Poker-Grundlagen: Equity verwehren
Es handelt sich nicht um einen Bluff, allerdings auch nicht um eine Valuebet... Wir erklären das Konzept hinter Equity-Verwehrung für neue Spieler.

Im letzten Grundlagen-Artikel haben wir die Equity-Realisierung erläutert, die im Kern besagt, wie häufig die eigene Hand die tatsächliche Equity am Pot einfahren kann.
Um Geld beim Poker zu machen, will man die eigene Equity-Realisierung entsprechend nach oben schrauben, während man gleichzeitig aber auch die Equity-Realisierung des Gegners einschränken sollte.
Die zweite Zielsetzung erreicht man dabei mit einem Konzept genannt Equity-Verwehrung.
Was ist Equity-Verwehrung?

Von Equity-Verwehrung spricht man, wenn man den Gegner zum Folden bringen kann mit einer Hand, mit der er gute Equity gegen die eigene Hand oder Range hatte.
Dabei handelt es sich nicht um einen Bluff, bei dem wir den Gegner dazu bringen, die bessere Hand abzulegen. Wenn wir Equity verwehren, haben wir stattdessen für gewöhnlich die bessere Hand. Aber obwohl wir die bessere Hand halten, handelt es sich bei Equity-Verwehrung auch nicht um eine Valuebet, da wir schlichtweg nicht wollen, dass der Gegner callt.
Schauen wir uns ein Beispiel an, um zu verstehen, wie genau Equity-Verwehrung am Pokertische funktioniert und abläuft: Wir halten 55 und der Flop bringt 988.
In vielen Fällen halten wir zu diesem Zeitpunkt die beste Hand, es gibt jedoch wenige Turns und River, die wir tatsächlich sehen wollen. Ein weiteres Herz würde einen Flush ankommen lassen, eine Sechs, Sieben, Zehn oder ein Bube könnten eine Straight komplettieren, eine weitere Neun würde unser Paar überflüssig machen und jede Zehn oder höher könnte dem Gegner ein besseres Paar bescheren. Setzen wir unser Gegenüber auf die folgende gecappte Range...

Dann hat der Gegner 55% Equity gegen unsere Pocket Fünfer, er wäre also der Favorit, wenn er in der Lage ist, seine Equity zu realisieren. Auf dem Flop lediglich zu checken für Potcontrol oder zum Bluffcatchen wäre also ein Desaster. Viel besser wäre es hingegen mit der aktuell besten Hand zu betten und zu den Gegner zum Folden zu bringen, damit er seine Equity nicht realisieren kann. Kommt es zum Fold, gibt er mit einem Schlag 55% Equity am Pot auf.
Im Vergleich wäre eine Hand wie KT auf einem Flop von K72 eher die Sorte von Hand, mit der ein Check zum Induzieren eines Bluffs besser geeignet ist. Würde man setzen, kann man erwarten, dass man lediglich von starken Händen gecallt wird. Checkt man hingegen, muss man sich nicht wirklich Gedanken rund um mögliche Draws machen und die einzige Highcard, die man nicht sehen will, wäre ein Ass. Trifft der Gegner ein Paar abseits davon, wäre es unserem eigenen unterlegen.
Das oben gewählte Beispiel für sinnvolle Equity-Verwehrung ist ein sehr offensichtliches und zeigt deutlich den Unterschied, der zwischen der aktuell besten Hand und der aktuell besten Equity vorliegen kann. In der Praxis ist es nicht immer so eindeutig, allerdings sollte man immer darauf achten, dass man sich Equity-Verwehrung ins Bewusstsein rückt, wenn man mit einer Hand unterwegs ist, der viele Turns und River gefährlich werden könnten.