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Geldschöpfung

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jotha
Beigetreten: 20.04.2006
Elite Grinder

Original von LinusCaldwell
dürfen geschäftsbanken geld schöpfen, bevor sie die nötigen reserven dafür haben oder nicht

http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Kerngeschaeftsfelder/Bankenaufsicht/Informationen_Merkblaetter/merkblatt_ueber_die_erteilung_einer_erlaubnis_zum_betreiben_von_bankgeschaeften_gemaess___32_abs__1_kwg.pdf?__blob=publicationFile

Im Eingangspost ist bereits an die Anforderung von Eigenkapital als Voraussetzung zum Betreiben der Geschäfte hingewiesen worden.


Antwort
Zitat
Kahless
Beigetreten: 08.08.2005
Elite Grinder

@LinusCaldwell: wenn Geschäftsbanken einfach so Geld schöpfen könnten, dann hätten sie ja absurd hohe Eigenkapitalrenditen. Bank macht aus 100 Euro Reserve eben mal schnell 2000 Euro, kassiert darauf 3% Zinsen (60 Euro) und hat damit 60% Rendite. Das ist aber in der Praxis nicht beobachtbar.


Antwort
Zitat
LinusCaldwell
Beigetreten: 26.09.2007
Oldschool Grinder

entweder ich verstehe euch falsch, oder wir werfen hier einiges durcheinander.

dass das eigenkapital ein bedeutender, beschränkender faktor ist hat glaube ich niemand bezweifelt. wenn wir hier von reserven sprechen, meinen wir allerdings die mindestreserve und nicht das eigenkapital. wir gehen also implizit davon aus, dass die banken genügend eigenkapital besitzen und die mindestreserve der beschränkende faktor ist.

dies ist zugegebenermaßen in der realität im moment nicht zutreffend, da sehr viel überschussreserve bei der ZB liegt, aber das eigenkapital ist seit mindestens 5 seiten hier total ausgeklammert.

nochmal zur klarheit: es geht darum, ob eine bank erst einen kredit vergeben kann und sich dann um die mindestreserve bei der ZB kümmern muss oder nicht, ganz unabhängig vom eigenkapital, das wir einfach als ausreichend groß annehmen.

@jotha: habe das dokument überflogen und nichts zum thema mindestreserve gefunden...

@kahless: du wirfst imo eigenkapital und mindestreserve durcheinander


Antwort
Zitat
jotha
Beigetreten: 20.04.2006
Elite Grinder

Nun denn: (das ist doch in Wiki schön erklärt!?)
https://de.wikipedia.org/wiki/Mindestreserve

Ermittlung der notwendigen Mindestreserve in der EWUDie notwendige Mindestreserve (Mindestreserve-Soll) wird von der EZB anhand der reservepflichtigen Verbindlichkeiten der Vormonatsbestände ermittelt. Dabei müssen derzeit genau 1% dieser reservepflichtigen Verbindlichkeiten von den Kreditinstituten vorgehalten werden. Von der ermittelten Mindestreserve kann jedoch noch ein Abzug von pauschal 100.000,00 EUR Freibetrag erfolgen. Die durch dieses Verfahren ermittelte Mindestreserve ist dabei jeweils maßgeblich für die im übernächsten Monat beginnende Mindestreserve-Erfüllungsperiode.
Die Berechnung der bestehenden Mindestreserve (Mindestreserve-Ist) erfolgt dabei anhand aller Tagesbestände auf dem Konto bei der EZB. Die Tagesbestände werden dabei addiert und durch die Anzahl der Tage geteilt.

Die Grundlage für die Mindestreserve ist die Entgegennahme von Einlagen, die die Bank als Verbindlichkeit ausweist.
Erst danach geht es um eine Kreditvergabe durch die Bank.
Das hast Du mMn mißverständlich geschrieben.


