Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Poker-Grundlagen: Final-Table-Deals nach ICM

Es gibt verschiedene Methoden zur Berechnung von Deals an einem Finaltisch. Die vorherrschende als "Goldstandard" basiert auf dem Independent Chip Model.

Die meisten Spieler machen sich wenig Gedanken über eine Strategie für Final-Table-Deals, bis sie sich in einer solchen Situation wiederfinden. Es existieren verschiedene Berechnungsmethoden für Deals am Final Table. Doch vorwiegend wird die Berrechnung auf Grundlage des Independent Chip Model (ICM) genutzt. Hiermit kann jedem Stack am Tisch ein Geldwert zugeordnet werden.

Heutzutage verstehen die meisten unter ICM eine Strategie für die späte Phase bei Turnieren. Allerdings wurde es ursprünglich als Berechnungsmethode für Final-Table-Deals entwickelt. Federführend hierbei waren Mason Malmuth und David Harville. Die Methode wurde entwickelt, um für jeden verbleibenden Spieler eine Wahrscheinlichkeit für das Erreichen einer bestimmten Endplatzierung abzuschätzen. (Etwaige Skillunterschiede werden hierbei nicht berücksichtigt). Die Berechnung erfolgt auf Grundlage der verschiedenen Stacksizes der Spieler.

Betrachten wir ein Beispiel für einen ICM-Deal. Die vier verbliebenden Spieler eines Turniers diskutieren einen Deal. Potential Prize gibt das Preisgeld an, das jeder Spieler erhalten würde, wenn seine derzeitige Platzierung der Endplatzierung entspräche.

Spieler Chips Mögliches Preisgeld ICM-Wert
Amy 100.000 $200 $140,84
Paul 70.000 $120 $123,80
Sophie 50.000 $80 $108,96
Tim 20.000 $50 $76,40

Chipleader in diesem Beispiel ist Amy. Gelingt es ihr diese Platzierung zu halten und das Turnier für sich zu entscheiden, gewinnt sie $200. Läuft es allerdings schlecht und sie scheidet auf Platz 4 aus, beträgt ihr Gewinn nur $50. Es gibt viele gute Gründe, einen Deal am Final Table abzuschließen, allen voran die Verminderung der Varianz. 

Obwohl Amy auf dem Weg zum Sieg ist, würde sie nach einem ICM-Deal nur $140,84 erhalten. Als Chipleader würde sie wahrscheinlich deutlich mehr erwarten. Auf der anderen Seite würde der viertplatzierte Tim mit seinem Shortstack $76,40 nach einem Deal erhalten - eine Summe fast so hoch wie der Preis für Platz 3.

Es gilt zu beachten, dass bei dieser Berechnungsmethode keine Skillunterschiede berücksichtigt werden. Viele werden überrascht sein, wenn ihnen die Ergebnisse von ICM-Deals das erste mal begegnen. Doch hierbei wird ein grundlegendes Prinzip von ICM deutlich: Je mehr Chips man hat, desto weniger ist jeder einzelne Chip wert. Das führt dazu, dass der Chipleader bei ICM-Deals auf einen großen Anteil des potenziellen Preisgeldes für den Erstplatzierten verzichtet. Der Shortstack hingegen erhält eine deutliche Erhöhung seines Preisgeldes als Viertplatzierter.

Der Chipleader verzichtet zwar auf den größten Teil des Preisgeldes für einen potenziellen Sieg, dafür sichert er sich jedoch gegen einen tiefen Fall ab. Der Shortstack erhält einen angemessenen Bonus zu dem Preis des Viertplatzierten, da er als letztplatzierter Spieler beim Versuch, das Turnier zu gewinnen, wenig zu verlieren hat.

Betrachten wir die Wahrscheinlichkeiten für die Endplatzierung jedes Spielers, um die Ergebnisse von ICM-Deals besser zu verstehen:

  1. 2. 3. 4.
Amy 41,7% 31,9% 20% 6,4%
Paul 29,2% 31,2% 27,5% 12,2%
Sophie 20,8% 25,4% 33,2% 20,6%
Tim 8,3% 11,6% 19,3% 60,8%

Tim wird zu 60,8% auf dem vierten Platz ausscheiden, doch in 39,2% der Fälle erreicht er eine Top-3 Platzierung, die ihm mehr als $80 einbringt. Hier wird deutlich, warum sein Preisgeld nach einem Deal so nah an dem Preis für Platz 3 liegt. Amy gewinnt das Turnier zu 41,7%, allerdings erreicht sie zu 58,3% einen Platz, für den sie weniger erhält, als wenn sie sich für einen ICM-Deal entscheidet. Einen Gewinn von $140,84 zu sichern, erscheint daher als eine attraktive Option.

Spieler ohne ein ausgeprägtes Verständnis von ICM lehnen ein Deal häufig ab, besonders wenn sie über einen großen Stack verfügen. Für ein besseres Verständnis ist es ratsam, den Fokus auf die Verteilung der Wahrscheinlichkeiten für die jeweiligen Endplatzierungen zu richten, anstatt auf den Geldwert der Chipstacks. Simulationen hierfür können auf PrimeDope durchgeführt werden.

Beim nächsten Artikel betrachten wir eine andere Berechnungsmethode für Final-Table-Deals dem sog. Chip-Chop.

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