Poker-Grundlagen: Bluffcatcher
Wie sollte man spielen, wenn man mit seinen Karten nichts anderes als lediglich einen Bluff schlagen kann? Klare Sache: Dann ist der Bluffcatcher gefragt!

Den meisten dürfte klar sein, wie man eine sehr starke Hand spielt. Man bettet for Value. Auch wie man eine schwache Hand spielt, dürfte bekannt sein. Entweder man foldet schlichtweg oder man verwandelt sie in einen Bluff. Wie jedoch sollte man agieren, wenn man sich irgendwo in der Mitte der beiden Pole befindet? In solch einem Fall benötigt man häufig einen sogenannten Bluffcatcher.
Bei einem Bluffcatcher handelt es sich um eine Hand, mit der man jeden Bluff schlagen kann, den der Gegner halten könnte, allerdings keine der Hände, mit der er valuebetten würde. Dazu kommt es normalerweise, wenn der Gegner mit einer polarisierten Range unterwegs ist, das heißt, er hält ausschließlich sehr starke und sehr schwache Hände, während wir selbst eine mittelstarke Hand halten.
Mit einem Bluffcatcher kann man nicht wirklich valuebetten. Man würde nur von Händen gecallt werden, die einen schlagen, während alle schwächeren Hände folden würden. Checkt und callt man hingegen mit einem Bluffcatcher, lässt man dem Gegner hingegen Spielraum, um einen Fehler zu machen.
Ist der Gegner fähig zu bluffen?

Betrachten wir dazu ein Beispiel: Nehmen wir an, wir befinden uns in einer Partie mit Blinds von $0,50/$1 und callen im Big Blind ein vorheriges Raise auf $2 mit 9 8.
Der Flop bringt 6 A2, wir checken, der Gegner setzt $3 und wir callen erneut. Der Turn bringt in der Folge a J, wir checken abermals und der Gegner dieses Mal auch. Am Ende folgt am River noch die 9.
Wir halten das Third Pair und vermuten, dass unser Gegner das Board verpasst hat, weil er den Turn lediglich gecheckt hat, nachdem wir ihn am Flop gecallt haben. Am River nun zu setzen, wäre ein Fehler, da der Gegner alle Händen folden würde, die wir schlagen, und uns mindestens mit Ax, Jx oder besser callen würde. Checken wir hingegen und callen seine Bet, haben wir hingegen immerhin noch die Chance, etwas Value von seinen Händen zu kriegen, die das Board verpasst haben.
Setzt der Gegner in solch einem Spot, kann man ein paar grobe Rechnungen durchgehen, um herauszufinden, ob man callen sollte oder nicht. Nehmen wir zum Beispiel an, er setzt in unserem Beispiel am River $5 in einen Pot von $10. Mir müssen also $5 callen, um $15 gewinnen zu können. Das bedeutet folglich Odds von 3 zu 1, sodass der Gegner nur in mindestens 25% der Fälle bluffen muss, damit es ein profitabler Call wird. An dieser Stelle kommen die Reads und der eigene Instinkt mit ins Spiel. Wenn wir annehmen, dass unser Gegner in solche einem Spot mehr als 25% seiner Range blufft, dann ist es ein Call.
Bluffcatching ist ein Thema, bei dem Blocker besonders nützlich sind. Wenn man einige der Hände blockt, mit denen der Gegner valuebetten würde, dann wird es auch wahrscheinlicher, dass er mit einem Bluff unterwegs ist. In unserem Beispiel blocken wir zum Beispiel aber andere verpasste Flushdraws, sodass wir davon ausgehen können, dass ein Bluff beim Gegner unwahrscheinlicher wird.
Abschließen gilt es jedoch, sich bewusst zu machen, dass Bluffcatchen nur funktionieren kann, wenn der Gegner auch versteht, warum er überhaupt setzt. Es gibt jede Menge unerfahren Spieler, die eine Hand wie 77 in unserem Beispiel am River noch betten würden, auch wenn sie eigentlich nur von besseren Händen gecallt wird.