GTO-Pokertheorie: Uphill Decision Razor
Wenn man sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden muss, wird man in vielen Fällen langfristig davon profitieren, wenn man die schwierigere der beiden Optionen wählt.

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.
Naval Ravikants "Uphill Decision Razor" ist ein Leitfaden für die Entscheidungsfindung, insbesondere wenn man zwischen zwei Optionen wählen muss. Die Heuristik besagt, dass man sich bei zwei Möglichkeiten für diejenige entscheiden sollte, die kurzfristig die größere Herausforderung oder Schwierigkeit darstellt.
Die Heuristik beruht auf der Idee, biologischen Instinkt, Schmerzen oder Schwierigkeiten zu vermeiden, zu überwinden und zu verstehen, dass kurzfristige Herausforderungen oft zu langfristigen Gewinnen führen. Es geht darum, den schwierigeren Weg jetzt in Kauf zu nehmen, um in der Zukunft ein lohnenderes Ergebnis zu erzielen.
Diese Methode ist besonders nützlich, wenn man eine sehr schwere Entscheidung zu treffen hat. Wenn die Wahlmöglichkeiten ähnlich sind, wird empfohlen, kurzfristig den schwierigeren oder schmerzhafteren Weg zu wählen. Dies kann für verschiedene Lebensszenarien gelten, z. B. für Karriereentscheidungen, Herausforderungen der persönlichen Entwicklung oder andere wichtige Lebensentscheidungen.
Die Strategie zielt darauf ab, langfristiges Denken und das Streben nach Wachstum oder Vorteilen, die sich im Laufe der Zeit summieren, zu fördern - im Gegensatz zum Streben nach sofortigem Komfort oder Bequemlichkeit.
Gameselection

Um die Brücke zum Poker zu schlagen: Diese Strategie lässt sich insbesondere in Sachen Gameselection sehr gut anwenden.
Pokerspieler sind von Natur aus darauf eingestellt, Spiele zu finden, bei denen schwächere Gegner mitmischen und dadurch die Erwartungshaltung höher ist. Das ist ein wichtiger Aspekt der langfristigen Rentabilität beim Poker. Man muss in Games spielen, die man schlägt.
Aber wenn man immer starken Gegner oder schwierigen Games aus dem Weg geht, hemmt das die Entwicklung. Wenn man in den Limits aufsteigt, muss man die Regulars auf diesen Stakes schlagen, nicht nur die Fische. Es sollte also auch ein Element der Herausforderung geben.
Ein Paradebeispiel dafür ist Phil Galfond, der nicht zuletzt deshalb zu einem der besten Heads-up- und PLO-Spieler der Welt geworden ist, weil er sich bewusst dafür entschieden hat, gegen die stärksten Gegner der Welt zu spielen. Er hätte leicht Games mit Blinds von $25/$50 finden können, spielte aber stattdessen gegen die besten Kontrahenten auf den Nosebleeds.
Galfond ist eine der Legenden des Spiels, gerade weil er in Sachen Gameselection diesen harten und schwierigen Weg gegangen ist.
Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!