Original von Tornano
Und die Geldmenge M0 ist in der Realität definitiv nicht ausschließlich durch Kreditvergabe entstanden.
Wurde vorher bereits Geld durch einen anderen Mechanismus geschöpft, kann der letzte Kredit getilgt werden. Der Zinsgewinn der Zentralbank wird an das Finanzministerium überwiesen und alle Akteure sind ausgeglichen.
Original von HajaObaUnta
Sag mir doch mal bitte was an diesem Video nicht stimmt.
Spoiler
Wäre zu langwierig, stimmt denn in dem Video irgendetwas?
Ich habe auch jahrelang nach der Lösung zu diesem Problem gesucht und wenn ich dich richtig verstehe wird das Problem von den Ausführungen hier auch nicht beantwortet. Im Kreditgeldsystem können Kredit+Zinsen nur getilgt werden wenn sich jemand anderes verschuldet und dadurch weiteres Geld erschaffen wird mit dem eben der erste Kredit+Zinsen beglichen wird. [...]
Was die Diskussion zum Zins soll verstehe ich nicht. Kein Kredit ohne Zinsen, wenn sich jemand Geld leihen will muss er mehr zurückbezahlen, sonst gibt es keinen Grund ihm das Geld zu überlassen. Menschen wollen sich Geld leihen, also gibt es auch Zinsen.
[...]
(Tornanos Aussage ist meines Wissens nach falsch)
Die Markierung (fett) ist von mir. Der markierte Satz trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut. Tornanos Behauptung mit dem geschlossenen System ist leider nicht haltbar, da es hier noch den Faktor Zeit gibt und selbst wenn die Produzenten und Konsumenten in einer Wirtschaft gleichzeitig Anteilseigner der Bank sind, würde es nicht reibungslos funktionieren. Einfach das Ganze mal Schritt für Schritt chronologisch durchspielen, dann wird offensichtlich, dass die Tatsache, dass in t0 investiert und erst in t1 konsumiert wird ein Problem für das Argument ist. Wurde alles schonmal in dem "Zusammenbruch des Wirtschafts-/Finanzsystems? " Thread diskutiert.
Wir leben in einem Schuldgeldsystem. Jegliches Geld ist ein Kredit, also Schuld. Auch M0 besteht zu 100% aus Schulden. M0 unterscheidet sich nur von anderen Geldmengen (v.a. Sichteinlagen) dadurch, dass es Schulden innerhalb der Zentralbankbilanz sind und nicht der Bankbilanzen. Im Gegensatz zur Geschäftsbank kann die Zentralbank beliebig Geld erschaffen (also im weitesten Sinne "Schulden machen"). Aus dem Nichts kann aber auch die Geschäftsbank Geld erschaffen.
Original von Tornano
Und die Geldmenge M0 ist in der Realität definitiv nicht ausschließlich durch Kreditvergabe entstanden.
Wurde vorher bereits Geld durch einen anderen Mechanismus geschöpft, kann der letzte Kredit getilgt werden. Der Zinsgewinn der Zentralbank wird an das Finanzministerium überwiesen und alle Akteure sind ausgeglichen.
Original von HajaObaUnta
Sag mir doch mal bitte was an diesem Video nicht stimmt.
Spoiler
Wäre zu langwierig, stimmt denn in dem Video irgendetwas?
Würde nicht sagen, dass dieses Video Unwahrheiten verbreitet. Es nimmt eben die Haltung ein, freies Marktgeld sei besser als das heutige Geldsystem. Die Kritik am heutigen System ist schon berechtigt, aber in dem Video werden einfach Behauptung aneinandergereiht, die sich aktuell weder belegen, noch widerlegen lassen. Ich halte das aktuelle System auch für extrem unausgereift, aber dennoch dem freien Marktgeld weit überlegen. Ich kann mich mit der Vollgeldidee schon eher anfreunden. Ob Vollgeld aber besser als das heutige System ist, kann ich dir nicht beantworten; und wohl auch sonst niemand. Man müsste es denke ich ausprobieren
Original von DrStrothmann
Grundsätzlich philosophiere ich nicht über die Sinn- oder Unsinnhaftigkeit des Systems.
