Poker-Grundlagen: Das Stop & Go
Wir erläutern eine Oldschool-Strategie, die auch heute noch nützlich sein kann, insbesondere wenn man sich im Turnier unter den Shortstacks befindet.

Über das Stop & Go hört man dieser Tage nicht mehr ganz so viel, vor ein paar Jahren war es jedoch einer der beliebtesten Moves überhaupt, der auch heute noch seinen Nutzen haben kann.
Den Begriff ins Leben gerufen hatte eins WSOP-Main-Event-Gewinner Greg Raymer und im Kern umschreibt "Stop & Go" das passive Callen einer Bet mit dem Ziel, auf der nächsten Street aktiv zu leaden.
Am häufigsten wird eine solche Line von Shortstacks in Turnieren gespielt, um trotz kleinem Stack noch Pötte einzusacken, ohne dass es zum Showdown geht.
Out of position in Heads-up-Pots

Betrachten wir dazu ein typisches Beispiel: Wir haben in einem Turnier nur noch 12BB und bekommen 7 7 im Big Blind. Ein aggressiver Gegner eröffnet vom Button, der Small Blind foldet und wir entscheiden uns, lediglich zu callen, um auf jedem Flop einfach zu shoven (oder auf jedem Flop, den der Gegner voraussichtlich verpasst hat).
Die Logik dahinter ist, dass man zwar eine starke, aber durchaus angreifbare Hand hält. Würde man vor dem Flop reraisen und All-in gehen, dann dürfte man viele Calls von Händen mit Overcards kassieren, die gute Chancen haben, uns über fünf Streets noch zu outdrawen. In zwei Drittel der Fälle würde ein solcher Gegner den Flop jedoch verpassen und mit seinen Händen gegen ein Shove nicht weiterspielen können, da nur noch zwei Streets zum Outdrawen verbleiben.
Das Stop & Go funktioniert gut mit allerlei mittelstarker Hände, wobei mittlere Pocket Pairs sich besonders gut eignen, da man mit ihnen lieber nur drei Karten als fünf Karten auf dem Board sehen will.
Davon abgesehen sollte ein Stop & Go jedoch nur im Heads-up-Pot gespielt werden, da es zu risikoreich gegen mehrere Gegner wird, da es deutlich wahrscheinlicher wird, dass zumindest ein Gegner etwas am Flop getroffen hat. Entsprechend muss man auch überzeugt sein, dass niemand, der preflop nach einem an der Reihe ist, noch mit in die Hand einsteigt, wenn man lediglich callt. Die Blinds, wo man die Action in einer Hand beendet, eignen sich daher besonders für ein Stop & Go, da man am Flop auch als erstes an der Reihe und den Gegner mit seinem Shove konfrontieren kann.
Alles in allem ist es eine gute Strategie gegen aggressive Spieler, die sich über Jahre bewährt, insbesondere wenn man davon ausdenkt, dass sie preflop noch viel callen, am Flop jedoch aufgeben, wenn dieser nichts Zählbares hervorgebracht hat. Insbesondere in Turniere eignet sich das Stop & Go als Überlebensstrategie mit einem kleinen Stack, es ist jedoch auch eine leicht zu exploitende Taktik. Daher muss man über gute Reads verfügen, dass der Gegner einen Shove vor dem Flop callen, am Flop selbst aber folden würde, wenn er nichts getroffen hat.