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Warum gehn alle arbeiten

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Renne01
Beigetreten: 15.05.2007
Elite Grinder

Original von DerBobs
Das sagt sich halt so leicht "dann muss man ihn halt besser bezahlen". Dazu braucht dieses Unternehmen aber halt erstmal die entsprechenden Gewinne. Und bitte nicht nur die Großkonzerne betrachten, die es sich vermeintlich easy leisten könnten (und das verlorene Geld durch Entlassungen wieder reinholen würden), sondern v.a. auch kleine und mittlere Betriebe. Letztendlich müssen die ihre Preise erhöhen, und das zahlt dann jeder von seinem bge (was es nutzlos macht).

Damit hast du recht, wenn wir im Kapitalismus bleiben. Mehrkosten würden garantiert auf die Güter und Dienstleistungen aufgeschlagen. Somit wär das GE letztendlich nicht zielführend. Wenn wir aber hypothetisch den Großteil an Steuern abschaffen, fallen für die Unternehmen auch keine Lohnnebenkosten mehr an. Somit sinken erstmal die Kosten für die Mitarbeiter drastisch. Diese Einsparungen können dann auch die Mehrkosten für höhere Löhne abdecken. Dann stellt sich noch die Frage welche Steuern wir behalten müssen und wie hoch wir die Besteuerung ansetzen. Das ist dann eine Gewichtungsfrage. ZB. würde ich Luxusgüter, was dazu zählt, muss definiert werden, hoch besteuern, während ich grundlegende Güter und Dienstleistungen kaum besteuern würde. So könnte ich gleichzeitig auch den Konsum in geregeltere Bahnen lenken. Denn, dass zu viel konsumiert wird, ist denk ich unbestritten.

Ich wette, dass ich einige Faktoren vergessen habe bzw. deren Auswirkungen falsch einschätze. Das ist auch eine schwere Aufgabe, weil es so viele Einflussfaktoren gibt, die sich auch gegenseitig beeinflussen können. Die sind auch schwer zu überblicken. Da der Kapitalismus aber definitiv das falsche Modell ist, muss man über Alternativen diskutieren und Szenarien durchspielen. Aus meiner Sicht muss ein neues Modell nicht am Blatt perfekt durchgerechnet funktionieren. Es muss nur besser funktionieren als das aktuelle Modell. Bei komplexen Systemen zeigen sich Schwächen oft erst in der Praxis. Dort kann man dann nach Lösungen suchen und das jew. System schrittweise verbessern. Am Kapitalismus kann man imo nichts verbessern, sondern ihn nur abschaffen.


Antwort
Zitat

Der Schlüssel zur Finanzierung ist die differenzierte Konsumsteuer. Die Idee ist meiner Meinung nach einfach nur genial. Der Widerspruch Arbeit zu besteuern, aber sich gleichzeitig über schwaches Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung zu beschweren muss endlich aufgelöst werden. Es spricht nichts gegen eine Überführung des bisherigen Steuersystems in eine Konsumsteuer. Habt ihr da Argumente?

Das ist der springende Punkt!
Wenn alle "dreckigen Jobs" plötzlich super bezahlt werden (müssen) und zur Kostendeckung das Abwasser dann 50 Euro und die Müllabfuhr 100 Euro pro Monat kosten, ist das BGE von 1,000 Euro auch nix mehr wert.

Die Folgerung ist natürlich völlig übertrieben aber das weist du sicher selber?! Selbst wenn die inflationären Effekte so groß wären wie du sie beschreibst dann könnte man anfangs das BGE solange anheben bis sich die Inflation wieder eingependelt hat auf ein stabiles Niveau. Es ist ja völlig irrelevant ob wir die Preise und die Geldmenge verdoppeln, oder halbieren, es muss nur gleichverteilt geschehen.
Aber davon abgesehen, siehst du in dieser Verteuerung bestimmter Dienstleistungen/Produkte nicht einen massiven ökonomischen Vorteil? Ich weis nicht, ob du meinen post dazu vor ein paar Seiten gelesen hast, dort habe ich aber versucht zu erklären wieso diese Preisänderungen ökonomisch wünschenswert sind. Sie entsprechen nämlich den tatsächlichen (nämlich in Freiheit, frei von Arbeitszwang) Zahlungsbereitschaften und Kosten-Nutzenverhältnisse. Es ist nur eine Frage des Preises ob Menschen Alte pflegen. Und ich bin der Meinung die sind heute aufgrund der Problematik im Arbeitsmarkt viel zu niedrig bepreist.

