Poker-Grundlagen: Effektive Stacks
Eine weitere Lektion für Neulinge und Wiedereinsteiger, wie man sein Leben an den Tischen simpler gestalten kann, wenn man den Shortstack am Tisch berücksichtigt.

Die effektive Stacksize entspricht im Grunde der Größe des kleinsten Stacks in einer Hand. Haben wir selbst 100 Big Blinds, unser Gegner jedoch nur 20, dann beträgt der effektive Stack entsprechend 20 Big Blinds.
Der Grund, dass eine derartige Unterscheidung am Pokertisch vorgenommen wird ist simpel: Da man in unserem Beispiel nur maximal 20 Big Blinds gewinnen oder verlieren kann, sollte man entsprechend auch seine Strategie an diese Gegebenheit anpassen, auch wenn man selbst über 100 Big Blinds verfügt.
Ein üblicher Fehler bei neuen Spielern ist jedoch, dass sie nur auf Basis des eigenen Stacks agieren, nicht aber den effektiven Stack in einer Hand berücksichtigen. Für gewöhnlich führt das vor allen Dingen zu Fehlern bei der Handauswahl.
Hat man zum Beispiel selbst sowie der Gegner je 100 Big Blinds, dann kann man auch mit einer spekulativen Hand wie 4 5 ein Raise callen. Im Falle eines Treffers hat man so zumindest potenziell die Chance, einen Pot zu gewinnen, der groß genug ist, dass die Vielzahl der Fälle kompensiert wird, in denen man nichts mit einer solchen Hand trifft. Hält man jedoch 100 Big Blinds und kassiert ein Reraise von einem Gegner mit nur 20 Big Blinds, dann reicht der potenzielle Gewinn von 20 Big Blinds nicht aus, um einen Call mit einer derart spekulativen Hand zu bringen.
Einfluss auf die Bluffschwierigkeit

Ein weiterer Fehler, der bei Nichtbeachtung effektiver Stacks zustande kommt: Man hält den eigenen Stack für bedrohlicher, als er es tatsächlich ist. Man mag vielleicht in der Lage sein, einen Gegner zum Folden zu bringen, wenn beide mit 100 Big Blinds unterwegs sind und man direkt am Flop eine Potsize-Bet setzt. Mit einer marginalen Hand will man sich nicht wirklich in einen derart kostspieligen Spot begeben, in dem vielleicht auch an Turn und River noch eine saftige Bet wartet.
Hat der Gegner im Beispiel jedoch nur 20 Big Blinds, dann fällt auch das Verhältnis seines verbleibenden Stacks zum Pot entsprechend niedrig aus, sodass er sich automatisch mehr gebunden fühlen wird, den Pot weiterzuspielen. Hat er in solch einem Fall ein Paar getroffen oder hält noch solide Overcard-Broadways, dann ist es gut möglich, dass er vor der Potsize-Bet nicht mehr zurückschreckt und in der Hand auf alles geht.
Generell werden Bluffs also umso schwieriger, je niedriger die effektive Stacksize ausfällt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die eigene relative Stacksize keinerlei Bedeutung hat, wenn man einen größeren Stack hält. Tatsächlich spielt genau dieser Aspekt eine sehr entscheidende Rolle in der späten Phase von Turniere, wo das ICM das Geschehen diktiert. Je größer der Unterschied ausfällt zwischen dem eigenen Stack und einem kleineren Stack, sobald sich die Bubble nähert, umso mehr Druck kann man ausüben, da ein Verlust für einen selbst keine große Bedeutung hat, während der Shortstack durchweg das Risiko hat, aus dem Turnier zu fliegen.