http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-11/wikileaks-embassy-files?page=2
USA kontaktieren vorsorglich ihre Bündnispartner "Embassy Files", diplomatische Akten – die Internetplattform Wikileaks hat die Veröffentlichung neuer Geheimdokumente angekündigt. Die Folgen sind nicht absehbar. © Tim Solan/AFP/Getty Images Das Weiße Haus in Washington, D.C. Das Weiße Haus in Washington, D.C. Es scheint sich zu bestätigen, was seit einigen Tagen vermutet wird: dass Wikileaks plant, einen Teil der diplomatischen Korrespondenz der USA zu veröffentlichen. Die amerikanische Regierung habe begonnen, die Verbündeten schon im Vorhinein zu beruhigen – berichtet zumindest Wikileaks. Anzeige Bitte hier klicken! Via Twitter verbreitet das Enthüllungsnetzwerk, die US-Regierung habe verschiedene Staaten kontaktiert und über die bevorstehende Veröffentlichung unterrichtet. Namentlich genannt wurden die Länder Großbritannien, Australien, Kanada, Dänemark, Norwegen und Israel. Dabei bezieht sich das Netzwerk auf Presseveröffentlichungen in den einzelnen Ländern, wie diese in Kanada. Der Beginn des Reigens war demnach eine Unterrichtung der New York Times. Die gehörte auch bei den vorherigen Veröffentlichungen aus Irak und aus Afghanistan zum Kreis der Medien, die zuvor Zugang zu dem Material hatten. Die Zeitung habe dem Weißen Haus von den "Embassy Files" berichtet, heißt es in Wikileaks' Twittertimeline. Dann folgte der Nachsatz: "Now we see every tinpot dictator in the world briefed prior to release." Übersetzt heißt das so viel wie: "Nun wird wohl jeder Westentaschendiktator der Welt vorgewarnt." Ein Sprecher des amerikanischen State Department bestätigte das indem er erklärte, die Regierung warne ausländische Regierungen vor. Das State Department wisse "nicht exakt, was Wikileaks hat oder was sie planen", sagte der Sprecher Philip Crowley. Aber der außenpolitische Schaden des Geheimnisverrats könne beträchtlich sein. "Die typischen Mitteilungen beschreiben Zusammenfassungen von Treffen, Analysen von Ereignissen in anderen Ländern und Protokolle vertraulicher Gespräche mit Mitgliedern anderer Regierungen", sagte Crowley der Washington Post. Eine Hauptsorge der USA sei, dass sie wegen der Veröffentlichung künftig nicht mehr an solche Informationen komme. US-Medien berichteten, dass zudem strategische Geheimnisse der amerikanischen Außenpolitik publik werden könnten, oder auch bislang unbekannte internationale Korruptionsfälle.
Die Annahme scheint nicht ganz unbegründet. So schreibt die in London ansässige Tageszeitung Al-Hayat, einige der Dokumente zeigten, dass die Türkei der Extremistenorganisation Al-Qaida im Irak geholfen hat. Die Washington Post berichtete von Papieren, aus denen hervorgehe, dass die USA die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK unterstützt hätten. Die israelische Tageszeitung Haaretz schreibt, die Enthüllungen könnten auch für Israel unangenehm werden. Die US-Regierung habe die Regierung in Jerusalem vorab gewarnt, dass Material aus den vergangenen fünf Jahren veröffentlicht werden könnte. In Australien habe sich bereits das Kabinett mit den bevorstehenden Enthüllungen auseinandergesetzt. "Die ganze Sache ist ziemlich groß", zitiert die Post einen australischen Regierungsbeamten. Mehr zum Thema * Geheimdokumente US-Regierung fürchtet neue Wikileaks-Enthüllungen Einem russischen Medienbericht zufolge könnte die Veröffentlichung zu einer Verstimmung zwischen Russland und den USA führen. Wie die Wirtschaftszeitung Kommersant unter Berufung auf Wikileaks-Kreise berichtete, enthalten die Dokumente Kommentare zu Russlands Politik und "wenig schmeichelhafte Aussagen" über russische Führungspersönlichkeiten. Es gehe unter anderem um Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen US-Diplomaten und russischen Politikern und Analysen zur russischen Innen- und Außenpolitik. Am Montag hatte Wikileaks im Netz mitgeteilt, das neue Material werde den siebenfachen Umfang der geheimen Logbucheinträge aus den USA zum Irak-Krieg haben, die im Oktober veröffentlicht worden waren. Allein dieser Datensatz mit internen Feldprotokollen der US-Armee hatte mehr als 400.000 Dokumente umfasst.