Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Cunninghams Gesetz

Paradoxerweise führt der beste Weg zur richtigen Antwort nicht über die Frage selbst, sondern über eine bewusst falsche Aussage. Das sagt zumindest Ward Cunningham...

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Irrtum ruft große Reaktionen hervor

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Cunninghams Gesetz, benannt nach Ward Cunningham besagt, dass der beste Weg, die richtige Antwort im Internet zu erhalten, nicht darin besteht, eine Frage zu stellen, sondern eine falsche Antwort zu posten. Diese Methode soll Menschen dazu motivieren, aktiv nach Informationen zu suchen, anstatt sich bei der Suche nach Antworten blind auf andere zu verlassen.

Laut Cunningham verspüren Menschen den Ansporn, falsche Aussagen zu korrigieren und stellen daraufhin bereitwillig die richtigen Informationen zur Verfügung. Dies kann eine tiefergehende Diskussion fördern, die verschiedene Perspektiven und Quellen einbezieht.

Kürzlich habe ich im Internet ein treffendes Beispiel für dieses Phänomen entdeckt, bei dem sich jemand nach einem guten Restaurant in der Nähe erkundigt hat. Doch anstatt nach einer Empfehlung zu fragen, kündigte er ganz bewusst an, in einem desolaten Diner essen zu wollen. Daraufhin traten seine Kollegen in Scharen hervor, um ihn davon abzuhalten, das ungeliebte Restaurant zu besuchen und priesen ihm stattdessen kulinarisch hochwertigere Optionen an. Hätte er bloß nach einer Restaurantempfehlung gefragt, hätte er womöglich nicht so viele enthusiastische Empfehlungen erhalten. 

Diese Anekdote zeigt eindrucksvoll, wie gewissenhaft Menschen andere korrigieren und erinnert stark an das französische Sprichwort "prêcher le faux pour savoir le vrai", was übersetzt "Verkünde die Unwahrheit, um die Wahrheit zu erfahren" bedeutet.

Schlau ist, wer sich dumm stellt

Jeder, der jemals einen Handverlauf in einem Pokerforum veröffentlicht hat, dürfte dieses Prinzip nur allzu gut kennen. Wer über ein dickes Fell verfügt und bewusst vorgibt, die Hand perfekt gespielt zu haben, könnte auf diese Weise tatsächlich die besten Antworten erhalten. Doch dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Handhistorien, sondern wird auch in jedem beliebigen Twitch-Chat sichtbar. Die Zuschauer scheinen es zu lieben, andere auf ihre Fehler und logischen Schwächen hinzuweisen. 

Erst letzte Woche entflammte im Internet eine hitzige Diskussion über Solver, bei der Daniel Negreanu behauptete, er wisse, wie man GTO-Bots schlägt. Dies lockte zahlreiche Verfechter von Solvern hervor, die aufzeigten, wie fehlinformiert KidPoker hinsichtlich seiner Kenntnisse über GTO ist.

Ich bezweifle, dass Negreanu in irgendeiner Weise Cunninghams Gesetz angewendet hat. Vermutlich lag er mit seinen Aussagen einfach daneben. Doch die Begeisterung, mit der die Leute reagierten, um ihn zu korrigieren, bestätigt das Gesetz. Es lohnt sich durchaus, sich einige der Tweets zu diesem Beitrag anzusehen. 

Allerdings bezweifle ich, dass absichtliches Posten von Falschaussagen tatsächlich die optimale Lernmethode ist. Das Problem bei einer solchen Strategie besteht darin, dass die meisten Personen, die auf fehlerhafte Beiträge antworten, vermutlich mehr Freizeit als Expertise besitzen. Dieses Thema sollte also mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet werden. 

Im Kreise erfahrener Spieler könnte es sich jedoch tatsächlich lohnen, den Unwissenden zu spielen, um den Experten gezielt wertvolle Informationen zu entlocken. 

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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