@hidigartmann: Vielen dank für die schönen Worte! :)


Antwort
Zitat
DerBobs
Beigetreten: 01.08.2006
Oldschool Grinder

Es geht aber nicht nur darum, ob die Menschen sich - um bei deinem Beispiel zu bleiben - Altenpflege leisten wollen, sondern ob sie es können. Und das können viele jetzt schon nicht in einem menschenwürdigen Maß.

Und wie gesagt wäre der steigende preis von Arbeitskraft einfach der Tod vieler kleiner und mittlerer Betriebe. Und damit von sehr vielen Arbeitsplätzen.


Antwort
Zitat

Klar, das habe ich schon verstanden. Im Endeffekt ist es die Frage, ob wir billige Dienstleistungen wollen oder aber den Menschen das zugestehen was ihnen ein würdevolles Leben ermöglicht und was ihnen von Natur aus zusteht.
Ich glaube im Übrigen, dass das heutige System so stabil ist weil die breite Mehrheit immer noch denkt sie sei 1) einigermaßen reich (man kann sich Altenpflege leisten; was für ein Luxus wenn jemand anderes 24/7 auf die eigenen Eltern aufpasst) und 2), dass dieser Reichtum fair erarbeitet wurde (das System ist fair, es gibt keine Sklaverei, kein Wirtschaften auf Kosten der nachfolgenden Generationen und der Natur etc). Daher geht sie auch nicht in Revolte und akzeptiert das System so wie es ist und spricht sich gegen weitreichende Steuerreformen oder Einführung eines BGE aus. Aber wenn wir das genauer analysieren stellen wir fest (ihr streitet das ja nicht mal ab), dass die Menschen die heute diese Arbeiten erledigen es nicht machen würden für den Preis wenn sie nur eine bedingungslose Grundsicherung (!) hätten. ;)

Was du im zweiten Absatz beschreibst wurde ja schon ausführlich diskutiert. Die Abwanderung von Kapital (und folglich Arbeitsplätzen) ist nicht dem BGE zuzuschreiben, sondern der Welt in der das BGE eingeführt werden würde. Das BGE ist nicht die Ursache für die Abwanderung, nur der Auslöser. Somit ist das auch kein Argument contra BGE, sondern contra gegenwärtige System.


Antwort
Zitat
Renne01
Beigetreten: 15.05.2007
Elite Grinder

Mit einem gerechten Grundeinkommen fällt der Arbeitszwang weg. Weiters werden die Arbeitszeiten flexibler. Durch ein BGE wird die Position der Arbeitenden gestärkt. Sie können entscheiden wieviel und wann sie arbeiten wollen. So können sie ihre Lieben auch selbst pflegen, wie man sich das auch für einen selber wünscht. Ich will jedenfalls nicht irgendwann mal in einem Altersheim vor mich hin welken. Ist natürlich nicht in jedem Fall so einfach, körperlich und mental, zB. wenn ein Angehöriger nach einem Schlaganfall etc. nichts mehr machen kann. Trotzdem würde ich es als eine sehr positive Entwicklung ansehen, wenn Altersheime und Altenpfleger nur die Ausnahme wären. Ich kenne auch in meinem Umfeld Fälle, wo die Angehörigen zwischen Heim und Pfleger hin- und herschwanken, weil sie selbst nicht für den Vater, Gatten sorgen können, obwohl sie es gerne tun würden. Schließlich muss einer die Brötchen verdienen.

Weiters steigen die Lohnkosten nur in Einzelfällen. Gesamtwirtschaftlich sinken die Lohnkosten immer stärker. Diese Einsparungen können auf andere Bereiche, in denen die Lohnkosten nicht so einfach gesenkt werden können, umgeschichtet werden.

Arbeitslosigkeit wird sowieso ein zentraler Faktor werden. Denn durch die Automatisierungen werden einfach generell immer weniger Menschen benötigt. Diesen Fakt kann man nicht wegdiskutieren. Viele Unternehmen werden die Anpassungsprozesse nicht mitgehen können und zusperren. Da wird kein Weg dran vorbeiführen. Dauersubventionierung wird sich nicht mehr so einfach spielen. Arbeitslosigkeit ist also kein Argument und außerdem nicht per Definition negativ.