Du bist also lieber ein Rädchen im System, als Energie aufzuwenden um dieses zu hinterfragen. Der Stolz durch die Karriere untergräbt die Schwachstellen und lässt Fehlerhaftigkeit leicht verdrängen.
Jedoch gibt es immer mehr Bankangestellte, Profs, Experten, Studenten usw., die mit dem bestehenden System nicht mehr so einverstanden sind und offen für neue Gedanken sind. Zumindest sollte dir das im Kopf herumschlummern.
Original von DrStrothmann
Grundsätzlich philosophiere ich nicht über die Sinn- oder Unsinnhaftigkeit des Systems.
Du bist also lieber ein Rädchen im System, als Energie aufzuwenden um dieses zu hinterfragen. Der Stolz durch die Karriere untergräbt die Schwachstellen und lässt Fehlerhaftigkeit leicht verdrängen.
Jedoch gibt es immer mehr Bankangestellte, Profs, Experten, Studenten usw., die mit dem bestehenden System nicht mehr so einverstanden sind und offen für neue Gedanken sind. Zumindest sollte dir das im Kopf herumschlummern.
Zum Glück kann jeder für sich entscheiden, über was er sich Gedanken macht und über was nicht. Wenn du die Zeit und Muse hast, dir den Kopf über Dinge zu zerbrechen, dann tue es doch einfach. Aber lass andere zufrieden, die sich eben nicht damit beschäftigen. Wenn ich mir über alles, was Profs, Experten und so weiter hinterfragen in diversen Teilbereichen der VWL, dann würde ich nichts - definitiv gar nichts - anderes mehr machen als das. Fraglich ist, wovon ich dann leben soll? Karriere? Wer sagt denn das ich Karriere gemacht habe? Und überhaupt, ist man ein Rädchen in einem "System" nur weil man nicht in einem Pokerforum anprangert und das berühmte "Ich bin dagegen" Schild auspackt?
Weis nicht, aber das ist alles definitiv Philosophiebereich, nicht WiFi!
Eigentlich will ich ja nicht auf so Rumgetrolle nicht antworten, aber es gibt wie gesagt Leute, die BWL, VWL studieren und sich fragen, warum sich nicht gut anfühlt und die sich fragen, ob das so richtig ist.
Lies dir einfach nochmal den Titel des Threads durch "Fluch oder Segen" und den ersten Beitrag von Angeli09.
Also wenn du dich dafür überhaupt nicht interessierst, warum postest du dann überhaupt in dem Thread? (Ich mag diesen Smiley, weil er eine gewisse Arroganz mit sich bringt, aber wenigstens bin ich mir dessen bewusst. )
Die Ökonomie ist ja keine Naturwissenschaft, sondern ideologisch gefärbt. Es werden Ereignisse außen vorgelassen, trivialisiert, Modelle aufgebaut. Deswegen fragen sich ja auch Einige, ob es überhaupt Nobelpreise dafür geben sollte.
Aber interessant, dass du Ökonomie und Philosophie komplett trennst, als ob man das nicht zusammen denken kann. Ich denke das muss man aber. Denn es gibt so viele Modelle, Ansichten, Strömungen, die irgendwie nicht mehr aufhören wollen. Deshalb ist es das Wichtige, den Grundkern, die Essen von allem in sich aufzuspüren, um die entsprechenden Ableitungen daraus neu zu entwickeln. Ansonsten landet man in der dissipativen Struktur des Totalitarismus, wo man nicht mehr rauskommt, so wie es bei dir passiert ist.
OP hat die Frage gestellt, die habe ich beantwortet. Daraus ergibt sich für mich immer noch kein Sinn in deinem Sinne und nach deinem Wunsch hier zu agieren.
Wenn für dich ein Smiley Aroganz impliziert, kann ich es nicht ändern. Das ist nun einmal subjektive Wahrnehmung.
