Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Rolestorming

Wer bei einem Problem nicht weiter weiß, findet häufig einen Lösungsansatz, wenn man sich in die Rolle eines anderen begibt – und auch beim Poker eröffnet genau das neue Möglichkeiten.

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Eines der größten Geschenke in meiner Karriere als Pokerspieler ist, dass Poker immer ein großartiger Ausgangspunkt ist, um Dinge aus anderen Bereichen wie Wirtschaft, künstliche Intelligenz, Psychologie und Spieltheorie zu lernen. In dieser Artikelserie stelle ich einige der interessantesten Dinge vor, die ich abseits des Pokertisches gelernt habe und die auf das Spiel, das wir kennen und lieben, anwendbar sind.

Jeder weiß, was Brainstorming ist, aber Rolestorming hebt diese Technik auf eine neue Ebene. Das von Business-Guru Rick Griggs entwickelte Rolestorming ist ein Brainstorming aus der Perspektive einer anderen Person. Im Wesentlichen schlüpft man in die Schuhe einer anderen Person, indem man ein Rollenspiel macht und dann aus deren Sicht brainstormt.

Man könnte zum Beispiel ein Angestellter der Stadt sein, der darüber nachdenkt, wie man den morgendlichen Berufsverkehr verbessern könnte. Wenn man in die Rolle eines Pendlers, eines Elternteils, eines Lehrers, eines Barista, eines Postangestellten und eines Busfahrers schlüpft, anstatt einfach nur einen Haufen Ideen zu sammeln, könnte man zu nützlichen Schlussfolgerungen kommen, auf die man ansonsten nicht gekommen wäre. In einigen Übungen zur Unternehmensführung wird sogar vorgeschlagen, als Oprah Winfrey, Spiderman oder als jemand anderes aufzutreten, der nichts mit dem Thema zu tun hat, um das Denken über den Tellerrand hinaus zu fördern. 

Der Vorteil des Rolestormings besteht darin, dass es einen aus der traditionellen Denkweise herausreißt. Jeder hat gelernt, seine Arbeit nach einem bestimmten Schema zu erledigen. Rolestorming nimmt den Druck von uns, erlaubt es, Fehler zu machen und führt dadurch oft zu interessanten Entdeckungen.

Wie sollte der Gegner spielen, um einen selbst zu bezwingen?

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Solver beleuchten beide Seiten der Medaille

Die effektivste Art und Weise, wie Rolestorming beim Poker angewendet werden kann, ist, sich in den Kontrahenten hineinzuversetzen. Es ist nicht förderlich, die gespielte Situation nur aus seinem eigenen Blickwinkel zu betrachten. Dadurch hat man die Gelegenheit, doppelt so viel zu lernen, wenn man den Spot auch aus der Perspektive des Gegners beleuchtet.

Anstatt nur zu fragen, ob man die Hand richtig gespielt hat, sollte man sich auch fragen, wie gut der Gegner die Hand gespielt hat. Was hat er richtig gemacht und was könnte er noch tun, um aus dem Spot noch mehr herauszuholen? Auf diese Weise kann man sich von bestehenden Vorurteilen lösen und lernen, wie man in der Position des anderen Spielers agieren könnte.

Solver übernehmen die Aufgabe des Rolestorming. Ein Solver zeigt, wie beide Spieler gegeneinander spielen sollten. Die Tools berechnen die optimale Strategie für alle Kontrahenten. Es ist wirklich sinnvoll, gleich viel Zeit in beide Lösungen zu investieren, ansonsten wirft man Geld aus dem Fenster.

Man kann Rolstorming im wahrsten Sinne des Wortes betreiben, indem man sich fragt, wie jemand anderes in dieser Situation agiert hätte. Ich ertappe mich oft dabei, dass ich einen Schritt zurücktrete und mich frage, wie mein Coach Dara eine Hand spielen würde. Manchmal mache ich das mitten in einem Spot, um mich daran zu erinnern, nicht in alte Muster zurückzufallen.

Rolestorming ähnelt dem Salomonischen Paradoxon, über das ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Es ist einfacher, objektiv und kreativ zu denken, wenn man sich in die Lage eines anderen versetzen kann.

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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