Kapitalabwanderung ist immer ein heißes Thema im Kapitalismus. Das wird sich innerhalb des aktuellen Systems auch nicht lösen. Und wenn das System bestehen bliebe, würde ein länger andauerndes Aufblasen der Geldmenge negative Folgen haben. In welchem Fall hatte eine expanisve Geldpolitik positive Folgen?


Antwort
Zitat

Arbeitslosigkeit wird sowieso ein zentraler Faktor werden. Denn durch die Automatisierungen werden einfach generell immer weniger Menschen benötigt. Diesen Fakt kann man nicht wegdiskutieren.

Ich glaube schon, dass man sich darüber streiten kann. Es werden ja immer neue Marktsegmente erschlossen wenn Arbeiter frei werden durch Technologisierung. Also ist es nicht so, dass es zwangsläufig auf Arbeitslosigkeit hinausläuft. Zumindest wenn man Arbeit so definiert wie es gemeinhin getan wird, nämlich als "entgeltliche Erwerbstätigkeit"


Antwort
Zitat

#

Nur weil paar Handwerksberufe wegfallen heißt es ja nicht, dass die Leute nicht woanders benötigt würden. Irgendwer muss die Technik schließlich entwickeln, warten, einbauen usw. Das geht noch nicht von allein.


Antwort
Zitat
Dodadodadodada
Beigetreten: 25.02.2006
BlackMember

Original von FreddiA
Es werden ja immer neue Marktsegmente erschlossen wenn Arbeiter frei werden durch Technologisierung.

Zumindest wird signifikant viel Arbeitszeit frei werden. Denn die neuen Marktsegmente benötigen nicht den Aufwand wie die monotone menschliche Arbeit zuvor.
Briefe werden nicht mehr mit einer Postkutsche gesendet, das machen Faxe, Telefonanrufe, E-Mails viel einfacher.
Die eigentliche Frage ist, wie sich neue Märkte erschließen. Dadurch, dass einige Großkonzerne ihre profitorientierten Produkte ausbilden, welches dem Konsumenten angeworben werden, oder dass Leute freiheitlich Neues ausdenken und "rumprobieren".? Vermutlich Beides. Im heutigen System ist jedoch nur die erste Variante wirklich vorhanden.
Es gibt haufenweise Leute, die im YT ihre Videos hochladen, dafür kein Geld bekommen. Als es dann profitorientiert wurde, weil Leute Produkte in den Videos platziert haben und das Videomachen professionell ausgestaltet haben, wurden diese Art zwar professionell, aber kommerziell mit geringer Qualität.

Es ist mehr die Frage, wie Qualität entsteht, wie der Markt wirklich funktioniert. Kreativität scheint sich nicht auszubilden dadurch, dass Leute anderen Leuten sagen, wie irgendetwas funktionieren könnte.
Brauchen wir nun mehr Kreativität des Einzelnen oder nur Arbeiter in einer Maschinerie..


Antwort
Zitat

und die ganzen Server für den Email-Verkehr werden von geisterhand aufgesetzt und instand gehalten? :f_confused:


Antwort
Zitat
Shore
Beigetreten: 11.11.2007
PokerStrategist

Wir haben heute keinen Arbeitszwang. Niemand zwingt dich eine Arbeit anzunehmen. Klar, unser Überlebenstrieb bewegt uns dazu, uns eine Arbeit zu suchen. Aber wenn du zum Beispiel sparsam lebst und irgendwann soviel hast, dass du nicht mehr arbeiten gehen musst, dann gibt es keine Instanz, die dich zum Arbeiten zwingt. Arbeitszwang ist also eine falsche Bezeichnung.

Die Vorstellung, dass man mit einem BGE die Arbeiter einfach so zu Hause bleiben können wann sie wollen, ignoriert die Sichtweise der Arbeitgeber. Wenn ich als Personaler in einer BGE Welt den Lebenslauf eines Bewerbers anschaue und sehe, dass er nie länger als zwei Jahre am Stück gearbeitet habe, dann lade ich den gar nicht erst zum Gespräch ein. So jemand würde immer -EV für eine Firma sein. Arbeitgeber würden deshalb wahrscheinlich nur Leute einstellen, wenn sie zusichern, für eine Mindestdauer zu arbeiten.

Ich persönlich könnte ein BGE Leben aus moralischer Überlegung nicht genießen. Mein Leben würde dann dadurch finanziert werden, in dem die Regierung von produktiven Menschen gegen deren Willen das Geld wegnimmt. Geht einfach gegen meine freiheitlichen und indivdiualistischen Werte.


