Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Die vier Arten von Glück

Man kann die Karten nicht kontrollieren, aber es gibt Wege, mit denen man sich zumindest in Position bringen kann, um das Glück zu finden, das in unterschiedliche Arten daherkommt.





Jamie Gold
Nicht einfach blind nach Glück suchen

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Im Zentrum von Poker steht seit jeher, dass es zwar eine Art von Glücksspiel ist, bei dem man seine Gegner aber mit den entsprechenden Fähigkeiten langfristig schlagen kann. Ein Fisch beim Poker ist hingegen ein Spieler, der diesen Skill nicht hat und daher nur mit Glück gewinnen kann. Ist es jedoch möglich, das Glück zu beeinflussen? Die kurze und simple Antwort lautet natürlich nein. Man hat keinerlei Einfluss auf den zufälligen Ausgang beim Aufdecken einer Karte. Allerdings ist es möglich, sich in eine Position zu bringen, um überhaupt eine Chance darauf zu haben, das Glück zu finden.

Der Neurologe Dr. James Austin hat bei seiner Arbeit vier verschiedene Arten von Glück identifiziert. Sie zu verstehen, kann den nötigen Einblick liefern, um es wahrscheinlicher zu machen, dass man zugegen ist, wenn das Glück gerade einmal wieder zuschlägt.

Bevor wir das weiter ausführen, sollte aber absolut klar sein, dass wir nicht vom degenerativen Gambling sprechen, das einem auch in der Pokerszene immer wieder begegnet. Voraussetzung für die nachfolgenden Gedankengänge ist, dass nach wie vor klar ist, dass wir immer noch Poker auf strategisch vertretbare Weise spielen wollen, ohne All-ins mit Trash zu callen oder Stakes zu spielen, die eigentlich die eigene Bankroll sprengen.

Blindes Glück ist schlecht, aber Beharrlichkeit gut

Die erste Art von Glück ist das sogenannte blinde Glück, das Dr. Austin identifiziert haben will. Damit ist eine Art von Glück gemeint, bei der der Nutznießer keinerlei Rolle beim Zustandekommen gespielt hat. Zufällig $20 auf der Straße zu finden, veranschaulicht dieser Art von Glück am besten.

Die zweite Art von Glück ist durch Beharrlichkeit geprägt, zum Beispiel wenn man an kostenlosen Gewinnspielen teilnimmt. Macht man das lediglich einmal und gewinnt trotzdem, hat man wohl noch blindes Glück gehabt. Nimmt man jedoch gezielt an 100 solchen Gewinnspielen teil und gewinnt dann eins, dann hat man zwar immer noch Glück gehabt, aber die Beharrlichkeit hat beim Gewinn eine Rolle gespielt. Im Vergleich mit jemandem, der an keinerlei Gewinnspielen teilgenommen hat, hat man sich in eine Position gebracht, in der man zumindest Glück haben kann.

Die dritte Art von Glück wird als wahrgenommenes Glück umschrieben, bei dem jemand besser als ein Laie in der Lage ist, eine Situation zu erkennen, in der man von Glück profitieren könnte. Früherkenner des Potenzials von Bitcoin könnten argumentieren, dass sie diese Art von Glück hatten. Sie hatten natürlich keinerlei Einfluss auf den tatsächlichen Verlauf des Preises, aber haben in der Anwendbarkeit der Internetwährung etwas gesehen, das anderen verborgen blieb. Auf Außenstehende wirkt aber auch diese Art von Glück wie blindes Glück.

Die letzte Art von Glück ist das wohlgesonnene Schicksal, das einen aufgrund einzigartiger Fähigkeiten, Talenten oder persönlichen Umständen findet. Menschen wie Bill Gates und Warren Buffet haben aufgrund ihres bisherigen Erfolgs deutlich mehr Möglichkeiten als der gemeine Mann, noch mehr Glück im Leben zu finden.

Das Glück und die Gameselection

bad beat jackpot
Die Karten kann man nicht kontrollieren, aber seine Position, um Glück zu finden

Der eine oder andere wird wahrscheinlich schon vermuten, wie man das Ganze in Bezug zu Poker setzen kann. Wie zu Beginn erwähnt, sollte man blindes Glück niemals suchen und es auch völlig aus dem eigenen Spiel heraushalten. Das Glück der Beharrlichkeit ist jedoch etwas, das man auch als Pokerspieler in gewisser Weise herausfordern kann.

Ein gutes Beispiel dafür wäre die Teilnahme an Promoaktionen, die der eigene Pokerraum bietet, zum Beispiel in Form von Missionen. Solange der Rake die Partien nicht unprofitabel macht, kann auch ein Bad Beat Jackpot ein gutes Beispiel darstellen. Man könnte sogar sagen, dass das Spielen von Lotterie-SNGs anstelle von HU-SNGs ein geeignetes Beispiel für das Glück ist, das man mit Beharrlichkeit finden kann. All diese Beispiele beinhalten einen Weg, um auf normale Weise beim Poker Profit zu machen, der allerdings auch die kleine Chance auf das große Glück und einen zusätzlichen Gewinn bietet.

Ein Beispiel für wahrgenommenes Glück beim Poker wäre die eigene Gameselection. Wenn man sich als Richtlinie auferlegt, nur Turniere mit hohen Guarantees zu spielen, dann bietet sich hin und wieder auch die Chance auf ein sattes Preisgeld, ohne dass man besser als 90% aller Teilnehmer abschneiden muss, wenn ein ordentliches Overlay bei einem solchen Turnier zustande kommt.

Der Matthäus-Effekt

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Wer sich selbst vermarktbar macht, dem werden sich auch mehr Türen öffnen

Das Glück, das einen findet, beinhaltet die Vorteile, von denen man profitiert, wenn man sich als guter oder zumindest vermarktbarer Spieler etabliert. Bis vor Kurzem hat ein Sieg bei einem Event der WSOP dieses Glück noch mit sich gebracht, als auf viele Bracelet-Sieger noch Sponsorendeals und Einladungen zu großen Partien warteten. Als guter Spieler profitiert man vom Glück, dass man in der Lage ist, bei großen Turnieren gestaket zu werden, die eigentlich außerhalb der eigenen Bankroll liegen. Aktuell kann auch harte Arbeit bei Twitch und YouTube dafür sorgen, dass man von damit einhergehenden Vorteilen wie Werbeverträgen profitiert. Viele der Spieler, die im vergangenen Jahr einen Platinum-Pass im Wert von $25.000 ergattern konnten, profitierten vom Glück, das ihnen eine vorher etablierte Position brachte.

Diese drei Formen des Glücks stehen auch im Einklang mit dem Matthäus-Effekt, der besagt, dass Erfolg immer mehr Erfolg bedingt. Wenn man anfängt, die richtigen Dinge zu tun, können sich auch in anderen Bereichen Türen öffnen, die man gar nicht auf dem Schirm hatte. Natürlich kann man auch argumentieren, dass erfolgreiche Leute dazu tendieren, härter als der Rest zu arbeiten und auch dadurch mehr Glück als andere haben.

Wer denkt, dass er kontrollieren kann, welche Karte am River aufgedeckt wird, ist ein Idiot. Man kann sich aber in eine Position bringen, dass man häufiger genau dort zur Stelle ist, wo das Glück mal wieder einen Nutznießer sucht. Wie schon Eishockey-Ikone Wayne Gretzky einst sagte: Man verpasst 100% der Torschüsse, die man nicht nimmt.

Welche Theorien außerhalb der Welt von Poker haben euch am meisten beim Verbessern eures Spiels oder in anderer Weise geholfen?

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