Spoiler
Ich habe als Jungspund zunächst zwei Semster Publizistik studiert, währenddessen dann aber mit Poker ganz gut zu verdienen begonnen und mich im Laufe der weiteren Entwicklung dann also auch gegen mein eigentliches "Interessensgebiet" (das Schreiben / Literatur, Medien & Politik) und stattdessen für ein technisches Studium neben dem Pokern entschieden (mit der Vorstellung, dass ich dann nach der Poker-Karriere einen ganz okayen Schreibtischjob haben kann - ein Wahnsinnsziel). Fertig studiert habe ich daher:
- Bachelor Informatik (mit Ausprägungsfach Medieninformatik)
- Master (Medien-)Informatik
Für Medieninformatik habe ich mich ehrlicherweise entschieden, da ich ja schon einige Kurse in Publizistik absolviert hatte, die ich dann interdisziplinär anrechnen lassen konnte (waren grad mal 15 ECTS). Ansonsten hätte mich wohl, im Nachhinein gesehen, Wirtschaftsinformatik viel mehr angesprochen.
Ich hab auch eher mäßige Erfahrungen mit dem Begriff "Medieninformatik" gemacht, da die Leute (bei Bewerbungen, Arbeitskollegen etc) dabei scheinbar meist an Flyer-designen in Photoshop denken. In der Realität beschäftigt man sich mit Netzwerkprotokollen, Komprimierungs-Formaten/Algorithmen, Signaltheorie und Metainformations-Extraktion durch Machine Learning (früher durch hardcoding in Matlab, R etc). Also eigentlich sehr theoretisch, trotzdem hab ich dann oft gehört "und war da Mathe überhaupt auch dabei, ist ja nur Medieninformatik". Das ist leider eine große Schwäche von mir, ich nehme mir solche Aussagen oft zu Herzen und hab generell immer ein offenes Ohr dafür, wenn sich irgendwo die Möglichkeit zu (auch ungerechtfertigter) Selbstkritik findet. Andererseits ist es eben oft auch eine Stärke von mir, schwierig zu beurteilen.
So richtig warm geworden bin ich jedenfalls nie mit Informatik (also weder Forschung innerhalb der Medieninformatik, noch Programmieren an sich oder gar IT-Infrastruktur oä), die Beschäftigung mit Informatik/PCs war im Laufe meiner Jugend einfach nur eine Möglichkeit, neben der Schule noch an zusätzliches Geld und interessantere Informationen zu kommen. Am Ende meiner Poker-Zeit und meines Studiums stand ich dann also mit einem fertigen Dipl.-Ing., aber ohne nennenswerte Arbeitserfahrung in dem Bereich da. Noch dazu bin ich sehr ungern der unmotivierte Idiot in der Runde (vor allem unmotiviert bin ich äußerst ungern, der Idiot zu sein hängt vom Niveau der anderen ab, und da kann man ja auch recht gut was dazu lernen, wenn es tatsächlich so ist).
Hab dann nach einem Gang durchs Jammertal und einigen Umwegen irgendwann in der Glücksspielbranche angefangen (in der IT im Bereich Datenbanken/Analyse/BI) und als Berufsbezeichnung dann den "Data Scientist" erhalten. Dadurch war/bin ich aber erst recht in einem Bereich gelandet, in dem die Leute nicht so recht wissen, was genau ich jetzt kann (inklusive mir selbst). Je nachdem, wie selbstbewusst ich mich gerade durchs Leben bewege und welche Menschen ich dabei kennen lerne, kann ich also recht interessante Untersuchungen über Monate hinweg anstellen - oder ich werde als einfacher Daten-Klauber ge-micro-managed. Die Bezahlung ist so oder so immer eine Ansichtssache, mit den Traum-Gehältern bei FAANG Companies in den USA oder kompetitiveren Umfeldern hat es jedenfalls hier in AUT für die meisten nichts zu tun. Will sagen: es sollte einem schon Spaß machen, was man da tut, und man sollte sich wohl fühlen.