Antwort
Zitat
tommy290981
Beigetreten: 03.06.2010
PokerStrategist

Gedanken zur weltweiten Machtausübung und Sklaverei


Antwort
Zitat
bumblebeebee
Beigetreten: 06.06.2006
Oldschool Grinder

Original von Shore
Ich persönlich könnte ein BGE Leben aus moralischer Überlegung nicht genießen. Mein Leben würde dann dadurch finanziert werden, in dem die Regierung von produktiven Menschen gegen deren Willen das Geld wegnimmt. Geht einfach gegen meine freiheitlichen und indivdiualistischen Werte.

So muss sich ja jeder Bundeswehr Soldat fühlen. Denn der Sold für seine sinnlose Existenz wird auch dadurch finanziert, in dem mir die Regierung gegen meinen Willen Geld wegnimmt.


Antwort
Zitat
lego
Beigetreten: 08.03.2005
Oldschool Grinder

Schön, dass du definierst, wessen Existenz sinnlos ist.


Antwort
Zitat
Shore
Beigetreten: 11.11.2007
PokerStrategist

Original von bumblebeebee

Original von Shore
Ich persönlich könnte ein BGE Leben aus moralischer Überlegung nicht genießen. Mein Leben würde dann dadurch finanziert werden, in dem die Regierung von produktiven Menschen gegen deren Willen das Geld wegnimmt. Geht einfach gegen meine freiheitlichen und indivdiualistischen Werte.

So muss sich ja jeder Bundeswehr Soldat fühlen. Denn der Sold für seine sinnlose Existenz wird auch dadurch finanziert, in dem mir die Regierung gegen meinen Willen Geld wegnimmt.

Gewissensbisse bekommen nur die Leute mit Moral und die das Dilemma der Finanzierung ihrer Arbeit erkannt haben. Gibt genügend Menschen denen das total Wumpe ist, dass der Staat für sie das Geld von anderen Menschen unter Zwang und Gewalt wegnimmt. Manche reden sich sowas auch noch als sozial ein.


Antwort
Zitat
bumblebeebee
Beigetreten: 06.06.2006
Oldschool Grinder

Original von lego
Schön, dass du definierst, wessen Existenz sinnlos ist.

Vermutlich habe ich das missverständlich ausgedrückt. Ich finde den Beruf des Bundeswehr Soldaten (in seiner derzeitigen Form) sinnlos. Nicht die Existenz des Menschen, der diesen Beruf ausübt.


Antwort
Zitat
Vaughn
Beigetreten: 02.02.2006
Oldschool Grinder

Original von Renne01
Man könnte auch Transaktionen besteuern. [...] Ich spreche von der rießigen Palette an Spekulationsgeschäften (Derivate, ABS, MBS, Optionsscheine, Versicherungen etc. etc. ), deren Besteuerung einen rießen Batzen Geld einringen würde. Ich denk damit ließe sich mehr als nur ein BGE finanzieren.

Möglich, dazu kann ich aus fehlendem Wissen nicht wirklich was konstruktives sagen. Letztendlich würde der ganze Sektor vermutlich einfach in ein anderes Land abwandern (z.B. GB) und dann wären die Einnahmen wieder weg.
IMO gehören solche Transaktionen, insbesondere Spekulationen auf Lebensmittel und Rohstoffe einfach verboten.

Und wenn wir die Toten mit der Anzahl an weggeworfenen Lebensmitteln, von den verbrannten für Energiegewinnung, red ich noch garnicht, vergleichen, zeigt das doch, dass mehr als genug Lebensmittel für alle da sind, um nur ein essentielles Gut zu nennen. Die Einen können garnicht so viel fressen, als dass sie die ganzen prodzierten Lebensmittel verwerten könnten. Viele versuchens trotzdem. Dasselbe gilt auch für andere Güter. In DE wird zumindest teilweise mehr als genug produziert. Die Überschüsse könnte man locker in DE verteilen. So bliebe der Nutzen der Güter im Land und müsste nicht ins Ausland "verschenkt" werden, wo die dann auch wieder nicht alles verwerten können, zumindest nicht sinnvoll. Dh. dass ein Teil des BGE schon von Haus aus vorfinanziert ist. Nurbleiben diese Güter, die man als Teil des BGE verteilen könnte, eben nicht im Land.