Wenn einige BWLer oder VWLer über Sinn und Unsinn bestimter Theorien und Modellwelten sprechen wollen, sollen sie es tun. Warum muss dann jeder andere BWLer oder VWLer mit diskutieren? Op hat Fragen gestellt im Verlaufe des Threads, die wurden beantwortet. Wenn dir die Antworten nicht passen, muss ich doch nicht gleich in eine Ecke von dir gedrückt werden. Erstens kennst du mich nicht und zweitens verlässt du gerne die Sachebene. Mir dann auch noch Trolling vor zu werfen ist dann im Endeffekt die Krönung des Ganzen. Ich will nicht mit dir über deine Philosophien diskutieren. Wenn OP Fragen hat, wird er sie beantwortet bekommen. So einfach ist das.
Gern kannst du aber im Philosophiebereich einen Thread eröffenen und anfangen über all die verschiedenen Ansätze zu philosophieren.
Original von HijackerStar
Das von dir genannte "Falschgeldsystem", was auch immer daran staatlich sein soll, ist ein Wirtschaftssystem, dass Wachstum benötigt, um zu funktionieren.
Gibt es keinen Wachstum, zerquetscht das System ihre Teilnehmer wie eine Anakonda.
Es ist also wenig sinnvoll, daran festzuhalten, wenn man keinen Wachstum mehr zum Ziel hat.
Andererseits ist ein auf Stagnation ausgelegtes Weltwirtschaftssystem außerordentlich schwer umsetzbar und zugleich moralisch mehr als fragwürdig.
Solange es ein Bevölkerungswachstum gibt weltweit, führt kaum ein Weg daran vorbei, die Wirtschaftsleistung der Welt zumindest proportional mitwachsen zu lassen. Und dafür benötigt es wieder ein wachstumsbegündstigendes Wirtschaftssystem, wie das, dass du so kritisierst Haja.
Ein freies System kann doch genauso wachsen, es orientiert sich eben an den Menschen. Wenn viele Waren nachgefragt werden, gibt es Wachstum, wenn nicht, eben nicht. Außerdem könnte man auch wirklich sparen. Das ist auch so ein Punkt, der im aktuellen System langsam echt perverse Züge annimmt. Der "Normalo" wird dadurch, dass die Inflation höher ist als die Zinsen, schleichend enteignet, während die Banken wie verrückt zocken und zur Not vom Steuerzahler aufgefangen werden.
Spoiler
Also, wenn das nicht krank ist, was dann? In diesem Geldsystem wird die Arbeiterklasse doch verarscht. Die gehobenen Schichten haben natürlich gute Anlageberater und was weiß ich nicht alles und können sich somit besser dagegen wappnen.
Warum wird denn auch nie einmal definiert was Geld ist, wie es sein sollte, wie es entsteht etc.? Das kann ja wohl kein Zufall sein, dass wir unsere Kinder in den staatlichen Schulen mit allerhand Müll vollstopfen, die sie kurze Zeit darauf sowieso wieder vergessen, aber solch essentielle Themen auslassen. Ich war auf einem Wirtschaftsgymi und hab davon auch nie etwas erfahren und meines Wissens nach ist das in einem Vwl-Studium auch nicht anders.
Staatlich ist das Geldsystem deshalb, weil die Staaten das Geldmonopol haben, entscheiden dürfen welches Geld benutzt wird und staatliche Zentralbanken dieses beliebig vermehrbare Geld aus dem Nichts erschaffen dürfen, den Preis des Geldes bzw. die Zinssätze einfach manipulieren dürfen, was immer zu Fehlallokationen führt und auch den Geschäftsbanken die Möglichkeit zu geben Geld aus dem Nichts zu erschaffen, indem diese bei einer Kreditgewährung einfach die Bilanz verlängern. Es entsteht Geld, das vorher niemand besaß und die Bank darf gleichzeitig dafür Zinsen kassieren. Außerdem wird es zum einzig gesetzlich zugelassenen Zahlungsmittel erklärt.
Wenn man sich doch nur die Tatsache vor Augen führt, dass wir kein Geld mehr hätten, wenn alles Schulden zurückgezahlt werden würden, sollte doch ausreichen um die (Un)Sinnhaftigkeit dieses Geldsystems aufzuzeigen.
Wenn man sich dann eben anschaut, dass sich sich die Güterproduktion der Industrieländer in den letzten 30 Jahren vervierfacht hat, während sich die Geld- und Kreditvolumen vervierzigfacht hat, dann muss einem doch irgendwie klar werden, dass das nicht allzu gesund sein kann. Dieses ganze Geld fließt natürlich in die Finanzmärkte und bildet dort Blasen, die früher oder später, zum Leid eines Großteils der Bevölkerung platzen.
