Die Verwendung von Stats
Wie bekanntlich vielen bekannt ist, ist Poker ein Spiel mit unbekannten Informationen. Informationen über die eigene Hand, die Boardstruktur und vor allem über den Gegner und dessen Hand sind wichtige Eckpunkte für ein erfolgreiches Spiel.
Informationen können auf unterschiedlichste Weise gesammelt werden. Sei es aufgrund von bereits gespielten Händen gegen den Gegner oder von Erfahrungen von Freunden oder einfach dem allgemeinem optischen Eindruck des Gegners und Tells von ihm.
Solche Informationen können besonders gut bei Live-Spielen gesammelt werden, da man hier nur einen Tisch spielt und sich auch auf diesen konzentriert und dabei so viele Informationen wie möglich verwertet. Dabei ist es allerdings auch schon schwer genau zu sagen, wie hoch VPiP oder PFR sind, da man nicht jeden Pot mitzählt und den genauen Verlauf (mit Chipständen, genauen Setzbeträgen) analysieren kann (außer man ist vielleicht ein Genie und hat ein so gutes Gedächtnis).
Hier fängt es also nun schon an, dass man sich auf sein persönliches Empfinden verlässt und die Gegner daran festmacht und sie auch dementsprechend einschätzt.
In der Regel reicht das beim Live-Spiel auch aus, da man die verschiedenen Typen von Spielern gut einschätzen kann und nicht genauste mathematische Auswertungen braucht um einen LAG von einer NIT zu unterscheiden, oder zu wissen ob ein Spieler bei jedem Board C-bettet oder ob er auf einen 3-Bet weglegt, usw.
Dies sieht nun allerdings beim Online-Poker ganz anders aus. Zwar ist es hier bei einem Tisch auch noch einigermaßen möglich die Spieler wie beim Live-Poker einzuschätzen und sich seine Schlüsse daraus zu ziehen. Dies wird allerdings schwerer, umso mehr Spieler im Spiel sind und man des Öfteren die Tische wechselt. Kommt dann noch ein zweiter Tisch hinzu ist es wirklich sehr schwer jeden einzelnen Spieler gut einzuschätzen, da man sich bereits hier auf die aktivsten Spieler konzentriert und die wenigen aktiven Spieler vernachlässigt. Spielt dann einer dieser weniger aktiven Spieler hat man kaum Informationen über sein Spiel- und Setzverhalten und man hat damit einen Nachteil bzw. verliert seinen Vorteil über den Gegner.
Da nun die wenigsten nur ein oder zwei Tische spielen, sondern eine Vielzahl mehr, fällt es einem umso schwerer die Action an einem jedem Tisch nachvollziehen zu können und man konzentriert sich immer nur jeweils auf den Tisch, an dem man eine gute Hand hat und die anderen werden vernachlässigt.
Aus diesem Grund ist es sehr ratsam sich technische Hilfsmittel hinzuzunehmen, die genau das machen, was der Mensch bei zu vielen Informationen auf einmal nicht kann. Informationen aufnehmen, verarbeiten und sichtbar und logisch darzustellen.
Zwei dieser Programme sind Holdem Manager und PockerTracker.
Sie speichern jede Hand, werten diese Aus und geben dem Benutzer umgehend Rückmeldung über das Spielverhalten anderer. Dies kann ein sehr großer Vorteil sein, weil man dadurch das oben beschriebene Fehlen an Informationen über den Gegner schließt.
Allerdings muss man erwähnen, dass die Informationen die so ein Programm ausgibt sehr umfangreich sind und man sich damit zuerst auseinandersetzen muss, damit man weiß, wie sie zu interpretieren sind.
Allerdings entsteht durch die Benutzung solcher Programme ein großer Vorteil den anderen Spieler gegenüber, die solche Programme nicht benutzen.
Um dies zu verdeutlichen werden hier nun einige Beispielhände gezeigt, die genau auf das Ausnutzen von Informationen abzielen und verdeutlichen wie profitabel es sein kann Informationen ( = Statistiken) über den Gegner zu haben.
1. Hand
No-Limit Hold'em Tournament, 25/50 Blinds (9 handed) - Hold'em Manager Converter Tool from FlopTurnRiver.com

