Original von Renne01
Man könnte auch Transaktionen besteuern. [...] Ich spreche von der rießigen Palette an Spekulationsgeschäften (Derivate, ABS, MBS, Optionsscheine, Versicherungen etc. etc. ), deren Besteuerung einen rießen Batzen Geld einringen würde. Ich denk damit ließe sich mehr als nur ein BGE finanzieren.
Möglich, dazu kann ich aus fehlendem Wissen nicht wirklich was konstruktives sagen. Letztendlich würde der ganze Sektor vermutlich einfach in ein anderes Land abwandern (z.B. GB) und dann wären die Einnahmen wieder weg.
IMO gehören solche Transaktionen, insbesondere Spekulationen auf Lebensmittel und Rohstoffe einfach verboten.
Und wenn wir die Toten mit der Anzahl an weggeworfenen Lebensmitteln, von den verbrannten für Energiegewinnung, red ich noch garnicht, vergleichen, zeigt das doch, dass mehr als genug Lebensmittel für alle da sind, um nur ein essentielles Gut zu nennen. Die Einen können garnicht so viel fressen, als dass sie die ganzen prodzierten Lebensmittel verwerten könnten. Viele versuchens trotzdem. Dasselbe gilt auch für andere Güter. In DE wird zumindest teilweise mehr als genug produziert. Die Überschüsse könnte man locker in DE verteilen. So bliebe der Nutzen der Güter im Land und müsste nicht ins Ausland "verschenkt" werden, wo die dann auch wieder nicht alles verwerten können, zumindest nicht sinnvoll. Dh. dass ein Teil des BGE schon von Haus aus vorfinanziert ist. Nurbleiben diese Güter, die man als Teil des BGE verteilen könnte, eben nicht im Land.
Keine Frage, Lebensmittelverschwendung ist eine der größten gesellschaftlichen Sünden unserer Zeit. Allerdings würde es in Afrika vermutlich auch dann noch Hungertote geben, wenn wir Lebensmittel nicht mehr wegwerfen würden. Wir können ja das Extra-Brot nicht zeitnah nach Somalia liefern bevor es verschimmelt.
Hunger kann IMO nur vor Ort bekämpft werden, indem man Menschen in die Lage versetzt, sich selbst zu versorgen. Ist natürlich massiv von der Sicherheitslage abhängig, die in vielen Ländern katastrophal ist.
Aber wie gesagt, gehört IMO in ne andere Diskussion.
Warum meinst du, dass das BGE nicht sozial sei?
Wie schon gesagt, ich erkenne nicht was sozial daran ist, wenn man Menschen das Recht gibt, sich von anderen aushalten zu lassen.
Ein einfaches Beispiel ohne Geld:
Die Gesellschaft besteht aus 4 Personen: Ein Bauer, ein Schneider, ein Handwerker, ein Arzt. Im Kapitalismus macht jeder (theoretisch) das, was er am besten kann, so gut wie er es kann. Der Bauer versorgt alle mit Nahrung, der Handwerker baut jedem ein Haus und hält es instand, etc. Wenn jetzt ein BGE jedem den Zugang zu Nahrung, Kleidung, Handwerkerleistung und medizinischer Versorgung garantiert, könnte der Bauer sagen: "Keinen Bock mehr auf die Ackerarbeit, ich mach nix mehr, bin ja trotzdem versorgt". Was nun? Schneider, Handwerker und Arzt müssen neben ihren eigentlichen Jobs auch noch das Feld bewirtschaften, weil sonst alle verhungern. Ist das sozial?
In unserer Wirtschaft ist es nicht viel anders: Wenn sich einer ausklinkt und nichts produktives mehr tut, müssen alle anderen seine Arbeit unter sich aufteilen. Der Staat ist ja streng genommen kein Wirtschaftsakteur, sondern nur Verteiler, und das Geld fällt nicht vom Himmel.
Weiters steigen die Lohnkosten nur in Einzelfällen. Gesamtwirtschaftlich sinken die Lohnkosten immer stärker. Diese Einsparungen können auf andere Bereiche, in denen die Lohnkosten nicht so einfach gesenkt werden können, umgeschichtet werden.
Arbeitslosigkeit wird sowieso ein zentraler Faktor werden. Denn durch die Automatisierungen werden einfach generell immer weniger Menschen benötigt. Diesen Fakt kann man nicht wegdiskutieren. Viele Unternehmen werden die Anpassungsprozesse nicht mitgehen können und zusperren. Da wird kein Weg dran vorbeiführen. Dauersubventionierung wird sich nicht mehr so einfach spielen. Arbeitslosigkeit ist also kein Argument und außerdem nicht per Definition negativ.