Auch interessant ist natürlich, dass die meisten Staaten bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges, ein goldgedecktes Papiergeldsystem hatten. In solch einem System, besteht auch viel mehr Anreiz darin Kriege präventiv zu verhindern bzw. sie so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. Anders natürlich in einem ungedeckten Papiergeldsystem, in dem man einfach nachdrucken kann.
@Dr. Stohtmann: Gut, dann ist es falsch rübergekommen. Ist natürlich auch legitim, dass du nicht diskutieren willst, kann dich ja nicht dazu zwingen.
@LinusCaldwell: Du vertraust dem Markt ja auch beim Bauen von Autos und bei der Versorgung von Lebensmitteln. Welche Bedenken hast du da jetzt konkret?
@Dado: Danke, gute Beitäge.
Ich zitiere mich mal selbst aus einem anderen Thread, wo wir ähnliches bereits diskutiert hatten:
Nehmt doch das Beispiel der freien Geldordnung. Das wird nicht funktionieren solange es so etwas wie Steuern gibt, da der Staat sich zwangsläufig für 1-2 Gelder entscheiden muss. Es wird also nie echten Wettbewerb geben. Die für Steuern zugelassenen Gelder sind automatisch bevorteilt und Netzwerkexternalitäten werden dazu führen, dass wir am Ende genau diese 1-2 Gelder haben, die der Staat zulässt. Wir sind also nicht sehr viel weiter als heute. Übrigens sind heute schon Komplementärwährung nicht verboten (zumindest in der Schweiz weiss ich dass es so ist). Es steht jedem frei mit Bitcoins oder sonstigem zu zahlen. Aber es tut keiner, weil es keinen fairen Wettbewerb unter den Geldern gibt und auch nie geben kann.
Naja, ich strebe ja ein System ohne Steuern an. Da sich das aber in den nächsten Jahrzehnten nicht durchsetzen wird, macht das natürlich Sinn, was du da schreibst. Mal nur aus Neugierde, bist du Bge-Befürworter?
@ DrStrothmann:
Nicht umsonst bilden sich Ökonomen weiter, in dem sie sich mit Philosophie, Psychologie, Soziologie oder Geschichte beschäftigen. Wenn du dafür keine Zeit (Lust) hast, hat doch keiner ein Problem.
Wenn wir freiheitlich denken wollen, müssen wir uns tatsächlich Systeme ohne Steuern überlegen. Nicht umsonst gehen private Leute oder Firmen dahin, wo sie wenig Steuern bezahlen müssen. Der Markt lädt zur Hinterziehung ein.
Original von HajaObaUnta
Naja, ich strebe ja ein System ohne Steuern an. Da sich das aber in den nächsten Jahrzehnten nicht durchsetzen wird, macht das natürlich Sinn, was du da schreibst. Mal nur aus Neugierde, bist du Bge-Befürworter?
Ich lehne es zumindest nicht kategorisch ab. Finde es sehr schwer einzuschätzen, wie so etwas im Endeffekt ablaufen würde. Eine interessante und diskussionswürdige Idee ist es. Ich bin aber eher dafür, dass wir viel mehr in Bildung investieren; und zwar nicht auf Universitätslevel, sondern in Kindergärten und Schulen. Um nach der Schule so vielen Jugendlichen wie möglich eine faire Ausgangslage für das spätere Leben zu bieten. Danach ist dann jeder selbst für sich verantwortlich. Natürlich es sollte niemand verhungern müssen, aber es ist meiner Meinung nach nicht die Aufgabe des Staates in praktisch alle Lebensbereiche einzugreifen und jeden zweiten Euro auszugeben, wie es aktuell geschieht.
Ein System ohne Steuern kann ich mir nur schwer vorstellen, dazu habe ich in dem anderen Thread auch schon etwas geschrieben (ist evtl etwas aus dem Zusammenhang gerissen, ich hoffe es ist verständlich):
[...] stimme ich mit dir dahingehend überein, dass der Staat eine zu grosse und wichtige Rolle einnimmt. Kleinerer Staat: Ja. Ganz ohne Staat: Niemals.
