Poker-Grundlagen: Die Mathematik beim Bluffen
Für alle Anfänger liefern wir heute eine simple Formel, die euch dabei hilft zu verstehen, wie häufig ein Bluff funktionieren muss, damit er langfristig profitabel ist.

Gehyped von Rounders, Casino Royale & Co. denken Pokerneulinge, dass das Bluffen der wichtigste Teil des Spiels ist und man schlichtweg mehr Cojones als der Gegner haben muss, um profitabel zu bluffen.
Die Realität ist, dass Bluffen unterm Strich weniger Einfluss auf die Ergebnisse an den Tischen hat als korrektes Valuebetten, insbesondere auf den Low- und Midstakes. Will man jedoch dennoch Bluffs in sein Spiel integrieren, um es irgendwann weiterzuentwickeln, sollte man auch das mathematische Konzept dahinter verstehen.
Die Größe des Pots und die Größe der eigenen Bet bestimmen, wie häufig ein Bluff gelingen muss, damit er profitabel ist. Es gibt eine simple Formel, der man folgen kann, um die genaue prozentuale Schwelle zur Profitabilität eines Bluffs zu bestimmen. Damit wird klar, wie häufig ein Bluff mindestens funktionieren muss, damit er langfristig ein neutrales Resultat abwirft. Foldet der Gegner häufiger als der entsprechende Schwellen-Prozentwert, ist der Bluff profitabel. Foldet er seltener, ist er es schlichtweg nicht.
Die Formel gestaltet sich wie folgt:
Risiko / (Risiko+Nutzen) = Gewinnschwelle in %
Betrachten wir zur Veranschaulichung ein simples Beispiel: Wir befinden uns in einer $1/$2-Partie und wir raisen vom Cutoff preflop mit 67. Der Big Blind callt und der Flop beschert uns AK9. Wir haben ihn komplett verpasst, nehmen aber an, dass wir eine starke Hand auf solch einem Flop repräsentieren können. Der Pot beträgt $13 und wir entscheiden uns für eine Bet von $7. Wie häufig muss der Bluff funktionieren, damit die Gewinnschwelle erreicht ist?

Wir riskieren $7, um einen Pot von $13 zu gewinnen. Gemäß der obigen Formel sieht das Ganze also wie folgt aus:
$7 / ($7+$13) = 35%
Der Bluff muss in etwa 35% der Fälle funktionieren, um die Gewinnschwelle zu erreichen, wenn wir etwas mehr als die Hälfte des Pots setzen. Angesichts der Annahme, dass man auf dem Flop eine starke Hand wie ein Paar Asse oder besser repräsentieren kann, erscheint der Bluff in dem Spot wie eine sehr sinnvolle Aktion. Mit einer eher kleinen Bet wie im konkreten Fall macht man es dem Gegner jedoch auch einfacher noch zu callen. Wie verhält es sich also, wenn man größer setzt, damit es so aussieht, als würde man versuchen, das Maximum mit einem Monster herauszuholen? Nehmen wir an wir setzen statt der Hälfte den gesamten Pot, das heißt also $13, um $13 zu gewinnen.
$13 / ($13+$13) = 50%
Nun muss der Bluff auch in der Hälfte der Fälle funktionieren, um die Gewinnschwelle zu erreichen, sodass Reads auf den Gegner sehr wichtig werden. Handelt es sich um einen tighten oder weaken Spieler, der viele Hände in solchen Spots ablegt, kann es tatsächlich noch eine gute Bet sein. Ist er jedoch looser unterwegs, kann sich das Blatt auch schnell wenden und der Bluff unprofitabel werden
Das ist die grundlegende Mathematik hinter einem Bluff. Das Thema Semibluffs, bei denen man zwar blufft, aber auf späteren Streets noch die Chance hat, eine sehr starke Hand zu treffen, behandeln wir noch in einem Folgeartikel. Bis dahin kann die nachfolgende Tabelle als einfaches Hilfsmittel dienen, um zu sehen, wie häufig der Gegner bei einem eigenen Bluff folden muss, wenn man mit gängigen Betsizes agiert. Wie aber üblich sollte eine solche generelle Tabelle lediglich als Grundlage und Erinnerungsstütze dienen.
| Betsize | Gewinnschwelle in % |
|---|---|
| 25% des Pots | 20% |
| 33% des Pots | 25% |
| 50% des Pots | 33% |
| 66% des Pots | 40% |
| Gesamter Pot | 50% |
| Zweifacher Pot | 67% |
Weitere Grundlagen-Artikel