Keine Frage, Lebensmittelverschwendung ist eine der größten gesellschaftlichen Sünden unserer Zeit. Allerdings würde es in Afrika vermutlich auch dann noch Hungertote geben, wenn wir Lebensmittel nicht mehr wegwerfen würden. Wir können ja das Extra-Brot nicht zeitnah nach Somalia liefern bevor es verschimmelt.
Hunger kann IMO nur vor Ort bekämpft werden, indem man Menschen in die Lage versetzt, sich selbst zu versorgen. Ist natürlich massiv von der Sicherheitslage abhängig, die in vielen Ländern katastrophal ist.
Aber wie gesagt, gehört IMO in ne andere Diskussion.

Warum meinst du, dass das BGE nicht sozial sei?

Wie schon gesagt, ich erkenne nicht was sozial daran ist, wenn man Menschen das Recht gibt, sich von anderen aushalten zu lassen.
Ein einfaches Beispiel ohne Geld:
Die Gesellschaft besteht aus 4 Personen: Ein Bauer, ein Schneider, ein Handwerker, ein Arzt. Im Kapitalismus macht jeder (theoretisch) das, was er am besten kann, so gut wie er es kann. Der Bauer versorgt alle mit Nahrung, der Handwerker baut jedem ein Haus und hält es instand, etc. Wenn jetzt ein BGE jedem den Zugang zu Nahrung, Kleidung, Handwerkerleistung und medizinischer Versorgung garantiert, könnte der Bauer sagen: "Keinen Bock mehr auf die Ackerarbeit, ich mach nix mehr, bin ja trotzdem versorgt". Was nun? Schneider, Handwerker und Arzt müssen neben ihren eigentlichen Jobs auch noch das Feld bewirtschaften, weil sonst alle verhungern. Ist das sozial?

In unserer Wirtschaft ist es nicht viel anders: Wenn sich einer ausklinkt und nichts produktives mehr tut, müssen alle anderen seine Arbeit unter sich aufteilen. Der Staat ist ja streng genommen kein Wirtschaftsakteur, sondern nur Verteiler, und das Geld fällt nicht vom Himmel.

Weiters steigen die Lohnkosten nur in Einzelfällen. Gesamtwirtschaftlich sinken die Lohnkosten immer stärker. Diese Einsparungen können auf andere Bereiche, in denen die Lohnkosten nicht so einfach gesenkt werden können, umgeschichtet werden.

Arbeitslosigkeit wird sowieso ein zentraler Faktor werden. Denn durch die Automatisierungen werden einfach generell immer weniger Menschen benötigt. Diesen Fakt kann man nicht wegdiskutieren. Viele Unternehmen werden die Anpassungsprozesse nicht mitgehen können und zusperren. Da wird kein Weg dran vorbeiführen. Dauersubventionierung wird sich nicht mehr so einfach spielen. Arbeitslosigkeit ist also kein Argument und außerdem nicht per Definition negativ.

Sorry, aber das ist mir zu pauschal. Bei der Arbeitsplatzwahl wägen Menschen zwischen Nutzen (Verdienst) und Aufwendungen (Zeit, Streß, Anstrengung). Entscheidend ist dabei aber nicht der totale Werte, sondern der Grenzwert: Lohnt es sich wirklich für 1,000 Euro mehr 40 Stunden arbeiten zu gehen, wenn ich für 0 Stunden Arbeit ohnehin schon ein BGE von 1,000 Euro bekomme? Diese Haltung gibt es doch heute schon. Ich kenne selbst Leute, die lieber Hartz 4 kassieren und sich die Miete vom Amt zahlen lassen, als für 200 Euro mehr (Regelsatz+Miete+200 Euro) arbeiten zu gehen. Wenn man Hartz 4 durch ein BGE ersetzt, fallen noch einige Anstrengungen weg (Pflicht Bewerbungen zu schreiben, zu Vorstellungsgesprächen zu gehen, etc.) und es werden IMO noch viel mehr Menschen lieber zu Hause bleiben als unliebsame/monotone/anstrengende Arbeiten zu erledigen.

