Wie brutal kann ein Downswing werden?
Ein gewissenhafter Umgang mit der eigenen Bankroll ist das A und O für jeden Spieler. Daher sollte man sich die Varianz eines Formats bewusst machen, um ein geeignetes Bankroll-Management zu finden.
Jeder Neuling hat wahrscheinlich zu Beginn seiner Pokerkarriere zahlreiche Ratschläge zum Thema Bankroll-Management erhalten. Dabei entscheidet die Höhe der Bankroll darüber, welche Limits man spielen kann, ohne den Ruin befürchten zu müssen.
Mit einem angemessenen Bankroll-Management ist man bereits vielen anderen Spielern ein Stück voraus. Gerade zu Beginn einer jeden Pokerlaufbahn ist das disziplinierte Einhalten der eignen Regeln ausschlaggebend. Es ist ratsam, unsere Empfehlungen zum Thema Bankroll-Management zu beherzigen. Noch wichtiger ist es jedoch, sich genauer mit der Varianz und möglichen Auswirkungen auf die Bankroll zu befassen.
Die Varianz ist ein Maß für die Streuung. Da beim Poker neben Skill auch Glück ein Rolle spielt, ist daher mit schwankenden Ergebnissen zu rechnen. So kann ein schwacher Spieler, der das erste Mal am Tisch sitzt, durchaus gegen einen professionellen Spieler gewinnen. Andererseits muss sich auch ein profitabler Spieler an Verlustserien gewöhnen. Je größer die Varianz eines Formats, desto höher sollte die Bankroll ausfallen, denn selbst wenn man optimal spielt, sind ausgedehnte Downswings möglich.
Es gibt zahlreiche, frei verfügbare Tools, um die Varianz eines Formats zu berechnen. Sehr empfehlenswert ist der Varianzrechner PrimeDope. Nach Eingabe der Parameter wie Format, Limit, Rake und geschätzte Winrate werden verschiedene Ergebnisse simuliert, um den Einfluss der Varianz zu illustrieren. Betrachten wir hierfür folgendes Szenario:
Wir führen eine Simulation eines $11-Turniers mit 100 Teilnehmern und 15 bezahlten Plätzen durch. Bei der Simulation betrachten wir eine große Samplesize von 2.000 Turnieren (eine große Samplesize liefert aussagekräftigere Ergebnisse) und nehmen ein ROI von 15% an. Der ROI beschreibt hierbei die Rentabilität eines Turniers. Die Simulation wird 10.000-mal durchgeführt, um möglichst verlässliche Ergebnisse zu liefern.

Wie gut oder schlecht kann es laufen?
Untenstehend eine grafische Darstellung der Häufigkeitsverteilung von 10.000 verschiedenen Ergebnissen. Das linke Ende des Diagramms zeigt die unglücklichsten Verläufe. In sehr seltenen Fällen wird man bei den gegebenen Randbedingungen also mit einem Verlust enden. Das rechte Ende des Spektrums zeigt den möglichen Gewinn, wenn man vom Glück gesegnet ist.

Die nächste Grafik stellt 20 mögliche Zufallsergebnisse einander gegenüber. Die Darstellung demonstriert, wie unterschiedlich die Ergebnisse nach 2.000 gespielten Turnieren ausfallen können. Darüber hinaus werden auch die Up- und Downswings innerhalb eines Verlaufs sichtbar. Im glücklichsten Fall wird ein Gewinn von $10.354 erzielt, der unglücklichste Verlauf führt zu einem Verlust von $2.841. Auch die Swings innerhalb einzelner Stichprobenverläufe werden sichtbar. So stellen wir fest, dass der unglücklichste Run zwischenzeitlich sogar einen Verlust von $3.061 durchschritten hatte.

Abschließend wird eine Zusammenfassung der wichtigsten statistischen Maßzahlen geliefert. Der durchschnittliche zu erwartende Gewinn nach 2.000 gespielten Turnieren beträgt $3.282 bei einer Standardabweichung von $1.720. Die Standardabweichung beschreibt die Streuungsbreite um den durchschnittlichen Gewinn und fällt in diesem Fall recht hoch aus – sie umfasst fast die Hälfte des zu erwartenden Gewinns.

Die letzte Maßzahl zeigt, dass es möglich ist, nach 2.000 gespielten Turnieren einen Downswing von $1.525 zu erleiden, was 138 Buy-ins entspricht. Auch wenn dieser Verlauf ein Extrembeispiel darstellt, bewegt sich das Resultat im Rahmen des Möglichen. Solch ein Downswing wird jedem widerfahren, wenn er nur lange genug spielt.
Diese Simulation soll aber keineswegs Furcht vor Poker und möglichen Ergebnissen erzeugen, sondern verdeutlichen, wie wichtig eine ausreichende Bankroll ist, um Durststrecken zu überstehen. Mit einer Bankroll von 200 Buy-ins, die erfahrene Turnierspieler empfehlen, kann man auch solche Downswings überstehen.
Die durchgeführte Simulation zeigt, wie sich die Varianz für ein Format abschätzen lässt. Es lohnt sich regelmäßig Varianzrechner wie PrimeDope zu nutzen, um ein Gefühl zu entwickeln, wie stark die Ergebnisse schwanken können. Viele talentierte Spieler haben schon das Handtuch geworden, weil sie die Varianz unterschätzt haben. Mit verschiedenen Formaten gehen unterschiedliche Anforderungen an das Bankroll-Management einher. So benötigen Turnierspieler ein deutlich konservativeres Bankroll-Management als zum Beispiel Cashgame-Spieler.