Poker-Grundlagen: Gecappte Ranges
Ein weiterer Artikel für Neulinge, bei dem wir erläutern, warum man es vermeiden sollte, beim Poker mit Ranges unterwegs zu sein, die nicht die Nuts beinhalten können.

Wir haben bereits lineare und polarisierte Ranges erläutert, nun werfen wir einen Blick auf eine weitere verbreitete Form von Ranges, der man an den Tischen begegnen kann.
Eine gecappte Range ist eine Range, die keinerlei starke Hände beinhalten kann. Dazu kommt es für gewöhnlich, wenn ein Spieler seine Range nicht gut genug gebalanced hat, um eine ausreichende Boardabdeckung zu gewährleisten.
Ein übliches Beispiel für eine gecappte Range kommt zustande, wenn man raist und von einem berechenbaren Spieler geflatcallt wird. Man weiß, dass der Gegner mit einem Reraise agiert, wenn er eine Premium-Hand hält. So kann man AQ+, JJ+ bei seiner Range ausschließen und davon ausgehen, dass er lediglich mittelstarke Starthände hält. Eine gecappte Range ist also im Kern das Gegenteil einer polarisierten Range, bei der nur schwache und starke, aber keine mittelstarken Hände vorliegen.
Keine Chance auf die Nuts

Das ist jedoch nicht die einzige Form einer gecappten Range, die zustande kommen kann. Nehmen wir zum Beispiel an, wir spielen gegen einen sehr tighten Gegner, der in früher Position geraist hat und den wir geflatcallt haben. Wir setzen ihn auf eine Range von AQ+, 99+ und das Board bringt 5 6 7.
Seine Range ist nun gecappt auf Overpairs, da er die Nuts wie ein Set, eine Straight oder ein Two Pair auf dem Board nicht halten kann. Der einzige große Draw, der beim Gegner unterwegs sein könnte, wäre zudem ein Flush oder ein Gutshot mit 99. Wir selbst, wenn wir denn mit einer weiten Range gegen das frühe Raise defenden, können alle Arten von Two Pairs, Sets, Straights und Kombodraws auf dem Board halten.
Gleichermaßen kann man die Range des Gegners noch mehr einschränken, wenn wir in dem Spot checken und er dasselbe tut. Hätte er ein Overpair, würde er wohl für Protection oder für Value betten, statt lediglich zu checken. Auch mit einem Draw mit hoher Equity und Overcards wie mit AK oder nur A könnte man eine Bet vom Gegner erwarten, dasselbe gilt für einen möglichen Backdoor-Draw mit AK or AQ. Kommt es also zum Checkback und man vermutet, dass der Grund dafür weder Potkontrolle noch ein Täuschungsmanöver ist, kann man die gegnerische Range vertretbar auf Ax-Kombos beschränken, bei denen keine Flushdraw- oder Backdoor-Flushdraw-Equity vorliegt.
Gegen gecappte Ranges spielt es sich sehr einfach, da man sich nie Sorgen machen muss, dass der Gegner mit einem Reraise reagiert. Man kann stets so hoch valuebetten, wie man will, da es ein Fehler wäre, wenn der Gegner mit seiner gecappten Range noch einen draufsetzt, weil man genau das mit seinen Valuehänden will. Darüber hinaus ist es auch einfacher einen Gegner mit gecappter Range zu bluffen, da die gegnerische Range umso schwächer wird, je mehr starke Karten auf dem Board erscheinen.
Es sollte also klar sein, dass man die meiste Zeit nicht derjenige sein will, der am Pokertisch mit einer gecappten Range unterwegs ist. Es gibt manche Situationen, zum Beispiel ein Complete im Small Blind mit einer spekulativen Hand im Multiway-Pot, wo man das Cappen der eigenen Range in Kauf nimmt. Das ist jedoch ein Kompromiss, den man für den möglichen Mehrwert eingehen kann. Die Lösung eine gecappte Range in Heads-up-Pötten zu vermeiden, ist derweil die Konstruktion von Ranges, die in allen Spots gebalanced sind und Boardabdeckung bieten.