Poker-Grundlagen: Das Balancen von Ranges
Eine neue Lektion für unsere Neulinge und Wiedereinsteiger, die nicht leicht exploitet werden wollen, sobald sie gegen bessere Konkurrenz antreten.

Heute stellen wir ein Konzept vor, dessen Verständnis einen der wesentlichen Schritten von den Grundlagen hin zu den fortgeschrittenen Bereichen der Pokerstrategie darstellt.
Das Balancen von Ranges ist ein sehr wichtiges Konzept des spieltheoretischen Optimums, das dafür sorgt, dass es für Gegner deutlich schwieriger wird, Schlupflöcher zu finden, um profitabel gegen uns zu spielen. Im Kern geht es dabei darum, ein optimales Verhältnis von guten und schlechten Händen in ähnlichen Situationen in der eigenen Range zu halten, damit es Gegner deutlich schwieriger haben uns auf eine überlegene oder unterlegene Range zu setzen.
Bevor wir uns einem Beispiel widmen, sei aber gesagt, dass es auf den niedrigsten Stakes und beim Spiel gegen sehr schwache Gegner nicht erforderlich ist, dass man ein vernünftiges Balancing für die eigenen Ranges findet. Das gilt lediglich für das Spiel gegen Gegner, die darauf achten, wie genau wir am Tisch agieren.
Range-Balance erschwert das Exploiten

Setzt man am Flop nur eine Continuation Bet, wenn man eine gute Hand getroffen hat, befinden sich keinerlei Bluffs in der eigenen C-Bet-Range. Ein mitdenkender Gegner wird solch einen Ansatz sehr leicht ausnutzen können, indem er schlichtweg schlechte Karten ablegt, wenn wir setzen, und zum Bluff greift, wenn eine C-Bet von uns am Flop ausbleibt.
Setzt man in 100% der Fälle eine Continuation Bet am Flop, hat man im Grunde dasselbe Problem. Ein mitdenkender Gegner wird erkennen, dass wir nicht immer eine starke Hand halten und die meisten Hände den Flop in zwei Drittel der Fälle verpassen, sodass er mit Floats, Slowplays, Bluffcatchern und Bluffraises gegen uns agieren kann.
Eine Continuation Bet in 70% der Fälle am Flop zu setzen, wäre hingegen ein deutlich ausgeglichenerer und besserer Ansatz. Der Gegner wird zwar wissen, dass wir hin und wieder mit einem Bluff unterwegs sein werden, allerdings auch mit einer ganzen Reihe an starken Händen. Es wird also deutlich schwieriger für ihn, eine profitable Konterstrategie gegen uns zu finden.
Das Balancen von Ranges erstreckt sich dabei auch auf die Größe, mit der wir unsere Bets setzen. Wenn man den gesamten Pot am River bettet, dann benötigt man für gewöhnlich auch in 66% der Fälle die tatsächlich beste Hand, damit die Bet profitabel ist. Will man bei solch einer Potbet gebalanced agieren und schwer zu exploiten sein, muss man in 33% der Fälle auch bluffen.
Gute Spieler machen sich über derartige Dynamiken auch während einer Partie Gedanken. Sie überlegen nicht nur, ob eine einzelne aktuell gehaltene Hand gut für einen Bluff, eine Valuebet oder einen Fold wäre, sondern vielmehr welche Hände in der gesamten eigenen Range für welche Aktion am besten geeignet wären, zum Beispiel Hände mit einem Blocker beim Bluffen.
Wie genau man eine Bluff/Value-Range gestaltet, hat Dara O'Kearney schon bei uns erläutert. Für den Anfang reicht es beim Thema Balancing aber auch, wenn man als Spieler anfängt darüber nachzudenken, was man mit anderen Händen in der eigenen Range in einem bestimmten Spot machen würde, anstatt lediglich über die tatsächlich Hand zu sinnieren.
Dennoch zum Abschluss erneut der Hinweis, dass das Balancen von Ranges erst gegen stärkere Spieler relevant wird!