Kann die Varianz mit der Late Reg verringert werden?
So spät wie möglich bei Turnieren einzusteigen, ist gut für den Stundenlohn, aber es birgt auch Risiken, da man mit einem niedrigen Stack loslegen muss...
Ich habe Spaß daran, über Strategien zur Verringerung der Varianz zu schreiben. Dazu gehörten bisher das Reduzieren der Einsätze im Vergleich zum Spielen weniger Tische, die Unterschiede in Bezug auf Auszahlungsstrukturen sowie die Erhöhung des Volumens und die Verringerung des Rake. Zusammen mit Dara O'Kearney haben wir uns auch schon mit den Varianzunterschieden zwischen Turnieren mit kleinen und großen Teilnehmerfeldern beschäftigt.
Dieses Mal wollte ich sehen, ob man mit dem Varianzrechner von PrimeDope die Auswirkungen einer Strategie darstellen kann, die auf maximal späte Anmeldung bei Turnieren basiert. Ich habe schon viel über die sogenannte Late Reg geschrieben und ein Vorteil ist, dass man einen sofortigen ICM-Boost auf seinen Einsatz erhält – natürlich abgesehen von Bounty-Turnieren. Oft kann man durch eine späte Registrierung einen Boost von 10 bis 20% bekommen. Da man weniger Zeit in jedem Turnier verbringt, bedeutet das auch, dass sich der Stundenlohn verbessert.
Der Nachteil einer späten Anmeldung ist, dass man zum Turniereinstieg weniger Big Blinds erhält als die Spieler, die von Anfang an dabei waren – dadurch sinkt natürlich die Edge. Es kann auch mental belastender werden, wenn man sich immer wieder schon kurz nach dem Turniereinstieg wieder verabschiedet. Subjektiv betrachtet gibt es immer wieder Phasen, in denen man sich für ein Turnier anmeldet und direkt wieder ausscheidet – dann beginnt das Spiel von vorne und man muss erneut die Segel streichen, ohne die Preisgeldränge erreicht zu haben.
Um das zu simulieren, muss man eine Menge Annahmen treffen, also habe ich Dara O'Kearney um Hilfe gebeten. Wir haben uns für einen Spieler entschieden, der bei Turnieren mit einem Buy-In von $10 und durchschnittlich 100 Teilnehmern auf einen ROI von 20% kommt. Gespielt werden 1.000 Turniere pro Jahr, die fast ausschließlich vom Start weg gegrindet werden. Die folgende Grafik bildet den durchschnittlichen Verlauf ab:
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Im besten Fall werden fast $6.000 Gewinn verbucht, im schlechtesten Fall steht ein Verlust von $1.000 zu Buche. Der durchschnittliche Gewinn nach 1.000 Turnieren liegt bei $2.051 und in 3,5% der Berechnungen wurden die 1.000 Turniere in den roten Zahlen beendet. Die notwendige Bankroll, um einen Totalverlust zu vermeiden, beträgt $1.349.
Um die maximale Late Reg zu simulieren, mussten wir zunächst die geringere Edge berücksichtigen, die daraus resultiert, dass man mit wenigen Big Blinds ins Turnier startet. Der Return on Investment liegt nun bei 14% anstatt den bisherigen 20% – der ICM-Boost beträgt ungefähr 20%. Setzt man den ROI von 14% und den Boost von 20% ins Verhältnis, kommt man auf eine Gewinnerwartung von 16,8%. Dank der späten Anmeldung steigt das Volumen aber deutlich: Dara geht davon aus, dass man sogar doppelt so viele Turniere spielen kann. Als Berechnungsgrundlage haben wir uns aber auf einen konservativen Ansatz geeignet und sind von einer Steigerung von 50% ausgegangen.
Im vorherigen Beispiel haben wir das Ergebnis für 1.000 Turnieren mit einem Buy-in von $10 und einem ROI von 20% gesehen. Nun folgt der durchschnittlichen Verlauf für einen Spieler, der pro Jahr 1.500 Turniere mit einem Einsatz von $10 absolviert und mit einem ROI von 16,8% unterwegs ist:
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Das Best-Case-Szenario ist deutlich besser und ein Gewinn von $8.000 wird verbucht. Im schlechtesten Fall liegt der Verlust allerdings bei $2.000. Der durchschnittliche Gewinn nach 1.500 Turnieren liegt bei $2.252 und die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts ist mit 2,9% niedriger als im ersten Beispiel. Die notwendige Bankroll, um einen Totalverlust zu vermeiden, beträgt $1.394 und ist damit leicht höher.
Nachdem ich mittlerweile einige dieser Varianz-Artikel verfasst habe, hatte ich eigentlich erwartet, dass eine späte Anmeldung eigentlich einen guten Weg darstellt, um die Varianz zu reduzieren. Da ich mich persönlich aber für alle Turniere mit Ausnahme von PKOs immer erst kurz vor dem Ende der späten Anmeldung registriere, habe ich irgendwo mit einem solchen Ergebnis gerechnet. Die Vorteile der Late Reg sind natürlich das deutlich höhere Volumen und der ICM-Boost, allerdings wird es Phasen geben, in denen man häufig sehr schnell wieder ausscheidet, ohne das Geld zu erreichen.
Letztendlich wird das erhöhte Volumen und der ICM-Boost die Varianz über eine ausreichend große Anzahl von Turnieren verringern. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass die Edge kleiner ist und es so zu Downswings und sehr rauen Phasen kommen kann.
Nutzt ihr die Late Reg bei Turnieren als Baseline? Wie fallen eure Erfahrungen damit aus? Wir freuen uns auf eure Kommentare!