Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Poker-Grundlagen: Die 4-2-Regel

Wer mit einem Draw unterwegs ist und Schwierigkeiten hat, die eigenen Odds für Turn und River zu bestimmen, der kann auf eine einfache Faustformel zurückgreifen.

flush draw
Die eigenen Outs zählen und dann mit 4 oder 2 multiplizieren

Einer der ersten Berührungspunkte mit der Mathematik beim Poker ist für viele Spieler die sogenannte 4-2-Regel, die zwar simpel ist, aber bis heute noch Gültigkeit hat.

Dabei handelt es sich um eine vereinfachte Methodik, um zu berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass man an Turn oder River einen Draw trifft. So kann man simplifizieren, dass sich am Flop die Odds einen Draw zu treffen aus der Multiplikation der eigenen Outs mit 4 ergeben, wenn noch zwei Karten aufgedeckt werden, oder aus der Multiplikation mit 2, wenn nur noch eine Karte aufgedeckt wird.

Nehmen wir an, wir halten K 9 auf einem Flop von A 6 3 und dass wir am River sicher die beste Hand hätten, wenn wir ein Herz treffen. Noch neun Herz-Karten befinden sich im Deck, entsprechend wären gemäß der 2-4-Regel unsere Odds auf ein Treffen des Flushs bis zum River 36% (9 Outs x 4).

Wird am Turn derweil die 2, verbleibt nur noch eine Karte und wir multiplizieren unsere Outs nur noch mit 2. Folglich sind die Chancen auf einen Flush auf 18% gesunken.

Die 2-4-Regel ist am nützlichsten, wenn es darum geht, eine Bet zu callen oder einen Semi-Bluff zu setzen. Wäre der Pot in unserem Beispiel $100 und der Gegner würde mit $66 All-in gehen, dann fördert eine schnelle Berechnung zutage, dass wir lediglich 29% Equity bräuchten, wenn wir mindestens breakeven spielen wollen. Da wir aber eine Chance von 36% auf die Nuts haben – zusätzlich zur Chance, dass wir nur ein Paar treffen, aber auch das für den Sieg ausreicht – haben wir also einen sehr einfachen Call.

Gleichermaßen werden mit dem Wissen, dass man 36% Equity gegen jede beliebige andere Hand hat, auch Semi-Bluffs in dem Spot sehr reizvoll. So kann man All-in gehen, wenn man erwartet, dass der Gegner sehr häufig aufgeben wird und man in allen anderen Fällen immerhin noch eine Chance von 36% hat zu gewinnen.

Sind die Outs aber auch clean?

Bei der Anwendung der 4-2-Regel gibt es jedoch etwas Wichtiges zu beachten.

Zunächst einmal ist klar, dass die Multiplikation mit einem Faktor von 4 nur möglich ist, wenn man mit Sicherheit auch Turn und River zu sehen bekommt. Würde man also von Street zu Street agieren, das heißt, die eigene Hand je nach Entwicklung auch am Turn bereits ablegen, dann muss man auch zwingend die eigenen Outs nur mit einem Faktor von 2 multiplizieren, um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Am River werden bei dieser isolierten Betrachtung die Odds aber immer etwas besser ausfallen als am Turn, weil nach Austeilen des Turns eine Karte aus dem Deck fällt, die den eigenen Draw blockiert hat.

Darüber hinaus muss man sicher sein, dass man beim Treffen des eigenen Draws am Ende auch tatsächlich die beste Hand halten wird. Hätten wir im obigen Beispiel T 7, dann wäre es auch nicht allzu sicher, dass wir am Ende mit einem Flush vorn liegen, weil ein weiterer mit einem besseren Kicker unterwegs sein könnte. Hinzu kommen mögliche Karten, die den eigenen Draw deutlich schlechter dastehen lassen könnten, selbst wenn er getroffen wird. So könnte die 6 am Turn zum Beispiel das Board pairen, was ein Full House möglich macht, das unseren anvisierten Flush schlagen würde.

Im Grundsatz bleibt die 2-4-Regel aber eine sehr nützliche Hilfe, um grobe Fehler an den Tischen zu vermeiden. Dafür muss man nur die tatsächlich berechneten Odds auf einen Draw im Vergleich zu den Schätzwerten der Regel betrachten, die in Blau dargestellt sind:

Beispiel Turn & River Nur River
Pocket Pair zu Set (2 Outs) 8,42% (8%) 4,35% (4%)
Gutshot Straight Draw (4 Outs) 16,47% (16%) 8,7% (8%)
Open Ended Straight Draw (8 Outs) 31,45% (32%) 17,39% (16%)
Flush Draw (9 Outs) 34,97% (36%) 17,39% (18%)
Open Ended Straight Flush Draw (15 Outs) 54,12% (60%) 32,61% (30%)

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