GTO-Pokertheorie: Entscheidungsmüdigkeit
Wer auf der Suche nach einem Mehr an Fokus für schwierige Entscheidungen ist, sollte die Anzahl von trivialen reduzieren, um bestmöglich zu performen, wenn es wirklich knifflig wird.
Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.
Wir alle wissen, wie ermüdend es sein kann, einer geistig sehr anstrengenden Aufgabe nachzugehen, wie etwa der Arbeit an einem großen Projekt im Job oder das Lernen für eine Prüfung. Allerdings kann es auch ermüden, viele triviale Entscheidungen treffen zu müssen. Dieser Prozess ist unter Entscheidungsmüdigkeit bekannt.
Zu lange über jede kleine Entscheidung zu grübeln, kostet Kraft. Zu diesem Thema wurden bereits unzählige Studien durchgeführt. Man erinnere sich an die Zeit, bevor es hunderte Fernsehprogramme gab. Trotz der geringen Auswahl ließ sich immer etwas finden, was man sich gern ansah. Heutzutage kann man jedoch stundenlang umschalten, ohne sich am Ende für ein Programm entscheiden zu können. Das schiere Überangebot ermüdet einen, bis man schlicht das Interesse verliert.
Zu viele Wahlmöglichkeiten sind nicht immer positiv, denn die besten Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn man sich auf wenige Dinge fokussiert.
Entscheidungsarchitektur

Sich nur zwischen wenigen Dingen entscheiden zu müssen, kann die Produktivität steigern. Nicht zufällig sind die Kleiderschränke von Mark Zuckerberg, Steve Jobs und Barack Obama voller identischer Kleidungsstücke.
Sie alle waren sich ihrer begrenzten mentalen Ressourcen bewusst, daher wollte keiner Energie für triviale Entscheidungen verschwenden. Steve Jobs war zu beschäftigt, sich Gedanken über passende Schuhe und Hemd zu machen.
Es kann helfen, darauf zu achten, wie viele Entscheidungen man pro Tag trifft. Hat das Ergebnis der Entscheidung wenig Einfluss auf das eigene Leben, kann man als Standardhandhabe stets die einfachste Option wählen.
Leichte Entscheidungen automatisieren

Es gibt viele Wege, wie wir diese Erkenntnis auch beim Poker umsetzen können. Die richtige Priorität beim Lernen verschiedener Spots zu setzen, ist dabei wohl die Wichtigste. Wie bereits in einem anderen Artikel erörtert, ist es ratsam, den Fokus auf Spots zu richten, die am häufigsten auftreten – wie etwa das Duell Button vs. Big Blind mit 30BB-Stacks.
Oder wie Mental-Game-Coach Jared Tendler nahelegt, im Zweifel an den schwerwiegendsten Fehlern arbeiten. Denn die größten Leaks beeinflussen das Endergebnis letztlich auch am stärksten. Diese sehr effektive Lernmethode erleichtert einem die Entscheidung, welchem Themengebiet des Spiels man sich als nächstes widmen sollte.
Gelingt es einem in häufig auftretenden Spots automatisiert richtig zu spielen, bleiben einem mehr geistige Ressourcen für die wirklich schwierigen Spots, die einem in jeder Session begegnen werden. So kann man die bestmögliche Entscheidungsfindung in diesen entscheidenden Situationen garantieren und das eigene Spiel auch am effektivsten voranbringen, indem man sich derartige Spots mit vollem Fokus bewusst macht.
Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!
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