Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Mit jeder Hand etwas stärker werden

Jede einzelne Hand besser als die vorherige zu spielen, ist ein ambitioniertes Ziel. Eine simple, aber effektive Übung kann uns jedoch Schritt für Schritt voranbringen...






Starten wir direkt mit einem Beispiel: An einem Shorthanded-Tisch mit sechs Spielern erhöht der Gegner in MP auf 3BB. Wir callen mit KJ am BU. Alle anderen folden. Die effektive Stacksize beträgt 100BB. Der Flop bringt 9 7 3, unser Gegner bettet 70% des Pots und wir callen. Nach der Q am Turn setzt er erneut 70% des Pots und wir folden.

War unser Spiel nun gut oder schlecht? Um die Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick auf sämtliche Streets und gehen die Optionen in Ruhe durch.

Zur besseren Veranschaulichung kann man das PokerStrategy.com Equilab öffnen und die genannten Kombos eintragen, um das Verständnis für die entsprechenden Ranges zu vereinfachen und zu verfestigen.

Preflop

Nachfolgend ein Beispiel für eine spielbare Range für einen Preflop-Coldcall:

Префлоп

Sie umfasst ca. 12% aller Hände, was 156 Kartenkombinationen entspricht. Je nach Spot kann die Range natürlich erweitert oder eingeschränkt werden, für den Anfang ist sie jedoch ein guter Richtwert. Theoretisch kann KsJs auch Teil einer 3-Bet-Range sein, wir gehen aber davon aus, dass wir KJo für diesen Zweck bevorzugen.

Flop

Der Flop ist eher trocken und es ist sehr wahrscheinlich, dass als nächstes eine Overcard aufgedeckt wird. Angesichts unserer Odds können wir in diesem Spot vertretbar in 70% der Fälle defenden. Grundsätzlich defendet man durch Call oder Raise, im konkreten Spot mit einem derart trockenen Board ist eine Raisingrange jedoch nicht zwingend notwendig. Gehen wir also davon aus, dass unsere Range zur Gänze eine Callingrange ist. Aufgrund des Cardblocking-Effekts haben wir nun 141 von 156 Kombos. 70% davon führt uns zu 99 Kombos. Stellen wir also unsere Range zusammen...

Sets, Overpairs, Top Pairs und Second Pairs dürfen natürlich nicht fehlen: 99, 77, 33, JJ, TT, A9s, T9s, 98s, A7s, 87s, 76s (39 Kombos). Wenn wir jedoch nur mit diesen Händen defenden, würden wir in 72% der Fälle folden. Das ist offensichtlich noch zu viel.

Fügen wir unserer Range also noch Pocket Achter, Gutshots und stärkere Asse hinzu: 88, AQo, AJo, AQs, AJs, ATs, JTs. Das sind 46 weitere und 85 Kombos insgesamt. Immer noch nicht genug...

Die restlichen Kombos könnten wir mit Pocket Sechsern, schwächeren Assen und Overcards mit Backdoor-Flushdraw erreichen: 66, Ad8d, As8s, Ac8c, KdQd, KsQs, KcQc, KdJd, KsJs, KcJc. Nun haben wir 100 Kombos und können sogar noch eine Kombo von Pocket Sechsern ausschließen.

Флоп

Ihr würdet die meiste dieser Hände folden? Dann foldet ihr zumindest unter Berücksichtigung unseres Plans für diesen Spot zu viel.

Turn

Auf den ersten Blick scheint der Trun besser für den Preflop-Aggressor zu sein. Wie man jedoch sieht, beinhaltet unsere Range viele Queens. Dennoch hat der Aggressor mehr Queens in seiner Range, daher sollten wir uns an einer Defend-Frequenz von etwa 65% orientieren. Mit dem Cardblocking-Effekt verbleiben uns noch 94 Kombos. 65% davon entspricht 61 Kombos.

Starten wir mit Top-Pairs oder besser und Flushdraws: 99, 77, 33, AQ, KQ, AdJd, KdJd, AdTd, JdTd, Ad8d, Ad7d, 8d7d, 7d6d. Viele Spieler würden in einem solchen Spot nur mit diesen Händen defenden. Das bedeutet, dass sie 66% ihrer Kombos folden. Gegen solche Gegner könnte man den Turn praktisch blind betten und damit Geld drucken.

Unsere Range wird mit JJ, TT, 9Ñ… und OESDs (kein Karo) erweitert: JJ, TT, JTs (kein Karo), Ah9h, As9s, Ac9c, Th9h, Ts9s, Tc9c, 9h8h, 9s8s, 9c8c. Das sind 24 weitere Kombos, 56 insgesamt. So viel kann ein Regular in einem solchen Spot defenden. Solch ein Spieler würde ca. 41% seiner Hände folden. Entsprechend könnt ihr gegen viele Regulars 70% des Pots mit eurer gesamten Range second-barreln und würdet noch break-even spielen.

Die fehlenden 5 Kombos erreichen wir durch Hinzufügen von Gutshots (2x KJs) oder 7x. Gutshots sind zu bevorzugen, da sie mehr Potenzial haben, zu einer starken Hand zu werden. Die abschließende Range sieht wie folgt aus:

Тёрн

War unser Fold am Turn mit KJ also gut? Nein, wir haben einen Fehler gemacht. Es war zwar kein großer, aber dennoch ein Fehler. Wenn wir lieber mit zusätzlichen Kombos von 7x statt KJs defenden würden, würde das unseren EV nicht wesentlich ändern. Sobald wir aber anfangen KJs und 7x zu folden, werden wir zum Ziel für andere Regulars.

Versucht diese Übung am besten drei- bis fünfmal am Tag. Die Hände, die ihr analysiert, müssen sich nicht zwingend um große Pötte drehen. Fangt einfach an mit drei bis fünf zufälligen Händen. Sobald ihr dann sicherer in Bezug auf Betting- und Callingranges seid, könnt ihr euch auf Spots konzentrieren, bei denen ihr unsicher wart. Langfristig kann man sein Spiel so kontinuierlich voranbringen.

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