Bachelor of whatever (FH) für EUR 24000 ist teuer!
Außerdem:
FH und Uni: Noch immer erhebliche Unterschiede
Mit den neuen Bachelor- und Masterabschlüssen vergeben Fachhochschulen und Universitäten formal dieselben Abschlüsse. Doch die Unterschiede bleiben - das gilt vor allem für die Technischen Universitäten.
"An den Universitäten wird fundiert wissenschaftlich und forschungsbasiert ausgebildet", erklärt Wolfgang König, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt. An den Fachhochschulen würden die Studenten ausgebildet, indem sie das rekapitulieren, was andere an Wissen kumuliert haben. Dagegen seien die Studenten an den Unis selbst in der aktuellen Forschung aktiv. "Da geht es nicht nur um das Ergebnis, sondern auch um die persönlichkeitsbildende Wirkung der Forschung", sagt König. "Man lernt, wie man systematisch neue Ergebnisse sucht."
In Frankfurt hat man sich dabei für einen "Hochleistungsbachelor" entschieden. Das Studienpensum von sieben Semester wird in sechs Semester gepackt, Inhalte von Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft werden integriert und die Studenten intensiv betreut. Künftig soll es daher auch Bewerbertrainings mit Personalmanagern, Fallstudien in und mit Unternehmen sowie qualifizierte internationale Praktika geben. Zudem gibt es Zusatzangebote für überfachliche Qualifikationen wie etwa Präsentationstechnik. Schließlich sollen die neuen Bachelor-Studiengänge nicht nur Fachwissen, sondern auch überfachliche Kompetenzen wie Rhetorik oder Teamfähigkeit vermitteln.
Projekte statt Vorlesungen
Das sieht auch Dietmar von Hoyningen-Huene so. "Eine nachhaltige Studienreform muss diese Aspekte durch eine veränderte Unterrichtsmethodik berücksichtigen", sagt der Rektor der Fachhochschule Mannheim. An die Stelle von Vorlesungen treten dann zum Beispiel Projektarbeiten. Zudem habe man in Mannheim ein "Career Center" mit 32 außerfachlichen Modulen vom Sprachkurs bis zum Bewerbertraining mit externen Profis aufgebaut.
Anders sieht das Konstantin Meskoutis. "Bei den Schlüsselqualifikationen beschränken wir uns im Bachelor-Studium auf das absolute Minimum", sagt der Prorektor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Dort setzt man auf Theorie und sieht im Bachelor in erster Linie eine Art Wechselplattform für den forschungsorientierten Master, in dem man dann sein Vertiefungsfach wählen oder ändern kann. "Wir wollen, dass der Master-Abschluss der Regelabschluss für die universitäre Ausbildung bleibt", erklärt Professor Meskoutis die Forderung der in der Gruppe TU 9 zusammengeschlossenen neun großen Technischen Universitäten. "Ingenieure kann man nicht in weniger als fünf Jahren universitär ausbilden."
Vorteil für FH-Absolventen
Was die Anwendung von bestehendem Wissen und die Beschäftigungsfähigkeit angehe, sei ein FH-Bachelor daher eindeutig im Vorteil. Ein Uni-Bachelor solle dagegen unbedingt weiterstudieren. "Wer gleich ins Unternehmen einsteigt, wird später auf demselben Level bleiben", behauptet der RWTH-Professor.
Dietmar von Hoyningen-Huene hält die Haltung der TU 9 für fatal, aber verständlich. "Bei sorgfältiger Umstellung entspricht ein Bachelor dem Niveau eines FH-Diploms und bietet daher gute Berufschancen", sagt der Bologna-Beauftragte der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Während ein darauf aufbauender Master-Studiengang daher für die FHs eine Ergänzung ihres Angebotes sei, müssten die Universitäten ihre Studiengänge vollkommen neu restrukturieren. "Das wollen die nicht", sagt der Rektor der Fachhochschule Mannheim.
Erst Berufserfahrung sammeln, dann weiter?
Doch damit torpedierten sie auch die vorgeschriebene Durchlässigkeit zwischen den Hochschulen. So muss künftig ein FH-Bachelor seinen Master auch an der Uni machen können und umgekehrt. Schließlich sollten Bachelor-Absolventen - wie in Ländern mit dem zweistufigen Studiensystem längst üblich - erst ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln, bevor sie einen Master im selben oder in einem anderen Fach draufsetzen. Dieser kann dann entweder anwendungs- oder forschungsorientiert sein, wobei letztere eher die Domäne der Unis bleiben dürften.
"Die FHs werden massiv berufsbegleitende Master-Studiengänge anbieten", prophezeit von Hoyningen-Huene. RWTH-Professor Meskoutis hält das für unrealistisch. Wer eine verantwortungsvolle Stelle habe, könne nicht berufsbegleitend studieren. "Da müssen Sie ständig präsent sein", sagt der studierte Bauingenieur. Darüber kann Dietmar von Hoyningen-Huene nur den Kopf schütteln: "Das funktioniert in den USA, Asien und Australien, und dem werden sich auch die Technischen Universitäten nicht entziehen können."