Poker-Grundlagen: Reverse Implied Odds
In einem weiteren Kurzartikel für alle Neulinge unter uns erläutern wir, warum das Treffen eines Draws manchmal das schlechteste Resultat beim Poker sein kann.

In einem vorherigen Artikel haben wir bereits die Implied Odds erläutert, mit denen im Kern geschätzt wird, wie viel Geld man auf zukünftigen Streets gewinnen könnte, falls man einen großen Draw vervollständigt.
Sind sich neue Spieler über Implied Odds bewusst, kann das manchmal jedoch auch zu einem Leak führen, das glücklicherweise aber mit dem nächsten Konzept behoben werden kann: die Reverse Implied Odds.
Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine Schätzung, wie viel Geld man auf zukünftigen Streets verlieren könnte, wenn man den eigenen Draw trifft. Das Konzept zu verstehen, kann einen davor bewahren, mit einem schlechten getroffenen Draw broke zu gehen.
Denkt man darüber nach, eine Bet zu callen, sollte man bei der Entscheidung immer auch einbeziehen, ob man beim Treffen der Hand nicht vielleicht auch Geld verlieren statt nur gewinnen könnte.
Die eigenen Outs helfen dem Gegner

Am besten erklärt sich das Ganze wie üblich mit einem Beispiel: Nehmen wir an, wir halten 5 4 auf einem Flop von 7 6 6und unser Gegner konfrontiert uns mit einer Bet.
Jede 3 oder 8 am Turn würde uns eine Straight bescheren, entsprechend ziehen wir einen Call in Erwägung. Es ist an und für sich ein guter Spot, wenn der Gegner eine Art von Overpair hält, es gibt jedoch auch viele schlechte Karten, die uns am Turn den Garaus machen können.
Bringt die nächste Karte zum Beispiel 3 oder 8 treffen wir zwar unsere Straight, es ist jedoch auch ein möglicher Flushdraw angekommen. Bringt der Turn irgendeine 8, verliert man gegen jede Kombo von T9, weil damit eine stärkere Straight getroffen wird. Selbst wenn der Turn uns eine 3 beschert, haben wir zwar die beste Straight, der Gegner könnte mit 3 3 allerdings ein Full House getroffen haben. All das sollte berücksichtigt werden, während wir ebenfalls feststellen müssen, dass jede Kombo von 76, 66 oder 77 ebenfalls schon ein Full House gegen uns getroffen hat. Und selbst wenn wir die 3 am Turn treffen und damit vorn liegen, könnte uns jede 8 am River noch das Genick brechen, während praktisch alle anderen verbleibenden Karten erneut die Gefahr eines Full House mit sich bringen.
Das wesentliche Problem in diesem Spot ist, dass wir weiterhin Geld in den Pot buttern müssten, wenn wir unsere Straight treffen. Eine derart starke Hand könnten wir nicht einfach per Checkdown zum Showdown bringen. Die bessere Option wäre also der vorzeitige Fold unseres Draws.
Reverse Implied Odds spielen auch bei der Auswahl der eigenen Preflop-Hände eine Rolle, insbesondere wenn man schwache Hände wie A7 passiv spielt. Trifft man das Ass, kann man nicht einfach folden, weil man sich so zu leicht exploitbar macht, häufig hat man es jedoch mit einem besseren Ass zu tun. Generell kann man konzeptionell festhalten, dass man es vermeiden sollte, mit Händen zu drawen, die nicht unmittelbar in die Nähe der Nuts kommen können.