Nach einer verhältnismäßig langen Winterruhe befinden sich die Ameisen seit Ende März wieder an ihrem angestammten Platz. Allerdings hat sich einiges verändert. So wurde das mittlerweile viel zu kleine Becken endlich durch ein größeres ersetzt. Auch das Nest selbst habe ich erweitert und ihnen während der kalten Zeit einfach heimlich einen dritten Ytong-Stein angeschlossen. Die erste Erweiterung hatte ich ja im Irrglauben, dass ich das einfach ruck zuck auf den Verbindungsschlauch des alten Nestes stecken kann, im letzten Sommer angeschlossen. Damals flutschte der Schlauch aber doch noch so reibungslos in das Loch und ich musste ewig rumruckeln, so dass natürlich einige in Panik entwischt sind. Von daher gibt es solche Aktionen jetzt nur noch im Winter, wenn alle gemütlich auf einem Haufen sitzen und sich nicht rühren.
Auf alle Fälle gibt es wieder mal ein paar neue Bilder. Sind teilweise ein bisschen unscharf geworden, weil ich zu dum bin, mit der Kamera umzugehen, aber man kann schon etwas erkennen.

Die neue Ameisen-Arena ist nun ein 60x30x30cm großes Becken, das um ein paar Ecken mit dem Ytong-Nest verbunden ist. Auf dem Becken selbst liegt ein Glasrahmen auf, welcher an der Unterseite fein mit Paraffin-Öl bestrichen ist. Dieser Ölfilm soll verhindern, dass die Ameisen beim Öffnen des Deckels entwischen. Bisher kehren sie auch immer brav um, wenn sie mit dem Öl in Berührung kommen. Den Rahmen habe ich auch deshalb gewählt, weil ich das Öl sonst oben an der Innenseite des Beckens selbst hätte anbringen müssen und die Soße im Sommer dann immer heruntergelaufen wäre. Ich habe eigentlich noch einen Glasdeckel mit Alurahmen dazubestellt, dieser erwies sich allerdings in Kombination mit dem Glasrahmen als sehr unpraktisch. Erstens war er schwer zu greifen und somit hatte ich immer Schiss, dass er mir mal auskommt und auf das Becken fällt. Und zweiten musste man ihn immer millimetergenau auf das Becken manövrieren, denn bei der kleinsten Berührung des Alurahmens mit dem Glasrahmen hat man von selbigem kleine Splitter abgebrochen. Von daher habe ich einfach selbst einen Deckel aus Plexiglas und dem Gitter eines Pfannenspritzschutzes gebastelt. Liegt perfekt auf, ist leicht und kann bei Bedarf einfach zur Seite geschoben werden.

Hier die drei Nestbereiche im Überblick: Links immer noch der älteste vom April 2010, in der Mitte der Stein vom letzten Sommer und rechts der neuste. Ich habe dieses Mal keinen kreisrunden Wassertank reingeschnitzt, sondern habe mir für diesen Bereich ein anderes Bewässerungssystem ausgesucht. Über vier Spritzenkanülen (auf der rechten Seite sind auch noch einmal zwei) kann ich die Kammern bei Bedarf gezielt befeuchten. Im Internet haben die Kanülen für solche Einwegspritzen irgendwie überall eine Million Euro gekostet. Also bin ich runter zur nächsten Apotheke und habe versucht, so wenig wie möglich wie ein Drogensüchtiger zu wirken, als ich nach zehn Injektionsnadeln gefragt habe. Natürlich erntet man bei solch einer Bestellung dennoch skeptische Blicke. Als die Frau mit den Nadeln wieder aus dem Hinterzimmer kam, nannte sie mir den Preis.
Apothekerin: "Das wären dann 25 ..."
Innerlich habe ich mich schon darauf vorbereitet, schnell Fersengeld zu geben.
Apothekerin: "... Cent. Für die Spendenbox für die Kinder."
Sie hat das Geld dann auch tatsächlich gleich in diese Box geworfen. Da ich auch nur unwesentlich mehr Kleingeld dabei hatte, blieb es auch bei diesem Betrag und der leicht peinlichen Stimmung, die in der Luft lag.

Im mittleren Nestbereich ist nach wie vor einiges los, auch der linke Nestteil ist trotz der großen Verschmutzung immer noch gut besucht. Aus Rücksichtnahme zeige ich diesen Fall von Siffstars aber dieses Mal nicht extra. Bei Entfernen der Abdeckung habe ich leider ein bisschen zu viele Vibrationen erzeugt, so dass ein wenig Panik bei der Königin ausgebrochen ist. Diese hatte sich dann verkrochen, bevor ich mit der Kamera zur Stelle sein konnte. Aber sie ist immer noch putzmunter.

Der neue Nestbereich wird bis jetzt noch recht argwöhnisch begutachtet. Nur ein paar Ameisen schauen sich das ganze bisher ab und zu an und fragen sich wohl, why der Mist plötzlich soll.

