Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Das Greshamsche Gesetz

Wer in verschiedenen Währungen spielt oder die Bankroll bei mehreren Räumen in unterschiedlicher Form aufbewahrt, der sollte den folgenden ökonomischen Grundsatz kennen.

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Das Greshamsche Gesetz wurde nach Sir Thomas Gresham benannt und von ihm im 16. Jahrhundert formuliert. Es besagt im Grundsatz, dass "schlechtes Geld immer gutes Geld verdrängen wird". Die Idee dahinter ist, dass bei zwei Geldsorten mit ähnlichem Nominalwert das werthaltigere Zahlungsmittel nach und nach aus dem Umlauf geraten wird.

Ein klassisches Beispiel dafür ist, wenn eine neue Münze aus einem weniger werthaltigen Material als sein Vorgänger geprägt wird (zum Beispiel eine Silbermünze im Vergleich zu einer Goldmünze mit demselben monetären Wert). Die Menschen wären geneigt, die Silbermünze eher auszugeben und die Goldmünze zu horten, da es sich um das wertvollere Material handelt.

Auch gefälschte Währungen können als Beispiel dienen, da die Menschen diese natürlich ebenfalls eher ausgeben würden als die echte Währung. Wenn bestimmte Münzen oder Noten in den Ruhestand geschickt werden, sind die Menschen ebenfalls geneigter sie auszugeben, verlieren sie doch letztendlich irgendwann ihren gesamten Wert. Oder wer stand nicht schon einmal am Flughafen und hat versucht, die übrigen Münzen aus dem Urlaubsland in den Airport-Shops loszuwerden, bevor es zurück in die Heimat geht.

Ein Mittel, um Resultate zu bewerten

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Chips und Cash sind dasselbe Wert, Cash hat jedoch deutlich mehr Nutzen

Das Greshamsche Gesetz sollte für jeden von Interesse sein, der Poker spielt, da dabei Währungen genutzt werden, um Resultate zu bewerten. Entsprechend ist es wichtig, wie genau man sie verwendet.

Während sie vielleicht denselben Nominalwert haben, können verschiedene Arten von Pokerwährungen einen sehr unterschiedlichen praktischen Nutzen haben, zum Beispiel Cash im Vergleich zu Casinochips, Cash in der Hand oder in einem Online-Pokeraccount, Dollar gegen Euro etc. Für manche sind $100 bei PayPal vielleicht mehr wert als $100 bei NETELLER oder $100 bei PokerStars sind jemandem etwas mehr wert als $100 bei 888poker. Turnierdollar sind vielleicht nicht ganz so viel wert wie echte Dollar, entsprechend werden sie oft auch einfach nur weiterverkauft, und auch Kryptowährungen wie Bitcoin und die dahinterliegende Idee von intaktem Geld kommt bei diesem Zusammenhang in den Sinn.

Als ich vor etlichen Jahren noch für PokerNews gearbeitet habe und Tony G dort der Chef war, hatte er uns von großen Cashgame-Runden mit russischen Spielern erzählt, als der Rubel eine Schwächephase durchlief. Resultat daraus war, dass die Währung im Vergleich zu anderen Währungsarten beinahe wie Spielgeld durch die Gegend flog. Dasselbe Phänomen kann man auch bei den Live-Pokertouren beobachten, wenn jemand einen großen Gewinn in einer nicht allzu stabilen Währung einfährt und dadurch automatisch geneigter ist, mit seinem neu gewonnenen Reichtum noch vor Ort etwas mehr zu gamblen.

Das Geld, das man zuerst ausgibt

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Wer Turnierdollar, Spielerpunkte oder Tokens hat, sollte sie zuerst ausgeben

Unter Spielern ist es gebräuchlich, das bei einem Swap involvierte Geld über Transfers von einem Pokerraum zum anderen zu tauschen. Wenn jemand nun zum Beispiel sein Geld bei PokerStars hat, der Swap-Partner jedoch bei einem etwas unsichereren Raum, so kann es sein, dass er mehr entlohnen muss als sein Gegenüber, da das Geld beim kleinen Anbieter gefährdeter ist. Das berüchtigste Beispiel dafür war wohl die Zeit nach dem Black Friday, als Spieler ihr Full-Tilt-Guthaben mit einem deutlichen Rabatt verkaufen wollten und es für Guthaben bei Ultimate Poker nur noch Centbeträge für einen gesamten Dollar gab.

Beim Online-Poker kommen zudem Konzepte wie Turnierdollar oder Turniertokens hinzu. $100 in Turnierdollar oder $100 in Spielerpunkten sind nominal genauso viel wert wie $100 Cash, dennoch ist der Nutzen im Vergleich zu regulärem Geld deutlich eingeschränkter, da man sie nur für Poker verwenden kann. Wer $100 in einem Amazon-Gutschein hat, wird diesen zuerst beim nächsten Online-Einkauf verwenden als $100 vom Bankkonto. Dasselbe gilt für Turnierdollar und Spielerguthaben. Ich kenne einige Spieler, die sich auf Leaderboard-Races um von Pokerräumen eingeführte Live-Währungen spezialisiert haben, um damit bei Live-Partien höhere Shots als mit echtem Geld zu wagen.

Praktisch gesehen hilft das Greshamsche Gesetz also bei der Entscheidung, welche Form von Geld oder welche Währungen man als erstes und welche man zuletzt ausgeben sollte, wenn man denn die Wahl hat. Mit Blick auf Poker sollte man das Gesetz im Hinterkopf behalten, wenn es um die Bewertung der Nützlichkeit verschiedener Formen von Spielguthaben geht.

Welche Theorien außerhalb der Welt von Poker haben euch am meisten beim Verbessern eures Spiels oder in anderer Weise geholfen?

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