CO (t1380)
Button (t1215)
SB (t775)
BB (t4695)
UTG (t655)
UTG+1 (t1400)
MP1 (t4820)
Hero (MP2) (t1455)
MP3 (t1055)
Hero's M: 19.40
Preflop: Hero is MP2 with J
, J
2 folds, MP1 bets t200, Hero raises t1455 (All-In), 5 folds, MP1 calls t1255
Flop: (t2985) 3
, 7
, 10
(2 players, 1 all-in)
Turn: (t2985) 10
(2 players, 1 all-in)
River: (t2985) K
(2 players, 1 all-in)
Total pot: t2985
Results:
MP1 had 8
, A
(one pair, tens).
Hero had J
, J
(two pair, Jacks and tens).
Outcome: Hero won t2985
Stats Player 7:
VPIP: 89, PFR: 28, 3B: 0, AF: 1.5, Hands: 18
Der Spieler rechts von Hero eröffnet auf 4BB und anhand der Stats erkennt man, dass er ein sehr schlechter Spieler ist und hier viel eröffnet. Aus diesem Grund ist hier der Push gut, da man den Spieler somit isoliert und auch noch genug Fold-Equity auf ihn hat. Zudem ist man idR. vorne gegen ihn, falls er dann doch call.
2. Hand
PokerStars No-Limit Hold'em, 2.5 Tournament, 50/100 Blinds (8 handed) - PokerStars Converter Tool from FlopTurnRiver.com

UTG (t1380)
UTG+1 (t1565)
MP1 (t750)
MP2 (t5400)
CO (t1100)
Button (t3315)
Hero (SB) (t2885)
BB (t1055)
Hero's M: 19.23
Preflop: Hero is SB with A
, Q
5 folds, Button bets t3315 (All-In), Hero calls t2835 (All-In), BB calls t955 (All-In)
Flop: (t6825) 2
, 6
, 9
(3 players, 3 all-in)
Turn: (t6825) Q
(3 players, 3 all-in)
River: (t6825) 3
(3 players, 3 all-in)
Total pot: t6825
Results:
Button had K
, 8
(high card, King).
Hero had A
, Q
(one pair, Queens).
BB had 9
, A
(one pair, nines).
Outcome: Hero won t6825
Gleicher Gedanke, da es der gleiche Spieler war.
Hier kann man schon sehen, wie profitabel es ist zu wissen, wie der Gegner spielt. Ohne die Stats wäre die JJ und die AQ anders gelaufen, da man hier passiver gegen einen unbekannten Spieler gespielt hätte. Aber mit den Informationen und den passenden Hand-Ranges kann man seine eigenen Entscheidungen wesentlich besser treffen.
Die ersten beiden Hände haben gezeigt, wie man gegen einen sehr aktiven Spieler spielt. Nun im Anschluss eine Hand wie man gegen einen sehr passiven Spieler spielt, dessen Hand-Range anhand der Stats sehr offensichtlich ist.
3. Hand
PokerStars No-Limit Hold'em, 2.5 Tournament, 50/100 Blinds (7 handed) - PokerStars Converter Tool from FlopTurnRiver.com

CO (t1676)
Hero (Button) (t2105)
SB (t4055)
BB (t1934)
UTG (t1320)
MP1 (t1368)
MP2 (t2512)
Hero's M: 14.03
Preflop: Hero is Button with 9
, 9
3 folds, CO bets t300, Hero calls t300, 2 folds
Flop: (t750) 9
, 6
, 8
(2 players)
CO bets t562, Hero calls t562
Turn: (t1874) 2
(2 players)
CO bets t814 (All-In), Hero calls t814
River: (t3502) Q
(2 players, 1 all-in)
Total pot: t3502
Results:
Hero had 9
, 9
(three of a kind, nines).
CO had K
, K
(one pair, Kings).
Outcome: Hero won t3502
Stats Player 1:
VPIP: 7, PFR: 7, 3B: 0, AF: 3.0, Hands: 28
Hier ist es sehr offensichtlich, dass der Gegner sehr tight ist und die Hand-Range sich auf JJ+ und AK, AQ beziffern lässt. Der Call erfolgt nur auf Setvalue und ist bei einem nicht getroffenen Set Fold oder falls der Gegner bei einem trockenen Board zwei Streets Checkt eine Bet.
Zudem kann man sich hier sicher sein, wenn man sein Set trifft eine volle Auszahlung zu erhalten, da der Gegner bei einem max. 10 hoch Flop sich sehr oft vorne sieht und dementsprechend der komplette Stack reingeht.
Wie die oben dargestellten Hände aufzeigen, ist es sehr profitabel technische Hilfsmittel zu verwenden um die vielen Informationen, die man während des Spiels erhält, aufzubereiten und daraus Profit zu schlagen.
Zwar sind die dafür benötigten Programme nicht günstig, allerdings ist der Zuwachs an Informationen langfristig gesehen eine viel bessere Investition und sollte jedem Spieler bei seinen Entscheidungen wesentlich helfen!!!