Original von onese7en
Guter Einwand!
Hätte ich eigentlich auch gedacht... ist aber nicht so ♦
Ich habe das anfangs halt auch untersucht, aber die Regs scheinen ihre Steal-Size teilweise fast random zu wählen. Die Werte für die unterschiedlichen Steal-Sites wird in den 36% nicht viel abweichen, vor allem auch, da es ja wirklich wenige Ausreißer in der Statistik gibt.
Der Typ mit den 18% Steal minraist übrigens und der mit 41% macht 2,5bb. Von fünf Regs mit 38% Steal minraisen zwei und drei machen 2,5bb.
Das hat mich auch überrascht...
Mh, interessant aber doch verwunderlich. Dann ist meine Wahrnehmung evtl. einfach verzerrt.
Ich stelle mir nun die Frage, ob ...
a) die Samplesize zu klein ist
b) das ein limitspezifische Phänomen ist
c) oder meine Annahme hier einfach falsch ist.
Spielt aber in dem Fall wohl keine wirklich große Rolle, denn du hast das ja alles für ein spezielles Limit mit speziellen Tendenzen gemacht und dann deine Strategie genau darauf ausgelegt. Die Datenbank Analyse hat eben bestätigt, dass das in dem Fall die korrekte Vorgehensweise ist, weshalb deine Ranges dann sicherlich auch sinnvoll sind.
Evtl. muss man das dann später (nach Limitaufstieg, mit mehr Sample oder wenn sich das Spiel ein wenig ändert) nachjustieren aber als Momentaufnahme scheints doch optimal zu sein.
Original von onese7en
Internet hatte in einem Coaching mal erklärt, dass eine loosere Range nicht unbedingt ein Argument für eine kleinere OR-Size ist und eine tightere Range nicht unbedingt eine größere OR-Size als Konsequenz hat.
Bekomme die Begründung jetzt leider nicht mehr ganz auf die Kette, aber das hatte mich auch etwas umdenken lassen
Schade, die Begründung hätte mich interessiert. Aber ich kann mir zumindest denken, in welche Richtung das gehen könnte:
Ich vermute, dass die Aggressivität (oder im Allgemeinen das Verhalten) der Spieler nach uns bedeutend dazu beiträgt, wie hoch man stealt (oder raised im Allgemeinen).
Wenn wir beispielsweise Fische in den Blinds haben, dann raisen/stealen wir gelegentlich größer und mit einer weiteren Range, um den Pot aufzubauen und den Fisch IP zu isolieren.
-> Loosere Range mit höherem Betsizing
Das Gegenbeispiel wäre 'nen Maniac mit Position auf uns. Da werden wir i.d.R tighter und openraisen klein oder limpen auch mal mit unseren Premiums, weil man ihm die Möglichkeit fürn Monkeyspew nicht nehmen möchte.
-> Tightere Range mit kleinem Betsizing
Während ich in Einzelfällen also ganz gut mit diesen Abweichung leben kann, glaube ich trotzdem, dass im Normalfall ein kleiners Sizing auf eine loosere Range hindeutet (vor allem in Steal / Resteal Situationen)
Und der Meinung warst (bist?) du ja offensichtlich auch, wurdest nur von deiner Datenbank eines besseren belehrt
Original von onese7en
Das heißt aber, dass du die 2bb-Leute auch mehr auf 3bets defenden siehst, was ja eigentlich auch logisch wäre...
In der Praxis sieht das schon wieder etwas anders aus, die Leute haben wirklich tighte und vor allem starre Broke-Ranges. Ich zögere manchmal sogar mit AQs oder JJ, weil es eben genug Spieler gibt, die viel stealen, aber nur super tight broke gehen.
Obv haben die ein mega Foldto3bet-Leak am Button!
Aber dagegen erweitere ich halt lieber meine Bluffing-Range und belasse halt meine Value-Range gleich.
Daher hatte ich AJs und auch TT da erstmal noch in die Calling-Range gepackt. Sobald natürlich einer aggressiv stealt und auch genug auf 3bets defendet, kann man AJs und TT schon 3betten. Wenn ich die Hände 3bette, möchte ich aber nicht 3bet/folden, d.h. ich möchte da schon sicher sein, dass er genug defendet und ich von der Equity + FE gegen seine 4betting-Range insgesamt einen +EV-Spot hat.
Das ist ein Thema, mit dem ich mich gerade auseinandersetze.
Bislang hab' ich auch immer den Ansatz verfolgt, dass ich Preflop nur das 3bette, was ich auf auf eine 4bet ENTWEDER easy shoven ODER ohne schlechtes Gewissen folden kann. Und Hände, die nicht in die beiden Kategorien passen, werden einfach gecalled.
Aber was ist dann mit "Problemhänden" wie AJs, AQs/o, JJ, TT usw.? MÜSSEN wir sie immer passiv defenden, weil wir sie vs. 'ne 4bet im Prinzip in einen Bluff verwandeln und niemals ihre Equity realisieren?
Habe hierzu dann von einer anderen Coachingseite einen interessanten Denkansatz erhalten:
Stichwort "Equity rausfolden".
Folgendes Prinzip steckt dahinter:
Vergleicht man die Equity von beispielsweise AJs vs. 'ne Random-Hand, die der BU stealed:
MP2 61.75% AJs
MP3 38.25% 76s
76s gewinnt in 4 von 10 Fällen(!)
MP2 64.32% AJs
MP3 35.68% 54o
54o gewinnt in 3,5 von 10 Fällen(!)
MP2 50.53% AJs
MP3 49.47% 22
22 gewinnt in 5 von 10 Fällen(!)
Dann muss man sich hier ganz klar vor Augen halten, dass sogar Crap-Hände aus der Bottom-Range von BU noch SEHR viel Equity haben. D.h. OBWOHL wir hier mit AJs die Button-Range i.d.R. crushen, haben auch die schlechtesten Hände in seiner Range massiv Equity.
Und man beachte zusätzlich: Wir sind im BB OOP. Unsere Realisierungsfakter ist also geringer und wir folden Postflop regelmäßig die beste Hand!
Wenn wir nun also anfangen "Problemhände" wie AJs oder AQo zu 3betten statt zu callen und wir davon ausgehen, dass Villain o.g. Hände foldet, dann ist das ein super Ergebnis für unsere Hand und für unsere Range!
Sieh es mal so: Mit einer geringen Investition (3bet) bringst du 30% - 50% Equity zum folden! Überleg mal spontan, ob dir so eine Situation Postflop einfällt ...
Natürlich hassen wir es trotzdem, wenn wir mit TT / AQs 'ne 4bet kassieren und folden müssen. Aber das wird locker dadurch ausgeglichen, dass Villain sehr oft den "mathematischen" Fehler macht, und häufig Hände mit viel EQ falten muss.
Im Endeffekt unterteilt man seine 3Betting Range dann nicht nach dem klassichen System nach Value und Bluff, sondern eröffnet eine 3. Kategorie.
a) Mit AA, KK usw. spielst du 3bet / shove (Value)
b) mit den "blauen" Händen spielst 3bet / fold (Bluff)
c) mit AJs, AQo, TT usw. spielst 3bet und evaluierst je nach Gegnertyp. (EQ rausfolden)
Ein Bonus dabei ist, dass die Hände aus Kategorie c) auch Postflop sehr gut performen, wenn Villain doch mal 'nen loosen Call hinlegt oder sein 4bet-Sizing so klein ist, dass du callen kannst.
Aber wie gesagt, ich habe erst angefangen mich mit dem Thema auseinander zu setzen. Das Konzept mit EQ Preflop rausfolden finde ich zumindest sehr interessant.