Verbunden ist das Nest wie üblich über einen Schlauch mit der Arena. Aufbaubedingt musste ich dieses Mal ein paar Kurven einbauen. Im Baumarkt entdeckte ich günstige Kupferwinkel, die auch einigermaßen gut in den Schlauchdurchmesser passten. Zu Hause erstmal stolz im Internet geschaut, ob noch jemand diese praktischen und preisgünstigen Dinger für seine Verbindungsschläuche entdeckt hatte. Dies war durchaus der Fall, allerdings entbrannte jedes Mal etwas größere Diskussionen darum, dass Kupfer Gift für Ameisen ist, bzw. bei Luftfeuchtigkeit Kupfersalze entstehen würden, die Gift für Ameisen sind. Das hat mir dieser Unge nicht gesagt. Da es aber auch gegenläufige Meinungen gab, habe ich mich dafür entschieden, erstmal darauf zu scheißen und habe sie eingebaut. Man muss ja auch nicht übervorsichtig sein.

Und hier geht es dann raus in die neue Freiheit.

Wie angekündigt habe ich bei der neuen Landschaftsgestaltung auf einen Unterbau aus Styropor verzichtet. Die Ameisen fraßen sich trotz Gipsschicht an den Schwachstellen rein, verweilten dann dort und machten im Becken mit den Fetzen eine riesige Sauerei. Von daher gab es dieses Mal nur eine einfache Schicht aus Wiesengranulat. Da das ganze ein wenig nach Wald/Waldrand aussehen sollte, gab es noch eine Schicht Pinienrinde, ein paar Fichtennadeln, Kieselsteine und Erlenzapfen. Zur Abrundung diente schließlich noch eine Birkenholzscheibe, die einen Baumstumpf darstellen soll. Ein ganz normaler Wald also, wie man ihn überall finden kann.
Apropos Erlenzapfen. Anhand des Bildes im Antstore habe ich mich da ein wenig verschätzt. Als ich dieses Bild sah, dachte ich mir "Ja, das werden schon einigermaßen große Zapfen sein" und ließ mich dazu hinreißen, sie trotz des üppigen Preises von 2,90 Euro für 20 Stück in den Warenkorb zu packen.

Da hätte ich aber lieber mal die Beschreibung genauer lesen sollen: 20x10x10mm hieß es dort und tatsächlich sind die Zapfen zwischen einem und zwei Zentimetern groß.

Dass Ameisen über chemische Stoffe kommunizieren und mit ihnen Spuren etc. markieren, kann man ganz gut an diesem Bild demonstrieren. Dieser Ast diente in der alten Arena als Zugang zum Nest. Und auf diesem Ast saßen auch immer jede Menge Ameisen einfach nur rum. Ich habe den Ast neben zwei anderen wieder als Dekoration hergenommen, habe ihn vorher aber nicht abgewaschen. Scheinbar riechen die Ameisen ihre alten Markierungen noch, denn auch jetzt wird da wieder gerne herumgelungert. Die anderen beiden Äste finden diese Beachtung nicht.

Auf dem Baumstumpf herrscht noch Ruhe vor dem Sturm.

Ein paar Ameisen schauen sich gemütlich um.

Suddenly a wild gefrorenes Heimchen appears.

Dieses muss natürlich sofort ins Nest getragen werden.

Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Ameisenkolonie. Selbst diese kurze Strecke stellt für die Ameisen einigermaßen Arbeit dar. Um dieses Heimchen ins Nest zu tragen, haben sie heute tatsächlich das ganze Fußballspiel lang gebraucht. Gestern gab es schon mal kleinere Heimchen, da ging es flotter.

Gemeinsam wird die Beute den Baumstumpf heruntergetragen.

Gleich ist die erste Etappe für heute geschafft.

Zur gleichen Zeit wird sich unweit über das frische Honigwasser hergemacht.

Ich sehe eigentlich jedes Mal, wenn ich ins Becken schaue, mindestens eine Ameise, die gerade Müll durch die Gegend trägt. Im Frühjahr bietet sich eine gute Gelegenheit, ein paar Restbestände an toten Ameisen, Puppenhüllen, Insektenresten oder Watte aus dem Nest zu schaffen. Ameisen wollen den Müll immer möglichst weit weg vom Nest abladen. Scheinbar finden sie noch keinen geeigneten Platz, da sie oft ziemlich lange ziemlich planlos in der Arena umherlaufen und den Müll ewig nicht ablegen. Vielleicht sollte ich ihnen das alte Becken über einen etwas längeren Schlauch als Müllbecken anschließen.
Ich habe noch ein paar Fotos. Da muss ich aber erstmal schauen, welche einigermaßen gelungen sind. Fürs erste soll's aber erstmal genügen.