GTO-Pokertheorie: Das Salomon-Paradox
Es ist viel einfacher, das Problem eines Freundes zu lösen als das eigene. Das gilt für das Leben an sich, aber auch für eine Laufbahn an den Pokertischen...

Eines der größten Geschenke in meiner Karriere als Pokerspieler ist, dass Poker immer ein großartiger Ausgangspunkt ist, um Dinge aus anderen Bereichen wie Wirtschaft, künstliche Intelligenz, Psychologie und Spieltheorie zu lernen. In dieser Artikelserie stelle ich einige der interessantesten Dinge vor, die ich abseits des Pokertisches gelernt habe und die auf das Spiel, das wir kennen und lieben, anwendbar sind.
Warum können wir anderen Menschen bei ihren Problemen viel besser helfen, als wir mit unseren eigenen umgehen können? Warum können wir die Lösung oft klar erkennen, wenn ein Freund in einer Zwickmühle steckt, aber nicht klar denken, wenn wir in einem Dilemma stecken? Genau diese Fragen sind auch als Salomon-Paradox bekannt.
Benannt nach König Salomon – einem Mann, der als unglaublich weise galt und zu dem die Menschen hunderte von Meilen reisten, um seinen Rat einzuholen. Doch sein eigenes Leben war paradoxerweise von schlechten Entscheidungen geprägt. Er hatte Probleme mit Frauen, konnte seine Finanzen nicht kontrollieren und schaffte es nicht, seinen Sohn daran zu hindern, das Königreich zu ruinieren.
Das zeigt sich auch in der heutigen Zeit auf viele verschiedene Arten. Wenn wir selbst ein Problem haben, sind wir oftmals nicht in der Lage, es objektiv zu betrachten. Beispielsweise haben viele von uns Verwandte, Freunde oder Bekannte, die im Bereich Gesundheit arbeiten, sich selbst aber schlecht ernähren oder mit Alkoholkonsum beziehungsweise dem Rauchen zu kämpfen haben – obwohl sie oft Menschen mit genau denselben Problemen behandeln oder beraten sollen.
Das Heilmittel für alle, die dem Salomon-Paradox verfallen sind, besteht darin zu versuchen, die eigenen Probleme so zu betrachten, als wäre man ein Außenstehender. Man fragt sich also, was man einem engen Freund oder Verwandten in genau derselben Situation raten würden, in der man sich selbst befindet.
Anderen helfen, sich selbst zu helfen

Es gibt einige interessante Arten, wie sich das auch beim Poker zeigt. Die meisten von uns sind viel besser darin, eine Hand korrekt zu analysieren, wenn wir sie nicht selbst gespielt haben. Wie oft hat man schon eine Hand in einem Livestream gesehen und sich über die Spielweise gewundert, wenn der Streamer eine Hand nicht korrekt gespielt hat.
Ich kenne viele Coaches, die allesamt sagen, dass sie durch das Coachen ihr eigenes Spiel verbessert haben. Wenn man einem anderen Spieler dabei hilft besser zu werden, festigt man sein eigenes Wissen und findet oft Bereiche, an denen man arbeiten sollte. Aber vielleicht gibt es noch einen weiteren Vorteil, wenn man andere coacht: Man beurteilt alle Situationen aus einem objektiven Blickwinkel. Die Resultate der letzten Zeit spielen keine Rolle, sondern man betrachtet die Situationen in einer Art Vakuum.
Man muss nicht zwingend ein Pokercoach sein, um von den Lösungsansätzen beim Salomon-Paradox zu profitieren. Eine gute Möglichkeit, die Subjektivität herauszunehmen, besteht zum Beispiel darin, unser Handbewertungsforum zu frequentieren und Hände von anderen PokerStrategen zu kommentieren. Das hat mehrere Vorteile: Erstens frischt man seine eigenen Kenntnisse immer wieder auf und zweitens hilft man anderen Spielern besser zu werden. Und wenn ein erfahrener Spieler die Ansichten korrigiert, fühlt man sich weniger angegriffen und verschließt sich dem Input, da man die Hand nicht selbst gespielt hat.
Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!