Antwort
Zitat
LinusCaldwell
Beigetreten: 26.09.2007
Oldschool Grinder

ich kenne den wikipedia artikel und die regelung zur mindestreserve. anscheinend verstehe ich sie anders als du.

ich verstehe das ganze folgendermaßen: zum monatsende wird das mindestreserve-soll berechnet (=mindestreservebasis x mindestreservesatz-freibetrag). dieses mindestreserve-soll müssen wir nun durchschnittlich* für die kommende mindestreserveerfüllungsperiode halten.

vereinfacht ausgedrückt: ende januar berechnen wir für die kommende mindestreserveerfüllungsperiode (sagen wir die entspricht dem februar) eine MR von 100€ Millionen. d.h. ich als bank muss im februar im durchschnitt 100€ Millionen als MR bei der ZB halten. ich darf also auch an einzelnen tagen zu wenig MR haben, solange ich an anderen zu viel habe.

daraus folgere ich: es ist okay auch mehr geld zu schöpfen als ich reserve habe, da ich im nachhinein noch MR ausgleichen kann...sollte dies nicht der fall sein, muss es irgendwo noch eine andere regelung geben oder ich verstehe etwas falsch!?

* "Die Mindestreserveguthaben auf den Girokonten der Kreditinstitute können frei um das Mindestreserve-Soll schwanken, doch müssen in der Gesamtbetrachtung der Erfüllungsperiode die durchschnittlichen Guthaben auf den Girokonten mindestens dem Reserve-Soll entsprechen." (Aus "Die Geldpolitik der EZB")


Antwort
Zitat
spliffstar11
Beigetreten: 09.02.2009
Elite Grinder

Ich finde es sehr erstaunlich daß es über eine so einfache und gleichzeitig so wichtige Sache eine so lange Diskussion gibt.

Man sollte doch eigentlich annehmen daß man das irgendwo nachschauen kann und den Sachverhalt eindeutig klären kann.

Werde die Diskussion gespannt weiter verfolgen.


Antwort
Zitat
callmethenuts
Beigetreten: 15.08.2008
Elite Grinder

Ein interessantes Video zum Thema.


Antwort
Zitat
tomte999
Beigetreten: 21.02.2007
BlackMember

@knuddelhundi: und jetz argumentier mit den von dir praesentierten daten, wieso meine position nicht stimmt und deine schon.
kleiner tipp: g+v und bilanz werden dir hier vmtl nicht weiterhelfen, weil die sowohl im einklang mit meiner wie mit deiner theorie steht.
Nochmals: ich verneine nicht die tatsache dass zu bestimmten zeiten, z.B. zum bilanzstichtag die reserven im einklang mit der mindestreservehaltung sein muessen.
ich verneine, dass sie es zu jedem zeitpunkt des jahres so ist. dafuer braeuchtest du wohl interne bankdaten. wenn man die bekommt, gibt es zwei moeglichkeiten:

- die mindestreservehaltung ist nicht zu jedem zeitpunkt erfuellt. dann is deine theorie widerlegt, waehrend meine theorie im einklang mit dieser tatsache ist.

- die mindestreservehaltung ist zu jedem zeitpunkt erfuellt. dann ist sowohl deine als auch meine theorie im einklang mit den daten. wie gesagt, meine theorie sagt nicht dass banken unendlich kredite erschaffen werden, sondern nur so viele wie es profitabel erscheint. es ist durchaus denkbar, dass eine bank konstant den mindestreservesatz beibehaelt, zumindest in den usa muessen sie es aber nicht machen, sondern nur ueber einen 6woechigen zeitraum im mittel die benoetigten mindestreserven haben.
kanada usw. haben eingesehen, dass reservenhaltung absolut nix fuer die sicherheit einer bank beitraegt, sodass sie jetz keine reservenhaltung mehr verlangen.