Grund dafür: Marktversagen. Marktversagen führt genau zu dem Fall, den du mit deiner Idee der vollständigen Freiheit zu verhindern versuchst: Ineffizienz (es gibt übrigens einige Konzepte Effizienz zu messen, bspw. Pareto). Ein (harmloses) Beispiel für Marktversagen sind Monopole. Du fragst warum Monopole ein Problem sind? Ich finde die offensichtlichere Frage eher: Wieso sollten Monopole kein Problem darstellen? Güter werden rationiert und verteuert angeboten. Fortschritt wird behindert usw.
Original von LinusCaldwell
Ich bin aber eher dafür, dass wir viel mehr in Bildung investieren; und zwar nicht auf Universitätslevel, sondern in Kindergärten und Schulen. Um nach der Schule so vielen Jugendlichen wie möglich eine faire Ausgangslage für das spätere Leben zu bieten. Danach ist dann jeder selbst für sich verantwortlich.
Wie genau sieht diese Bildung in Schulen und Kindergärten aus deiner Meinung nach. Was soll da geschehen? Wie wird dann später diese faire Ausgangslage aussehen?
Ich glaube es wird allgemein unterschätzt, dass es viele Leute gibt, die sich niemals mit Parlamenten, Experten, vorgegebenen Strukturen identifizieren werden. Die werden dementsprechend das Programm nicht annehmen und keinerlei Energie hineingeben. Jetzt wird herrschaftlich versucht mittels künstlicher Geldpolitik alle gleichermaßen anzutreiben. Man muss keinen Kredit aufnehmen, aber Miete, Steuern, Gehalt geschieht alles mittels Euro.
Das wir nicht einfach flächendeckend großräumiug mit unterschiedlichem Geld herumprobieren können ist mir schon klar. Was aber auch im vorhinein klar ist, dass ein Euro, Dollar, Yen immer scheitern wird. Die Schulden sinken nie ab, sondern wachsen stetig an bis es irgendwann zu Schuldenschnitten kommt.
Jetzt mal ganz dumm gefragt: Ja, und? Dann kommt es halt zum Schuldenschnitt.
Was genau ist da jetzt schlimm dran?
Das funktioniert schon seit dem es Geld gibt.
PS: Will mich hier nicht zu tief einlassen in die Diskussion, aber die Frage interessiert mich einfach.
Ob das schlimm ist oder nicht soll Jeder selbst bewerten. Dazu müsste erstmal jeder Mensch wissen, dass der Staat niemals Schulden bezahlen kann, kein Land schuldenfrei sein kann. Es geht immer darum, dass die Schulden "auf einem erträglichen Niveau" gehalten werden. Was jetzt genau ein erträgliches Niveau sein soll und wer das bestimmt ist lediglich den Experten vorbehalten, nicht den normalen Menschen. Denn wann Schulden in welchem Ausmaß unter welchen Auflagen gestrichen werden, muss verhandelt werden. Wer wird mit wie viel beteiligt.. Wie sehen die Steuern oder die Auflagen aus, um das zu finanzieren? Warum leihen Länder anderen Ländern Geld, obwohl es rechtlich nicht vereinbart war.. Wie viele Verträge wurden gebrochen, gelogen usw..
Das machen dann die Leute, die von sich behaupten, dass sie wüssten wie es geht, nicht die Bevölkerung.
An sich ist das kein Problem für die Leute, die diese Seifenoper im TV und Zeitungen als interessant und signifikant empfinden.
Aber es gibt eben auch Leute, die damit nichts zu tun haben wollen, müssen sich aber dem System einordnen bzw. unterordnen. Die Ressentiments steigen und werden sich früher oder später schädlich herausbilden. Die bewegen sich politisch in die Extreme. Auch nach rechts außen wächst in Griechenland wie Frankreich oder Spanien an. Und die Verschuldung wächst systembedingt. Mit "Wachstum" und "Wettbewerbsfähigkeit" (allein die Wörter sind schon so falsch gewählt.) kann man langfristig gar nichts bewirken.
