Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO Pokertheorie: Der Netzwerkeffekt

Was haben Facebook, Las Vegas und das Sunday Million gemeinsam? Sie alle profitieren gleichermaßen vom Netzwerkeffekt.

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Mehr User, besseres Produkt, höherer Nutzen

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Der Netzwerkeffekt ist ein Phänomen der Volkswirtschaftslehre. Der Effekt beschreibt, wie sich der Nutzen einer Ware oder Dienstleistung mit der Anzahl der Konsumenten verändert. Das bekannteste Beispiel hierfür ist wahrscheinlich das Telefon. Für den ersten Besitzer war es nicht gerade nützlich. Doch mit jeder weiteren Person, die sich ein Telefon anschaffte, stieg der Wert deutlich. Ein weiteres gutes Beispiel aus jüngster Zeit stellt das Internet dar.

Viele der Apps, die wir heute nutzen, sind erst durch den Netzwerkeffekt so nützlich geworden. So funktioniert Uber nur, weil es ständig einen liquiden Markt an verfügbaren Fahrern gibt. Facebook ist ein weiteres Paradebeispiel. Selbst wenn man kein großer Fan der Plattfrom ist, fiel es lange Zeit schwer, keinen Account zu haben. Um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, ist Facebook schlicht zu praktisch.

Aus dem Netzwerkeffekt entstehen auch positive Feedbackschleifen, die zum sogenannten Lock-in-Effekt führen. Ab einem gewissen Punkt wird das Produkt so nützlich, dass es gar zu einer Abhängigkeit führen kann oder zumindest mit großem Aufwand verbunden wäre, das Produkt zu wechseln. Die gesamte Musiksammlung von iTunes oder die Büchersammlung von Kindle zu einer anderen Plattform zu migrieren, wäre sicher nur mit großer Anstrengung zu bewältigen.

Je mehr Spieler im MTT, desto besser

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Die Leute spielen gern Poker in Vegas, weil dort alle spielen

Poker-Ökosysteme profitieren zum Großteil ebenfalls vom Netzwerkeffekt. Zwar bevorzugen einige Spieler kleinere Events, doch die meisten Spieler finden Turniere mit großen Teilnehmerfeldern deutlich attraktiver und interessanter.

Ein Grund, warum das WSOP Main Event oder das Sunday Million von PokerStars so beliebt sind, ist schlicht gesagt: weil alle mitspielen. Durch die schiere Anzahl an Teilnehmer kommen Preisgelder zustande, die man weder als Profi noch als Hobbyspieler ignorieren kann.

Sowohl PokerStars oder GGPoker als auch Las Vegas sind deshalb Epizentren der Pokerszene, weil ständig so viele Spieler an den Tischen unterwegs sind. Man kann sich stets sicher sein, eine Partie zu finden. Für alle, die exotische Varianten wie Razz spielen wollen, gibt es nur begrenzte Möglichkeiten einen Tisch zu finden. Realistisch betrachtet wird man nur in Las Vegas oder bei PokerStars oder GGPoker durchweg die Möglichkeit haben, spezielle Pokervarianten spielen zu können.

Warum ständige Verfügbarkeit lebensnotwendig für Pokerräume ist

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Die größte Herausforderung neuer Pokerräume ist Traffic

Die größte Herausforderung für neue Pokerräume besteht darin, Traffic zu garantieren. Es gestaltet sich äußert schwierig, neue Spieler an die Tische zu locken, wenn die Tische selbst leer sind. Aus diesem Grund liefern sowohl Live- als auch Online-Anbieter Spielern einen lukrativen Anreiz, neue Tische zu starten. In der Anfangsphase von Online-Poker waren ausgefallene Anmeldeboni von einer Million Dollar bei einigen kleineren Pokerseiten keine Seltenheit. Allerdings waren nie genug Tische verfügbar, eine derartige Menge an Rake überhaupt zu generieren, um den Bonus freizuspielen.

Deshalb benötigen kleinere Pokerseiten erhebliche Investitionen oder zumindest eine konstante Versorgung mit Spielern von Partnerseiten, aus dem Casino oder dem eigenen Sportwettenangebot. Organisches Wachstum zu erzeugen ist für jeden aufstrebenden Pokerraum eine enorme Herausforderung. 

Der Netzwerkeffekt sollte bei der eigenen Gameselection berücksichtigt werden. Erscheint ein Ersteinzahlungsbonus zu verlockend, sollte man immer noch einmal überprüfen, ob die Pokerseite überhaupt über genügend Liquidität verfügt, den Bonus freizuspielen. Turniere ohne garantieren Preispool sind ebenfalls ein Anzeichen dafür, dass bei einem Anbieter ein Mangel an Mitspielern vorliegen könnte,

Das heiß nicht, dass man kategorisch ausschließen sollte, auf kleineren Seiten zu spielen. Es gilt aber, stets zu prüfen, ob für die Partien oder Formate, die man spielen möchte, ausreichend Traffic verfügbar ist. 

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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