- was ich aber vor allem verneine, ist, dass reserven ein einschraenkender faktor fuer kreditvergabe sind. selbst wenn zentralbanken von den banken verlangen wuerden, am ende jeden tages mit den mindestreserven im einklang zu stehen, waer das keine widerlegung meiner theorie: das einzige was ich sage is dass die kausalitaet von kreditvergabe zu reserven geht. wenn eine bank eine million an kredite vergeben will, dann kann sie das machen ohne auf ihre reserven zu schauen, weil sie weiss, dass sie immer zur zentralbank gehen kann um reserven zu bekommen und die zentralbank unter normalen umstaenden immer den bedarf nach reserven akkomodieren wird.
was du also wirklich tun muesstest um meine these zu widerlegen oder deine zu unterlegen ist es, zu zeigen dass die tatsaechliche praxis von zentralbanken es ist, dass sie sagen "heute kreieren wir XXX $ reserven", und wenn banken XXX + YYY wollen, dann haben sie pech. ich habe unten einen link eingefuegt, der genau das fuer meine position macht: einige zitate von zentralbankakteuren, die genau diese akkomodierende funktionsweise der zentralbanken beschreiben, mitsamt links zu den arbeiten oder reden, wo sie diese aussagen gemacht haben.

@jotha, kahless:
linus hat euren fehler ja schon aufgezeigt: reserven sind ein asset der bank (eine verbindlichkeit der zentralbank), und haben nichts mit eigenkapital zu tun.
eigenkapital ist tatsaechlich ein einschraenkender faktor fuer kredite, im gegensatz zu reserven. je groesser das verhaeltnis kredite/eigenkapital, desto wahrscheinlicher ist es dass bei groesseren kreditausfaellen die bank in schwierigkeiten kommen kann. wenn die bank eine liquditaetskrise (zu wenig reserven) hat, dann sollte ihr die zentralbank immer helfen, bei einer solvenzkrise (zu viele schlechte kredite) eher nicht.

@Linus
hab den link schon einmal geposted, einige zitate von zentralbankakteuren und am ende ein link zu nem paper der ezb, das diskutiert wieso sich die "reserve position doctrine" (also quasi der geldschoepfungsmultiplikator) so lange halten konnte, vll hast du ja lust dich durch das paper durchzuarbeiten ;)

http://rwer.wordpress.com/2012/01/26/central-bankers-were-all-post-keynesians-now/


Antwort
Zitat
LinusCaldwell
Beigetreten: 26.09.2007
Oldschool Grinder

danke für den link, hatte ich wohl irgendwie überlesen. werde mir das in der kommenden woche mal zu gemüte führen.

noch als ergänzug, ich habe es weiter oben schon erwähnt:
in europa ist es ähnlich wie in den usa. das mindestreserve-soll muss nur im durchschnitt einer meist 28-tägigen mindestreserveerfüllungsperiode eingehalten werden. die MR kann also teilweise unter dem soll liegen, solange man im durchschnitt das soll erreicht.

hier die erfüllungsperioden: http://www.ecb.int/press/pr/date/2011/html/pr110520.de.html

hier die quelle zu der info (S.112): http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/EZB_Publikationen/2011/2011_05_06_geldpolitik_ezb.pdf?__blob=publicationFile


Antwort
Zitat
soschautsaus
Beigetreten: 14.03.2008
PokerStrategist
tomte999
Beigetreten: 21.02.2007
BlackMember

geht ich fast komplett d'accord mit dem video,

ein punkt lediglich
- dass banken depositen annehmen um ihre bilanzen auszubalanzieren is schwachsinn. da erklaert er lang und breit dass kreditaufnahme eine zweiseitige bilanzverlaengerung (also asset + liability) und vergisst dann paar minuten spaeter, dass das bei depositen auch der fall sein muss (oder zumindest klingt es so)
bankbilanzen sind auch perfekt ausbalanziert wenn depositen = 0 sind. wenn die depositen ansteigen dann muss zwingenderweise auch auf der asset seite etwas ansteigen, entweder kredite (so wie er es erklaert hat), oder reserven, oder, bei bareinlagen, papiergeld.

bei nem zweiten punkt, wo er am anfang davon redet dass time deposits recyclet werden, kommts drauf an wie er das meint, bin auf jeden fall ueber die ausdrucksweise ungluecklich.