Original von LinusCaldwell
Ich bin aber eher dafür, dass wir viel mehr in Bildung investieren; und zwar nicht auf Universitätslevel, sondern in Kindergärten und Schulen. Um nach der Schule so vielen Jugendlichen wie möglich eine faire Ausgangslage für das spätere Leben zu bieten. Danach ist dann jeder selbst für sich verantwortlich.
Wie genau sieht diese Bildung in Schulen und Kindergärten aus deiner Meinung nach. Was soll da geschehen? Wie wird dann später diese faire Ausgangslage aussehen?
[...]
Mir geht es da in erster Linie um Hard Skills wie Lesen, Schreiben, Mathematik, Fremdsprachen, gerne auch Entrpreneurship, bzw. "financial intelligence". V.a. dann auch Förderung individueller Stärken, d.h. es soll nicht jeder "gleichgemacht" oder "auf Linie gebracht" werden, sondern aus jedem soll das Bestmögliche herausgeholt werden, so dass jeder später für sich selbst verantwortlich sein kann. Gerade im Bereich Finanzen sind doch viele Menschen absolute Analphabeten und kommen deswegen auch auf keinen grünen Zweig. Das ist aber in erster Linie nicht die Schuld des Geldsystems, sondern des fehlenden Wissens. Dass es dann systemische Prozess geben mag, die zu einer Verteilung von unten nach oben führen, bzw. ein per Definition fragiles Finanzsystem mit sich bringen, will ich gar nicht verneinen.
Aber gerade Zins- und Zinseszins (um mal wieder zurück zum Thema zu kommen) haben eine solche Innovationskraft freigesetzt in den letzten Jahrhunderten, dass selbst wenn alle 50-100 Jahre mal ein Schuldenschnitt oder eine Währungsreform kommt wir am Ende trotzdem besser da stehen als in anderen mir bekannten Systemen. Das einzige was mich an dieser Innovationskraft stört ist, dass sie auch eine Zerstörungskraft mit sich bringt (siehe Klimawandel, Raubbau an der Natur etc.). Genau hier braucht es dann den Staat und Steuern, um regulierend einzugreifen.
Ich habe auch jahrelang nach der Lösung zu diesem Problem gesucht und wenn ich dich richtig verstehe wird das Problem von den Ausführungen hier auch nicht beantwortet. Im Kreditgeldsystem können Kredit+Zinsen nur getilgt werden wenn sich jemand anderes verschuldet und dadurch weiteres Geld erschaffen wird mit dem eben der erste Kredit+Zinsen beglichen wird. [...]
Was die Diskussion zum Zins soll verstehe ich nicht. Kein Kredit ohne Zinsen, wenn sich jemand Geld leihen will muss er mehr zurückbezahlen, sonst gibt es keinen Grund ihm das Geld zu überlassen. Menschen wollen sich Geld leihen, also gibt es auch Zinsen.
[...]
(Tornanos Aussage ist meines Wissens nach falsch)
Die Markierung (fett) ist von mir. Der markierte Satz trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut. Tornanos Behauptung mit dem geschlossenen System ist leider nicht haltbar, da es hier noch den Faktor Zeit gibt und selbst wenn die Produzenten und Konsumenten in einer Wirtschaft gleichzeitig Anteilseigner der Bank sind, würde es nicht reibungslos funktionieren. Einfach das Ganze mal Schritt für Schritt chronologisch durchspielen, dann wird offensichtlich, dass die Tatsache, dass in t0 investiert und erst in t1 konsumiert wird ein Problem für das Argument ist. Wurde alles schonmal in dem "Zusammenbruch des Wirtschafts-/Finanzsystems? " Thread diskutiert.
Das ist würde ich so nicht sagen. In der Realität ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt Ende. Es geht darum, dass sich die einzelnen Vorgänge auf einem Niveau einpendeln.
Original von LinusCaldwell
[...] sondern aus jedem soll das Bestmögliche herausgeholt werden, so dass jeder später für sich selbst verantwortlich sein kann. [...]