Ich stimme dir auch nicht in dem Punkt der Arbeitslosigkeit zu. Märkte wandeln sich ständig. Wenn Arbeitsstellen in einem Sektor wegfallen, entstehen sie in einem anderen. Deutschland hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte bspw. in großen Teilen vom Industrie- zum Dienstleistungsland gewandelt. Immer wenn sich Technologie weiterentwickelt, braucht es Menschen, die diese warten, weiterentwickeln und anderen beibringen, wie man sie zu benutzen hat. Der, der gestern am Fließband stand, programmiert morgen vielleicht die Maschine, die ihn ersetzt.

Original von FreddiA
Der Schlüssel zur Finanzierung ist die differenzierte Konsumsteuer. Die Idee ist meiner Meinung nach einfach nur genial. Der Widerspruch Arbeit zu besteuern, aber sich gleichzeitig über schwaches Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung zu beschweren muss endlich aufgelöst werden. Es spricht nichts gegen eine Überführung des bisherigen Steuersystems in eine Konsumsteuer. Habt ihr da Argumente?

Interessantes Konzept. Bin aber nicht sicher, ob das nicht tendenziell die Reichen wieder entlastet. Ich meine... die essen/trinken vielleicht teurere Dinge, aber nicht wesentlich mehr als der Normalsterbliche. Und mehr als ein Telefon, ein Auto, einen PC brauchen sie auch nicht unbedingt.
Abgesehen davon stellt sich auch die schwierige Frage, was wie hoch besteuert wird. Gehören z.B. Handy, PC und TV zur Grundversorgung und werden daher niedrig besteuert, damit auch Menschen mit kleinen Einkommen sie sich leisten können?

Die Folgerung ist natürlich völlig übertrieben aber das weist du sicher selber?!

Ehrlich gesagt: Keine Ahnung, ob das Übertreibung ist. Ich weiss nicht, was jemand verdient, der bei den Stadtwerken arbeitet. Abwasser kostet heutzutage ca. 10 Euro monatlich für einen 1-Personen-Haushalt. Könnte mir schon vorstellen, dass 15 oder 20 Euro möglich wären, wenn Arbeiter so hoch bezahlt werden müssen um Kosten/Nutzen-Rechnung für sie positiv zu gestalten (vgl. oben).

Selbst wenn die inflationären Effekte so groß wären wie du sie beschreibst dann könnte man anfangs das BGE solange anheben bis sich die Inflation wieder eingependelt hat auf ein stabiles Niveau. Es ist ja völlig irrelevant ob wir die Preise und die Geldmenge verdoppeln, oder halbieren, es muss nur gleichverteilt geschehen.

Das halte ich für Unsinn. Wenn du das BGE erhöhst, erhöhst du auch wieder die Hürde für Menschen, die dreckigen Jobs anzunehmen (Grenznutzen und so, s.o.), dann musst die Preise wieder anheben um den Betrieb rentabel zu machen oder zumindest auf +/-Null zu bringen. So erzeugst du eine Inflationsspirale, die letztendlich Geld komplett wertlos macht.

Aber davon abgesehen, siehst du in dieser Verteuerung bestimmter Dienstleistungen/Produkte nicht einen massiven ökonomischen Vorteil?

In einigen Sektoren wäre das definitiv wünschenswert um von der Wegwerfgesellschaft weg zu kommen. Niemand braucht jedes Jahr ein neues Handy. Gerade bei den lebenswichtigen Dingen (Nahrung, Wasser, Hygiene, medizinische Versorgung) wäre dies aber kontraproduktiv und bisher sehe ich nicht, wie man diese Sektoren vor der erwähnten Effekten (Inflation, Arbeitskräfteschwund) wirkungsvoll schützen kann.


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Original von bumblebeebee

Original von lego
Schön, dass du definierst, wessen Existenz sinnlos ist.

Vermutlich habe ich das missverständlich ausgedrückt. Ich finde den Beruf des Bundeswehr Soldaten (in seiner derzeitigen Form) sinnlos. Nicht die Existenz des Menschen, der diesen Beruf ausübt.

Lass es doch die Menschen einfach selber entscheiden. Wie schon gesagt wurde wird niemand zu seinem Job gezwungen. :facepalm:


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beni
Beigetreten: 17.10.2006
BlackMember

Shore, du bist dann auch dafür, dass Polizei, Justiz und Militär privat organisiert werden?
Wie funktioniert das dann wenn jemand einem das Auto kaputt macht oder einen beklaut?

Oder würde vielleicht am Ende all dieser privaten Initiativen wieder genau so ein System implementiert werden wie es bisher besteht? Wer hindert mich und meine Freunde denn daran einen Club zu gründen mit Mitlgiedsbeitrag und alle zu bedrohen, die nicht Mitglied werden wollen?