Antwort
Zitat
knuddelhundi
Beigetreten: 26.09.2007
Elite Grinder

Original von soschautsaus
Vortrag von Josh Ryan-Collins über sein Buch "Where does money come from", das er zusammen mit Richard A. Werner und Tony Greenham publiziert hat:

-Myth number 1: Banks are intermediaries
-Myth number 2: bank's credit creation is limited by Central bank reserves - the "money multiplier"
- "Warum zahlen Banken Guthabenzinsen, wenn sie Geld aus dem Nichts schaffen können?"
-Myth number 3: Bank of England can directly affect credit creation through changing interest rates
-Myth number 4: Credit allocation is demand driven
-Myth number 5: banks (the market?) know what's best for the economy
-Myth number 6: If we start controlling credit, we'll be communists!

"It proved extraordinarily difficult for economists to recognize that bank loans and bank investments do create deposits"

Joseph Alois Schumpeter (Geschichte der ökonomischen Analyse)

@tomte

sry, ich hab im Moment nicht soviel Zeit mich hier inhaltlich noch weiter zu vertiefen.

Der Punkt in dem Video den du ansprichst finde ich auch etwas merkwürdig.

Er sagt dass Banken Deposits nicht brauchen um Kredite zu vergeben sondern um die Bilanz auszugleichen (loans+reserves=deposits grob gesagt).

Letztendlich bedeutet dieser Bilanzausgleich dann doch dass die Banken auf Einlagen angewiesen sind um Kredite zu vergeben. Und zwar genau im Verhältnis 1:1 (equity/interbankenhandel mal außen vor).

D.h. die Bank gibt dass Geld aus den Einlagen in dem Sinne nicht weiter sondern gleicht damit ihre durch das neu geschaffene Geld veränderte Bilanz aus.

Den Rest lese/schaue ich später, der Punkt war mir erst mal wichtig weil er in meinen Augen gegen die quasi bedingungslose Geldschöpfung spricht.

da erklaert er lang und breit dass kreditaufnahme eine zweiseitige bilanzverlaengerung (also asset + liability) und vergisst dann paar minuten spaeter, dass das bei depositen auch der fall sein muss (oder zumindest klingt es so)bankbilanzen sind auch perfekt ausbalanziert wenn depositen = 0 sind.

Wie können sie perfekt ausbalanciert sein wenn die Deposits 0 sind? Ist das nicht nur ein theoretischer Fall?


Antwort
Zitat
tomte999
Beigetreten: 21.02.2007
BlackMember

@knuddelhundi:

zu deinem ersten punkt:
ja, koennte man so interpretieren seine aussage, ich glaub aber nicht dass das wirklich seine meinung widerspiegelt.
schade dass er so wenig ueber die zentralbank sagt, aber ich glaub er wuerde da meiner meinung sein, dass, da reserven fuer den interbankenhandel benoetigt werden (was er ja explizit erwaehnt, die zb sie immer bereitstellen wird und dementsprechen nicht durch depositen eingeschraenkt ist.

und wie gesagt: neue kredite bringen die bilanz nicht in ungleichgewicht (zumindest nicht im sinne von assets > oder < liabilities), da sowohl ein asset als auch eine liability entsteht. dasselbe is bei einer kundeneinlage der fall.

zu deinem zweiten punkt:
ja, is wohl mehr ein theoretischer fall, da kundendepositen nahezu immer billiger sind als der wholesale market, was er ja in dem video auch erwaehnt. aber das bedeutet, dass kundendepositen aus wirtschaftlichkeitsgruenden aquiriert werden und nicht als absolute bedingung fuer weitere kreditvergabe.

