen gibt und es daher einfach ist mit Halbwahrheiten und Schauergeschichten seine Position zu stärken.
Aber zu den Fakten:
Amalgam enthält Quecksilber und es gelangt auch in den Körper.
Quecksilber ist ab gewissen Dosen giftig.
Das Problem ist einfach, dass niemand genau weiß wie viel Quecksilber über welchen Zeitraum in den Körper gelangt. Hinzu kommt, dass es unterschiedliche Arten von Amalgam gibt. Bei den neuen Versionen von Amalgam wird deutlich weniger Quecksilber frei als bei dem Amalgam aus den 70er und 80er Jahren. Damit werden dann von den Amalgam Befürwortern gerne Langzeitstudien und auch die Röntgenbilder der Kritiker abgelehnt. Unbestritten ist meines Wissen nach, dass das meiste Quecksilber beim Einsetzen und Rausnehmen von Amalgamfüllungen frei wird. Ich kenne Zahnärzte die sagen, dass sie selber auch kein neues Amalgam bei Patienten verwenden, da sie sich nicht täglich dem Quecksilber exponieren wollen. Auf der anderen Seite, würden sie sich selber Amalgamfüllungen einsetzen lassen, da man Patient nur einmalig beim Einsetzen und entfernen exponiert ist und durch einen Kofferdam etwas zusätzlichen Schutz hat. Der Behandler hingegen hängt mit seiner Nase fast direkt über der Füllung, wenn er anständig sehen will.
Ein weiteres Problem ist, dass keiner weiß wie viel Quecksilber im Körper unschädlich ist. Wem bekannt ist, wie Grenzwerte ermittelt werden, der wird wissen, dass dies häufig auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.
Auf der anderen Seite gibt es werkstofftechnisch kein besseres Material als Amalgam für Füllungen. Es lässt sich super verarbeiten, ist langlebig und kleine Defekte können sich wieder schließen.
Die Problematik der Ersatzwerkstoffe sehe ich wie DeathlyEagle. Insbesondere halte ich die Restmonomer Problematik bei Kunststoffen allgemein für unterschätzt. Außerdem wird gerne zu leichtfertig über das Problem des polimerisations Schrumpf bei Kompositen hinweg gegangen. (Klar, die Komposite sind besser geworden, aber gänzlich weg ist das Problem damit nicht)
Wobei ich persönlich ein großer Freund von (umgangssprachlich) Zirkon bin. Aus der zahntechnichischen Praxis kenne ich die Probleme die der Goldguß mit sich bringt. Ich glaube, dass die durchschnittliche Passgenauigkeit bei gefrästem Zahnersatz höher ist als bei gegossenen Produkten. Aber auch ließe sich wieder trefflich über Gold VS Zirkon streiten.
Ich würde keinem raten, sich Amalgam einsetzen zu lassen, wenn er ein schlechtes Gefühl dabei hat, sehe aber keine starken Gründe die gegen Amalgam sprechen. Für mich selber kommt es allein aus ästhetischen Gründen nicht infrage.