Im Laufe meiner Unternehmensgründung und der Entwicklung unseres esports-Produktes habe ich jedenfalls dann gemerkt, dass mir eigentlich viel Wissen im Bereich BWL, aber auch Jus fehlt und hab mich daher nach einem passenden Lehrgang umgesehen (wichtig war mir nur, keinen teuren MBA, sondern halt an einer normalen Uni). Hab daraufhin ein passendes Masterstudium gefunden, mit dem ich bislang auch sehr zufrieden bin - gerade durch Corona kann ich da extrem viel von zu Hause aus selbstständig lernen, hab aber einen umfassenden Lehrplan, an dem ich mich gut orientieren kann, und der mich auch dazu zwingt, mir Sachen anzusehen, die ich sonst aus Faulheit eventuell überspringen würde. Das Studium heißt:
- Master Recht und Wirtschaft für TechnikerInnen
Da bin ich jetzt etwa zur Hälfte durch und eigentlich hätte ich den im nächsten Jahr neben der Arbeit fertig gemacht. Vermutlich verschiebt sich das jetzt um 1 Jahr, da ich ab Herbst noch an einer FH berufsbegleitend studierte (Di-DO 18-21 Uhr, ab und zu Block-LVAs):
- Master Data Science (FH)
Also quasi als Spezialisierung für den Beruf, den ich jetzt seit 4-5 Jahren ausübe, bei dem mir aber sehr oft das Netzwerk an Menschen fehlt, die dasselbe machen. Auch die klassischen "How-Tos" / best-practices bzw. halt was bei anderen "üblich" ist - und was mich auf den neuesten Stand bringt, da sich in dem Bereich gerade sehr viel tut.
Ich war also auf der Suche nach etwas, das mir nochmal Selbstvertrauen gibt, das mir hilft mein Netzwerk auszubauen (ich bin nicht so der Typ, der gerne auf Meetups geht und netzwerkt, muss mich da also irgendwie anders pushen), wo ich auch mehr Praxis habe und was mir hilft, in Zukunft den "trust-factor" ein wenig zu erhöhen, wenn ich mich wieder wo bewerbe oder wo consulte (Lehrgang hat obv Mathe+Statistik dabei und heißt ja explizit Data Science - im Grunde hätte ich aber natürlich mit meinem Informatik-Studium, Poker und den zusätzlichen Statistik-Kursen als Freifächer im zweiten Studium schon mehr als genug Mathe/Statistik).
Von daher: im Grunde habe ich Informatik studiert mit allen erforderlichen Inhalten, spezialisiert habe ich mich dabei auf Datenanalyse und den Einsatz von Machine Learning im Sportwettenbereich. Für meinen persönlichen Horizont und etwaige Unternehmungen (wie Firmengründungen, aber auch Beratung im Bereich Marketing zB) studiere ich noch Recht & Wirtschaft für TechnikerInnen, um mich breiter aufzustellen. Und zur weiteren Spezialisierung und um den Anschluss nicht zu verlieren und meine Kompetenz zu festigen und zu untermauern, Data Science. Ich möchte also generalisierter, aber auch spezialisierter sein, also eine eierlegende Wollmilchsau. Das muss man nicht verstehen.
Letztlich hätte ich dann Erfahrungen an 2 Unis und 1 FH in 2 Städten gemacht und dann vllt noch etwas zusätzliche Lehr-Erfahrung gesammelt - ich habe bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter, aber auch als Tutor und als Poker-Coach gearbeitet, scheinbar gefällt es mir, das lernen+lehren zu verbinden. Vielleicht lande ich ja doch nochmal an einer Uni, also beruflich. Ich schließe auch nicht aus, dass ich in ein paar Jahren dann auch doch noch Publizistik fertig mache (oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium). In AUT zahlt man halt nicht wirklich fürs Studium (an der FH schon, und auch, wenn man länger benötigt - aber wir reden hier von etwa 385 EUR pro Semester).