Das ist eine sehr eigenartige Ausdrucksweise. Denn ich glaube die Verantwortung für sich selbst muss auch aus sich selbst heraus kommen. Sonst ist immer ein Teil der Verantwortung eines anderen Bestandteil der Eigenen. Das führt dann eher zu einer Ich-Schwäche. Das bedeutet ein anderer kann zwar etwas aus einem herausholen aber das ist nicht zwangsläufig das Optimum. Es kann lediglich die eigene Identität unter entsprechenden Rahmenbedingungen emergieren. Bei Manchen ist es optimal, wenn sie ein Leben lang irgendwelche Lehrer haben und sich in hierarchische Strukturen einordnen. Bei anderen ist es suboptimal.
Original von LinusCaldwell
Gerade im Bereich Finanzen sind doch viele Menschen absolute Analphabeten und kommen deswegen auch auf keinen grünen Zweig. Das ist aber in erster Linie nicht die Schuld des Geldsystems, sondern des fehlenden Wissens.
Reicht es aus Leute zu bilden, wenn diese zur Zeit "absolute Analphabeten" sind? Wie viel Bildung ginge dafür dann drauf? Vielleicht ist auch einfach die Systemarchitektur viel zu kompliziert gestaltet. Aber klar - bessere Bildung bei wichtigen Themen ist immer sinnvoll.
Original von LinusCaldwell
Aber gerade Zins- und Zinseszins (um mal wieder zurück zum Thema zu kommen)[...]
Das ist genau das, dass du überhaupt nicht verstanden hast, worüber ich rede, deswegen denkst du, dass ich über andere Themen spreche..
Original von LinusCaldwell
[...]haben eine solche Innovationskraft freigesetzt in den letzten Jahrhunderten, dass selbst wenn alle 50-100 Jahre mal ein Schuldenschnitt oder eine Währungsreform kommt wir am Ende trotzdem besser da stehen als in anderen mir bekannten Systemen. Das einzige was mich an dieser Innovationskraft stört ist, dass sie auch eine Zerstörungskraft mit sich bringt (siehe Klimawandel, Raubbau an der Natur etc.). Genau hier braucht es dann den Staat und Steuern, um regulierend einzugreifen.
Exakt. Huntergebrochen stellt der künstliche Zins eine gewaltige Kraft in sich dar. Für das 19. Jhd. und zuvor mag das vielleicht auch akzeptabel und respektabel sein (wer auch immer das wie bewerten will..), aber jetzt mit der Überproduktion irgendwelcher Waren oder auch Technologien, die die Möglichkeit haben die Menschheit bzw. den Planeten zu zerstören, sind wir nun das erste Mal wirklich gefragt, andere Möglichkeiten von Wirtschaft zu konzeptionieren, um dem gerecht zu werden was heute notwendig ist.
Ich will mich jetzt hier nicht in Diskussionen verstricken, in wie weit Verantwortung oder Talent, Fähigkeiten, Wissen etc. etwas Intrinsisches sein muss/kann oder nicht. Auch glaube ich, dass dies der falsche Ort (Thread) für grosse Systemdiskussionen ist. Soweit ich mich erinnere, haben wir ja an anderer Stelle schonmal über deine (bin mir nicht mehr sicher, ob du das warst oder jemand anderes) Vorstellung eines besseren Wirtschaftsystems gesprochen. Kannst ja gerne nochmal auf die Diskussion verweisen und wenn ich dazukomme kann ich da auch nochmal etwas dazu schreiben. Oder poste es nochmal neu, falls dich die Meinung der User hier interessiert. Für mich ist es meist ein Zeit- und Motivationsproblem mich in komplett neue und in Teilen sehr utopische Modell einzuarbeiten.
Ich will nochmal sagen, dass ich das Schuldgeldsystem mit seinem künstlichen Zins, welcher zu kurzfristiger Aktivierung führt nicht verteufele. Ich schätze 1/3 der Menschen findet das als das tollste System, was es gibt.
Man darf eben die anderen 1/3 nicht vergessen, die quasi im System gar nicht vorkommen, und die sich wiederum auch nicht dafür interessieren. Die haben aber ebenfalls ein Potenzial, welches zu entdecken gilt. Mit dieser Art von Geld/Zins funktioniert das nicht.
Ob es dafür utopische Modelle braucht weiß ich nicht. Das Thema wird auf jeden Fall nicht vergessen werden, denn die Gesamtschulden wachsen ja weiter.