video enthaelt ubrigens auch einen graphen, der zeigt wie reserven und neues bankgeld in absolut gegensaetzliche richtung gehen seit der krise, was sich wunderbar mit endogenous money erklaeren laesst: banken sehen weniger profitable investitionsprojekte, wollen weniger investieren, und stehen auf ihrer asset seite wegen fauler kredite unter druck und wollen daher in liquide positionen kommen, um ihre verbindlichkeiten bedienen zu koennen. deshalb weniger kreditvergabe, mehr reservenausleihen.


Antwort
Zitat
Korn
Beigetreten: 14.01.2005
Elite Grinder
Spoiler

Original von Korn
Eine Bank kann nicht im wörtlichen Sinne Geld "erschaffen". Es ist nicht so, dass jemand 100 Euro bar zur Bank bringt, und die Bank dann daraus 500 oder gar 1000 Euro "machen" und diese dann investieren oder verleihen kann, insbesondere dann nicht wenn diese 1000 Euro wirklich ausgegeben werden sollen.

"Geldschöpfung" funktioniert vielmehr wie folgt:
1) Hans bringt 100 Euro zur Bank und zahlt sie auf ein Konto ein. Er hat dann 100 Euro Guthaben.
2) Die Bank kann nun maximal (100 - Reservesatz) Geld als Kredit geben. Sagen wie sie vergibt 90 Euro an Peter, der bei der gleichen Bank Kunde ist.
3) Peter hat nun 90 Euro auf dem Konto, Hans hat 100 Euro auf dem Konto. Auf einmal sind 190 Euro Geld da, die Bank hat also 90 Euro Geld "geschöpft", hat dieses aber nicht selbst zur Verfügung.
4) Insbesondere hat die Bank selbst nur noch 10 Euro liquide, und diese kann sie eben nicht mehr beliebig investieren, da sie zur Reserve gehören
5) Gleichzeitig käme die Bank in große Schwierigkeiten, wenn Hans seine 100 Euro abheben möchte, da sie nur noch 10 Euro zur Verfügung hat. (In der Praxis wird dies natürlich im Sinne des Gesetzes der Großen Zahlen als Risiko reduziert)

Aus der o.g. Dynamik entsteht maximal eine Geldmenge von 100/Reservesatz, wäre der Reservesatz z.B. 10%, wäre die (elektronische) Geldmenge maximal 1000 Euro welche aber der Bank selbst eben nicht zur Verfügung stehen und selbst den einzelnen Leuten nicht wirklich zur Verfügung stehen, da die Bank gar nicht die nötigen Reserven hat, falls die Leute nun tatsächlich auf ihr Geld zugreifen wollen. (genau deshalb ist ja das Finanzsystem prinzipiell fragil)

Was wäre nun, wenn die Bank "sich selbst" einen Kredit gibt? Sagen wir eine Bank hat selbst 100 Euro Kapital, und gründet eine Firma namens Invest und eine weitere Firma namens Exploit. Die Bank gibt invest einen Kredit von 90 Euro und behält 10 als Reserve. Invest zahlt die 90 Euro an Exploit. Exploit zahlt die 90 Euro bei der Bank ein. Die Bank gibt Invest einen zusätzlichen Kredit von 90 Euro minus 10% Reserve, also 81 Euro. Invest zahlt die 81 Euro an Exploit. Exploit zahtl sie bei der Bank ein. usw usf.

Am Ende hat:
- Invest ein Guthaben bei der Bank von 90 + 81 + .... = 1000 Euro
- Die Bank insgesamt 10 + 9 + ... = 100 Euro als Sicherheit hinterlegt (ihr gesamtes Kapital)
- Exploit Schulden von 1000 Euro bei Invest.
- Da alle Firmen der Bank gehören spielen Zinsen effektiv keine Rolle.