Zuguterletzt war meiner Familie Bildung immer das höchste Gut. Mag daran liegen, dass sie immer broke war
und man sich so vorgestellt hat, den Gap schneller/besser überwinden zu können, und für meine Eltern/Onkel ist dies auch der Fall gewesen. Mein Opa hatte grade mal 4 Jahre Volksschule in Jugoslawien und hat immer der Möglichkeit nachgetrauert, ein "studierter Fiskal" zu werden (2. Weltkrieg, Donauschwabe) - seine Familie konnte und wollte es sich damals auch einfach nicht leisten, Feld zu verkaufen, um ein Kind studieren zu lassen (das waren 12 Geschwister und ganz andere Zeiten und Probleme).
In Österreich hat er dann nach dem Krieg als Schlosser am Hochofen gearbeitet und wollte immer, dass alle lernen und studieren, was geht. Meine Mutter ist Volksschullehrerin, meine Schwester Kindergartenpädaogin - ich bin also ein klassisches Lehrerkind und wurde früh gefördert. Lernen macht mir Spaß, wobei mir Noten egal sind und ich oft ein Problem mit Autoritäten habe. Als Schüler war ich daher in vielen Fächern irgendwann nur noch desinteressiert und habe gerade genug getan, um unbehelligt durch den Schul-Alltag zu kommen (nachts wurde zu Hause dann ja am PC gearbeitet). Poker war da natürlich genau richtig für mich, zu Hause in der Boxershorts analysieren und punktuell mit anderen über Skype etc weiter bilden. Ein Studium ist also anonym genug für mich, gleichzeitig kann man super gefordert werden, wenn man sich Profs sucht, die einem als Mentor alle paar Monate in einem kurzen Gespräch ein paar neue Perspektiven aufzeigen können. Studieren ist einfach klasse!
Gegen ein Doktorat habe ich mich fürs erste entschieden, weil ich hier wieder sehr "lost" wäre, und für mich alleine arbeiten kann ich ja eh schon ganz gut. Zum anderen findet man nur schwer Betreuer, die an der Schnittstelle IT/Glücksspiel etwas machen wollen - ich habe hier viel Ablehnung und Abneigung erfahren, und mir schon mit meiner Masterarbeit über Sportwetten (in AUT KEIN Glücksspiel) schwer getan. Über Glücksspiel publizieren geht hauptsächlich in Jus oder Psychologie. Dann sehe ich außerdem, wie meine Freunde im Doktorat ausbluten und als billige Arbeitskräfte herhalten müssen, den Druck den sie haben ... und als Ergebnis ist man erst recht wieder ein Spezialist, der sich für seine Schlag-Richtung rechtfertigen muss. Ich weiß nicht, ob ich mir das antun will, dafür sehe ich keinen Grund (tatsächlich, so sehr ich mich immer für meinen Lernwillen und meine Studiengänge rechtfertige, können mir die Titel als Informatiker obv scheißegal sein).
Für mich ist jedenfalls klar, dass ich das quasi-"gratis" Bildungsangebot nutzen möchte, soweit das geht; dass ich ohnehin in meiner Freizeit immer irgendetwas lernen oder tun will; dass ich mich zwar spezialisieren will, aber schon auch noch über den Tellerrand blicken und die Perspektiven wechseln können will; und dass die meisten Dinge in meinem Leben schon seit Kinderschuhen irgendetwas mit Glücksspiel, kompetitivem Spiel und Sport zu tun haben ... und dass ich deswegen diese Bereiche in meinem Leben genauer beleuchten will (daher zB auch Datenanalyse von Geräten im Sport oä).
Hab jetzt ausführlich geantwortet, weil ich doch schon oft darüber nachdenke und es gut tut, das alles mal geordnet(er) loszuwerden.