Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Poker-Grundlagen: Final-Table-Deals nach Chip Chop

Es gibt verschiedene Methoden zur Berechnung von Deals an einem Finaltisch. Das Chip-Chop-Modell nutzt den prozentualen Anteil der Chips jedes Spielers.

Kürzlich haben wir einen Blick auf die vorherrschende Methode zur Berechnung von Deals an Finaltischen geworfen, der "Goldstandard" ist der ICM-Deal. Dieses Mal schauen wir uns eine Alternative an, das sogenannte Chip-Chop-Modell. 

Anstatt den Preispool mithilfe des Independent Chip Models (ICM) aufzuteilen, wird bei der Chip-Chop-Methode der verbleibende Preispool entsprechend dem Prozentsatz der Chips jedes Spielers aufgeteilt. 

Wird die ICM-Methode verwendet, sieht die Preisgeldverteilung wie folgt aus:

Spieler Chips Mögliches Preisgeld ICM-Wert
Amy 100.000 $200 $140,84
Paul 70.000 $120 $123,80
Sophie 50.000 $80 $108,96
Tim 20.000 $50 $76,40

Bei diesem Beispiel verfügt Amy über 41.7% der Chips bei einem Preispool von $450. Unter Verwendung des Chip-Chop-Modells entspricht ihr Stack einem Gewinn von $187,65. Sie würde also deutlich mehr erhalten als ihren ICM-Wert, fast so viel wie bei einem Sieg des Turniers. Der Shortstack Tim verfügt lediglich über 8.3% der Chips, was einem Anteil am Preispool von $37,35 entspricht.

Seht ihr, wo das Problem liegt?

Amy könnte hier ohne Zweifel einen fantastischen Deal eintüten, doch Tim würde mit dieser Methode weniger erhalten als der viertplatzierte Spieler. Er wäre wohl nicht sonderlich begeistert, besonders weil er mit der ICM-Methode mehr als doppelt so viel erhalten hätte wie nach Chip-Chop-Aufteilung. 

Eine alternative Möglichkeit, das Preisgeld zu verteilen, besteht darin, jedem zuerst die 50$ für Erreichen des vierten Platzes zuzusprechen, die allen garantiert sind und erst dann den verbliebenen Preispool prozentual aufzuteilen:

Spieler Chips Deal
Amy 100.000 $154,25 ($50+$104,25)
Paul 70.000 $123 ($50+$73)
Sophie 50.000 $102 ($50+$52)
Tim 20.000 $70,75 ($50+$20,75)

Diese Methode liefert deutlich fairere Ergebnisse, die näher an einem ICM-Deal liegen. Allerdings wird der Chipleader so immer noch zu stark begünstigt, im Gegensatz zu einem ICM-Deal. Berechnet man für jeden Spieler eine Wahrscheinlichkeit für das Erreichen einer bestimmten Endplatzierung, sieht die Verteilung wie folgt aus:

  1. Platz 2. Platz 3. Platz 4. Platz
Amy 41,7% 31,9% 20% 6,4%
Paul 29,2% 31,2% 27,5% 12,2%
Sophie 20,8% 25,4% 33,2% 20,6%
Tim 8,3% 11,6% 19,3% 60,8%

Jedem Spieler zuerst den Mincash von $50 zuzuweisen, bevor Chip-Chop zur Anwendung kommt, liefert bei diesem Beispiel recht faire Ergebnisse. Sind die Chips allerdings deutlich ungleich verteilt, zeichnet sich ein anderes Bild. So könnte ein massiver Chipleader nach einem Chip-Chop-Deal ein höheres Preisgeld davontragen, als er für den Turniersieg erhalten hätte. Auf der anderen Seite erhält ein Shortstack kaum mehr als den Mincash.

Wie man erkennt, sollte man einen Chip-Chop-Deal nur als Chipleader akzeptieren. Ansonsten kommt diese Methode nur in Heads-Ups sinnvoll zum Einsatz, denn hier spielt ICM keine Rolle mehr.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Chip-Chop sei fair. Immerhin geht bei Turnieren um das Anhäufen von Chips. Die Chipverteilung als Grundlage zu nutzen, die Anteile am Preisgeld zu bestimmen, erscheint zunächst also sinnvoll. Doch das Independent Chip Model lehrt uns, dass der Geldwert der Chips von der Stackgröße abhängt. ICM-Deals sind bei Turnieren im Allgemeinen deutlich fairer für alle Beteiligten. 

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