In der Tat sind nun aus 100 Euro insgesamt 1000 Euro "geworden". Nun könnte ja Invest mit den 1000 Euro Staatsanleihen kaufen, die sagen wir mit 2% verzinst sind ohne großes Risiko. Da Invest als Firma der Bank gehört, würde die Bank ja dadurch effektiv 20% Redite auf ihr Kapital von nur 100 Euro machen - totsicheres Geschäftsmodell mit der Lizenz zum Geldrucken.

Funktioniert aber nicht! Denn sobald Invest Geld an jemand anderes zahlt (zum Kauf der Staatsanleihen) hätte die Bank keine Reserve mehr - denn diese sind ja nur die 100 Euro. D.h. auch die o.g. Konstruktion kann für maximal 100 Euro irgendwo investieren - genau für das Geld, was die Bank eh als Kapital schon hatte.

Ich komme nochmal auf mein o.g. Beispiel zurück. Hier kann die Bank zwar aus 100 Euro insgesamt 1000 Euro schöpfen, sie kann aber niemals mehr als 100 Euro davon auch wirklich ausgeben oder auszahlen. Die 1000 Euro Guthaben auf dem Konto bringen einem nichts wenn man diese nicht investieren kann bzw der Kreditnehmer sie nicht abrufen kann.

In der Praxis kommen - auf Basis meines Beispiels oben im Spoiler - die 1000 Euro wohl eher dadurch zustande, dass Person A sich bei der Bank einen Kredit unter 100 Euro holt, damit etwas kauft bei Person B, Person B das Geld bei der Bank einzahlt. Die Bank Person C davon einen Kredit gibt. Person C damit was bei Person D kauft. Person D es dann bei der Bank einzahlt, usw usf. Bei jedem Schritt behält die Bank eine Reserve ein.

Der Vorteil dieses Systems ist, dass mehr Leute Zugriff auf Kredite haben und diese deutlich günstiger sind als bei einem System welches kein fractional reserve banking erlaubt. (In so einem System müsste ich der Bank Geld dafür zahlen (im Sinne von Lagergebühr), damit ich es dort unterbringen "darf" und würde auch nichts dafür bekommen)


Antwort
Zitat
Djax
Beigetreten: 19.08.2006
Oldschool Grinder

Original von Korn
Ich komme nochmal auf mein o.g. Beispiel zurück. Hier kann die Bank zwar aus 100 Euro insgesamt 1000 Euro schöpfen, sie kann aber niemals mehr als 100 Euro davon auch wirklich ausgeben oder auszahlen. Die 1000 Euro Guthaben auf dem Konto bringen einem nichts wenn man diese nicht investieren kann bzw der Kreditnehmer sie nicht abrufen kann.

In der Praxis kommen - auf Basis meines Beispiels oben im Spoiler - die 1000 Euro wohl eher dadurch zustande, dass Person A sich bei der Bank einen Kredit unter 100 Euro holt, damit etwas kauft bei Person B, Person B das Geld bei der Bank einzahlt. Die Bank Person C davon einen Kredit gibt. Person C damit was bei Person D kauft. Person D es dann bei der Bank einzahlt, usw usf. Bei jedem Schritt behält die Bank eine Reserve ein.

Der Vorteil dieses Systems ist, dass mehr Leute Zugriff auf Kredite haben und diese deutlich günstiger sind als bei einem System welches kein fractional reserve banking erlaubt. (In so einem System müsste ich der Bank Geld dafür zahlen (im Sinne von Lagergebühr), damit ich es dort unterbringen "darf" und würde auch nichts dafür bekommen)

Das nennt sich multiple Giralgeldschöpfung.
Davon unabhängig ist aber z.B. dein Beispiel mit den Staatsanleihen.
Eine Bank die sagen wir für 1000 Mio Staatsanleihen erwirbt und 100 Mio Eigenkapital, also Barreserven hat und keinerlei Einlagen kann dies trotzdem tun, da sie die Staatsanleihen, welche Zentralbankfähig sind, bei der Zentralbank in Liquidität also Zentralbankgeld wandeln kann. Will der Staat nun die 1000 Mio Cash könnte die Bank dieses nicht liefern, da sie nicht soviel Liquidität hat. Diese besorgt sie sich bei der ZB und kann dann Cash liefern. Das ist aber ein Extrembeispiel ohne Einlagen und mit nur Liquiditätsabfluss.