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Shore
Beigetreten: 11.11.2007
PokerStrategist

Beni, interessante Fragen, die ich aber leider nicht beantworten kann, ohne den Thread zu derailen. Du kannst im Politikforum den Thread Rechtsmonopol vs Rechtswettbewerb durchforsten oder "Privatrechstgesellschafts" oder "Dispute Resolution Organization" in Google eingeben. Anarcho-Kapitalisten haben dazu auch viel geschrieben.


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Original von Shore
Wir haben heute keinen Arbeitszwang. Niemand zwingt dich eine Arbeit anzunehmen. Klar, unser Überlebenstrieb bewegt uns dazu, uns eine Arbeit zu suchen. Aber wenn du zum Beispiel sparsam lebst und irgendwann soviel hast, dass du nicht mehr arbeiten gehen musst, dann gibt es keine Instanz, die dich zum Arbeiten zwingt. Arbeitszwang ist also eine falsche Bezeichnung.

Das stimmt nicht. Ich hab es bereits ausgeführt, also nochmal ganz kurz zusammengefasst: Wir leben in einem sozialistischen System. Wir werden hineingeboren, haben aber nie zugestimmt Teil des Systems zu sein, wir müssen Teil des Systems sein. Und dieses System hat 100000000000 Regeln denen wir zu folgen haben. Ihr Anarchos kritisiert das ja absolut zu recht. Das ist kollektiver Zwang und Gewalt. Eine dieser Regeln denen wir zu folgen haben ist die Anerkennung von Eigentum über die Natur. Wir werden bestraft wenn wir uns nehmen was wir brauchen oder was uns natürlich zusteht. Wir müssen arbeiten, weil die Welt in der Vergangenheit legal und illegal so aufgeteilt wurde, dass nichts mehr von Wert für uns übrig ist. Damit wir überhaupt produktiv werden können (dafür braucht man Kapital) müssen wir also arbeiten um das zu erlangen was uns natürlich sowieso zustehen sollte. Unser heutiges System beruht auf Arbeitszwang. Es ist also nicht so wie du sagst, dass in unserem System kein Zwang besteht, das System kann nur durch diesen Zwang funktionieren. Solange wir in einer kapitalistischen und nationalistisch organisierten Welt westlicher Prägung leben, solange brauchen wir ein BGE um diesen Zwang abzubauen. Im Sinne der Freiheit des Individuums muss das geschehen.
Wobei du hast an deinem Punkt recht und diese Kritik nehme ich mir zu Herzen: Es herrscht kein allgemeiner Arbeitszwang, nur die Eigentumslosen und Armen werden gezwungen zu arbeiten. Darauf kann ich mich einigen, kannst du das auch?

Die Vorstellung, dass man mit einem BGE die Arbeiter einfach so zu Hause bleiben können wann sie wollen, ignoriert die Sichtweise der Arbeitgeber. Wenn ich als Personaler in einer BGE Welt den Lebenslauf eines Bewerbers anschaue und sehe, dass er nie länger als zwei Jahre am Stück gearbeitet habe, dann lade ich den gar nicht erst zum Gespräch ein. So jemand würde immer -EV für eine Firma sein. Arbeitgeber würden deshalb wahrscheinlich nur Leute einstellen, wenn sie zusichern, für eine Mindestdauer zu arbeiten.

Absolut! Ein ganz hervorragendes Beispiel dafür, dass auch in einem BGE-System die Menschen nicht einfach aufhören würden zu arbeiten. Es wäre sicher gefährlich für den eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt wenn man bevorzugt jahrelang zu faulenzen statt zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.

Ich persönlich könnte ein BGE Leben aus moralischer Überlegung nicht genießen. Mein Leben würde dann dadurch finanziert werden, in dem die Regierung von produktiven Menschen gegen deren Willen das Geld wegnimmt. Geht einfach gegen meine freiheitlichen und indivdiualistischen Werte.

Das BGE ist die Entschädigung für dich, dass du im Gegensatz zu den produktiven Menschen nicht nachhaltig und schwerwiegend die Natur schädigst und gleichzeitig auf deinen Anteil der Früchte eben dieser Natur verzichtest. Da wird nichts von Produktiven zu Unproduktiven unverteilt, sondern von Nutzern/Konsumenten zu Verzichtern.


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