Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Epistemische Bescheidenheit

Als Unternehmer soll man grundsätzlich annehmen, dass man falschliegt, und versuchen, künftig seltener falsch zu liegen. Dieser Ratschlag von Elon Musk lässt sich perfekt auf Poker übertragen.

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Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Epistemische Bescheidenheit ist eine intellektuelle Tugend, die auf der Erkenntnis beruht, dass Wissen immer vorläufig, mangelbehaftet und unvollständig ist. Sie basiert darauf, dass alle unwissend sind. Es ist daher besser, wenn man versucht, die Unwissenheit zu verringern, anstatt davon auszugehen, dass man immer richtig liegt.

Die derzeitige Hauptfigur des Internets, Elon Musk, brachte diese Theorie mit den folgenden Worten auf den Punkt:

"Unternehmer sollten davon ausgehen, dass sie falschliegen, und dass Ziel sollte sein, künftiger seltener falsch zu liegen."

Um ein treffendes Beispiel zu nennen: Die besten Köpfe der Welt glaubten einst, dass die Erde flach sei und dass man die meisten Krankheiten mit Blutegeln heilen könne. Ohne epistemische Demut würde man das wahrscheinlich immer noch glauben und die wissenschaftliche Forschung wäre zum Stillstand gekommen.

Versuchen seltener falsch zu liegen

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Erik Seidel

Die Poker-Community ist ein großartiges Beispiel für epistemische Bescheidenheit. Ein Spiel, bei dem es früher hauptsächlich um Vermutungen und Annahmen ging, veränderte sich in den frühen 2000er-Jahren komplett, als die Online-Grinder die Spielweise komplett umkrempelten. Sie waren aggressiver, mathematisch versierter und konnten auf Datenbanken mit Tausenden von Händen zurückgreifen. In den letzten Jahren hat sich das Geschehen mit dem Aufkommen der Solver-Technologien erneut gewandelt.

Viele Profis der alten Schule oder frühere sehr gute Online-Spieler blieben auf der Strecke, aber diejenigen, die neugierig und bescheiden waren, blieben weiterhin erfolgreich. Erik Seidel ist hierfür ein sehr gutes Beispiel, denn er gehört trotz all den Veränderungen in den letzten Jahrzehnten immer noch zur absoluten Weltspitze – möglicherweise gerade, weil er trotz aller Erfolge bescheiden ist und immer an seinem Spiel arbeitet.

Auch der Blick auf den theoretischen Ansatz bestätigt das Bild: Viele Spieler sind der Meinung, dass Datenbankanalysen der beste Weg sind, Schwächen auszumerzen. Anstatt neue Konzepte zu lernen, wird versucht, eigene Schwachstellen aufzuspüren und diese dann zu reduzieren.

Das deckt sich auch mit den Erfahrungen von Mentaltrainer Jared Tendler. Sein Rat ist, zuerst immer an den gravierendsten Schwachpunkten des "C-Games" zu arbeiten. Dadurch werden lineare Fortschritte erzielt, denn Fehler aus dem "B-Game" werden dadurch zu den neuen "C-Game-Fehlern".

Auch die Varianz beim Poker verleitet sehr viele Spieler dazu, sich gelegentlich für Genies zu halten. Wahrscheinlich würde epistemische Bescheidenheit auch hier dazu beitragen, dass die Enttäuschung nicht allzu groß wird, wenn man irgendwann auf der falschen Seite der Varianz steht.

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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