Antwort
Zitat
Korn
Beigetreten: 14.01.2005
Elite Grinder

Original von Djax
Davon unabhängig ist aber z.B. dein Beispiel mit den Staatsanleihen.
Eine Bank die sagen wir für 1000 Mio Staatsanleihen erwirbt und 100 Mio Eigenkapital, also Barreserven hat und keinerlei Einlagen kann dies trotzdem tun, da sie die Staatsanleihen, welche Zentralbankfähig sind, bei der Zentralbank in Liquidität also Zentralbankgeld wandeln kann. Will der Staat nun die 1000 Mio Cash könnte die Bank dieses nicht liefern, da sie nicht soviel Liquidität hat. Diese besorgt sie sich bei der ZB und kann dann Cash liefern. Das ist aber ein Extrembeispiel ohne Einlagen und mit nur Liquiditätsabfluss.

Jo, aber dafür zahlt sie dann ja wieder Zinsen an die Zentralbank, usw usf.

Worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass es keinen "Hack" für Banken gibt, mit denen sie easy zum eigenen Vorteil aus wenig Geld viel Geld für sich selbst machen können. Viele Leute glauen ja, dies sei mit Geldschöpfung möglich.


Antwort
Zitat
Djax
Beigetreten: 19.08.2006
Oldschool Grinder

Original von Korn
Jo, aber dafür zahlt sie dann ja wieder Zinsen an die Zentralbank, usw usf.

Worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass es keinen "Hack" für Banken gibt, mit denen sie easy zum eigenen Vorteil aus wenig Geld viel Geld für sich selbst machen können. Viele Leute glauen ja, dies sei mit Geldschöpfung möglich.

Für sich selber nicht. Aber für Andere. In meinem obigen Beispiel wurden 1000 Mio geschöpft. Die gab es davor nicht und die gibt es solange bis der Kredit getilgt wurde. Da in der Praxis auch Gelder zu der Bank zufließen und das verrechnet wird, werden sie auch Geld "übrig" haben um dies anderweitig zu verwenden.


Antwort
Zitat
knuddelhundi
Beigetreten: 26.09.2007
Elite Grinder

Da in der Praxis auch Gelder zu der Bank zufließen und das verrechnet wird, werden sie auch Geld "übrig" haben um dies anderweitig zu verwenden.

Und für das Geld welches zufließt zahlen sie doch auch wieder Zinsen oder?


Antwort
Zitat
Djax
Beigetreten: 19.08.2006
Oldschool Grinder

Original von knuddelhundi

Da in der Praxis auch Gelder zu der Bank zufließen und das verrechnet wird, werden sie auch Geld "übrig" haben um dies anderweitig zu verwenden.

Und für das Geld welches zufließt zahlen sie doch auch wieder Zinsen oder?

Auf was willst du hinaus?


Antwort
Zitat
knuddelhundi
Beigetreten: 26.09.2007
Elite Grinder

Original von Djax

Original von knuddelhundi

Da in der Praxis auch Gelder zu der Bank zufließen und das verrechnet wird, werden sie auch Geld "übrig" haben um dies anderweitig zu verwenden.

Und für das Geld welches zufließt zahlen sie doch auch wieder Zinsen oder?

Auf was willst du hinaus?

Dass eine Bank immer Einlagen braucht (für die sie Zinsen zahlt) um Kredite und somit Geld zu schaffen ..


Antwort
Zitat
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