Mal zu der Frage, warum Sünden als Sünden angesehen werden, wenn sie doch aus dem Werk Gottes resultieren: Die Antwort darauf findet man meiner Meinung nach bei Adam und Eva. Die essen ja vom Baum der Erkenntnis. Das führt dazu, dass sie nicht mehr im Paradies leben, wo alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, sondern gezwungen werden, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Es ist also die Erkenntnis, die Fähigkeit zum Unterscheiden zwischen richtig und falsch, die uns dazu verpflichtet, sie auch zu nutzen und über unser eigenes Tun zu reflektieren.
Die Botschaft funktioniert auch ohne Gott: Weil wir nicht nur Triebgesteuert sind, sondern über die Konsequenzen unseres Handelns nachdenken können, sind wir auch dazu verpflichtet, das zu tun. Darum ist eine böse Tat eine böse Tat und lässt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass man gerade Lust dazu hatte.
Man muss das Wort "Gott" ja nicht immer zu wörtlich nehmen, sondern kann sich dafür sowas wie "Schicksal" oder "Konsequenz aus dem Tun der Menschen" denken. Das funktioniert meistens ganz gut. Die Bibel ist eine Sammlung alter philosophischer Geschichten unterschiedlicher Autoren. Einiges taugt was, anderes ist einfach antiker Irrtum. Niemand ist gezwungen, diese Geschichten genauso zu verstehen, wie das ein paar Greise tun, die ihrem ganzen Leben mit keiner Frau Sex hatten. Dass einige Organisationen diese Texte missbrauchen, macht die Organisationen schlecht, nicht die Texte.