Sorry, aber das ist mir zu pauschal. Bei der Arbeitsplatzwahl wägen Menschen zwischen Nutzen (Verdienst) und Aufwendungen (Zeit, Streß, Anstrengung). Entscheidend ist dabei aber nicht der totale Werte, sondern der Grenzwert: Lohnt es sich wirklich für 1,000 Euro mehr 40 Stunden arbeiten zu gehen, wenn ich für 0 Stunden Arbeit ohnehin schon ein BGE von 1,000 Euro bekomme? Diese Haltung gibt es doch heute schon. Ich kenne selbst Leute, die lieber Hartz 4 kassieren und sich die Miete vom Amt zahlen lassen, als für 200 Euro mehr (Regelsatz+Miete+200 Euro) arbeiten zu gehen. Wenn man Hartz 4 durch ein BGE ersetzt, fallen noch einige Anstrengungen weg (Pflicht Bewerbungen zu schreiben, zu Vorstellungsgesprächen zu gehen, etc.) und es werden IMO noch viel mehr Menschen lieber zu Hause bleiben als unliebsame/monotone/anstrengende Arbeiten zu erledigen.
Ich stimme dir auch nicht in dem Punkt der Arbeitslosigkeit zu. Märkte wandeln sich ständig. Wenn Arbeitsstellen in einem Sektor wegfallen, entstehen sie in einem anderen. Deutschland hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte bspw. in großen Teilen vom Industrie- zum Dienstleistungsland gewandelt. Immer wenn sich Technologie weiterentwickelt, braucht es Menschen, die diese warten, weiterentwickeln und anderen beibringen, wie man sie zu benutzen hat. Der, der gestern am Fließband stand, programmiert morgen vielleicht die Maschine, die ihn ersetzt.
Original von FreddiA
Der Schlüssel zur Finanzierung ist die differenzierte Konsumsteuer. Die Idee ist meiner Meinung nach einfach nur genial. Der Widerspruch Arbeit zu besteuern, aber sich gleichzeitig über schwaches Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung zu beschweren muss endlich aufgelöst werden. Es spricht nichts gegen eine Überführung des bisherigen Steuersystems in eine Konsumsteuer. Habt ihr da Argumente?
Interessantes Konzept. Bin aber nicht sicher, ob das nicht tendenziell die Reichen wieder entlastet. Ich meine... die essen/trinken vielleicht teurere Dinge, aber nicht wesentlich mehr als der Normalsterbliche. Und mehr als ein Telefon, ein Auto, einen PC brauchen sie auch nicht unbedingt.
Abgesehen davon stellt sich auch die schwierige Frage, was wie hoch besteuert wird. Gehören z.B. Handy, PC und TV zur Grundversorgung und werden daher niedrig besteuert, damit auch Menschen mit kleinen Einkommen sie sich leisten können?
Die Folgerung ist natürlich völlig übertrieben aber das weist du sicher selber?!
Ehrlich gesagt: Keine Ahnung, ob das Übertreibung ist. Ich weiss nicht, was jemand verdient, der bei den Stadtwerken arbeitet. Abwasser kostet heutzutage ca. 10 Euro monatlich für einen 1-Personen-Haushalt. Könnte mir schon vorstellen, dass 15 oder 20 Euro möglich wären, wenn Arbeiter so hoch bezahlt werden müssen um Kosten/Nutzen-Rechnung für sie positiv zu gestalten (vgl. oben).
Selbst wenn die inflationären Effekte so groß wären wie du sie beschreibst dann könnte man anfangs das BGE solange anheben bis sich die Inflation wieder eingependelt hat auf ein stabiles Niveau. Es ist ja völlig irrelevant ob wir die Preise und die Geldmenge verdoppeln, oder halbieren, es muss nur gleichverteilt geschehen.
Das halte ich für Unsinn. Wenn du das BGE erhöhst, erhöhst du auch wieder die Hürde für Menschen, die dreckigen Jobs anzunehmen (Grenznutzen und so, s.o.), dann musst die Preise wieder anheben um den Betrieb rentabel zu machen oder zumindest auf +/-Null zu bringen. So erzeugst du eine Inflationsspirale, die letztendlich Geld komplett wertlos macht.
Aber davon abgesehen, siehst du in dieser Verteuerung bestimmter Dienstleistungen/Produkte nicht einen massiven ökonomischen Vorteil?
In einigen Sektoren wäre das definitiv wünschenswert um von der Wegwerfgesellschaft weg zu kommen. Niemand braucht jedes Jahr ein neues Handy. Gerade bei den lebenswichtigen Dingen (Nahrung, Wasser, Hygiene, medizinische Versorgung) wäre dies aber kontraproduktiv und bisher sehe ich nicht, wie man diese Sektoren vor der erwähnten Effekten (Inflation, Arbeitskräfteschwund) wirkungsvoll schützen kann.